Vahram Svachyan (, auch Vahram Sevadjian; * 6. Mai 1870 in Pera, Konstantinopel; † im Winter 1943 in Paris) war ein armenischer Klassischer Pianist, Komponist, Schriftsteller und Lyriker.Westarmenische Namensform: Վահրամ Սվաճեան; modernostarmenisch: Վահրամ Սվաճյան; russisch: Ваграм Свачян. Die englischsprachigen Metadaten der Untersuchung von Anna Adamyan verwenden Vahram Svachyan. IMSLP führt Vahram Sevadjian als alternative Namensform zu V. S. Sevadjian; der Normdatensatz der Bibliothèque nationale de France lautet dagegen lediglich „Sevadjian, V. S.“ und löst die Initialen nicht auf. – Anna Adamyan: Հայ երաժշտական իրադարձությունները Փարիզում XIX դարավերջին (ըստ «Անահիտ» հանդեսի հրապարակումների) [Armenische Musikereignisse in Paris am Ende des 19. Jahrhunderts nach Veröffentlichungen der Zeitschrift „Anahit“]. In: Արվեստագիտական հանդես [Journal für Kunstwissenschaft], Nr. 2 (6), 2021, S. 59–64, doi:10.52853/25792830-2021.2-59; IMSLP: V. S. Sevadjian; BnF: Sevadjian, V. S., jeweils abgerufen am 3. August 2026.Die Lebensdaten werden widersprüchlich angegeben. Anna Adamyan nennt den 6. Mai 1870 und das Todesjahr 1944. Der mit Svachyan persönlich bekannte Arshag Chobanian schrieb 1946, das genaue Geburtsjahr sei ihm unbekannt, und schätzte dessen Alter beim Tod auf 75 oder 76 Jahre; den tödlichen Unfall verortete er ausdrücklich im strengen Winter 1943. IMSLP und die armenische Musikenzyklopädie nennen 1871–1943. – Anna Adamyan: Հայ երաժշտական իրադարձությունները Փարիզում XIX դարավերջին (ըստ «Անահիտ» հանդեսի հրապարակումների) [Armenische Musikereignisse in Paris am Ende des 19. Jahrhunderts nach Veröffentlichungen der Zeitschrift „Anahit“], 2021, S. 60; Arshag Chobanian: Դէմքեր. Վահրամ Սվաճեան. Փրոֆէսէօր Կարապետ Աղաջանեան [Persönlichkeiten: Vahram Svachyan – Professor Karapet Aghajanyan]. In: Անահիտ [Anahit], Band 12, Nr. 2, 1946, S. 1–6; H. M. Aivazyan (Hrsg.): Հայ երաժշտության հանրագիտարան [Enzyklopädie der armenischen Musik]. Jerewan 2019, S. 622.
Leben Svachyan wurde im Istanbuler Stadtteil Pera geboren. Seine Mutter war die Schriftstellerin Mari Svachyan. Er besuchte die armenische Murat-Raphael-Schule in Venedig und studierte anschließend mehrere Jahre Musik am Wiener Konservatorium. Nach seiner Rückkehr nach Konstantinopel trat er als Pianist auf. Seit der Gründung der armenischen Zeitung Hayrenik im Jahr 1891 veröffentlichte er dort Erzählungen, Prosagedichte und Lyrik.
Während der hamidischen Massaker ließ er sich in Paris nieder. Dort wirkte er zugleich als Musiker und Autor. Er schrieb für die Zeitschriften Anahit, Bazmavep, Masis und Nor Kyank und gab Klavierabende, bei denen er neben Werken von Anton Rubinstein, Carl Maria von Weber, Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Franz Liszt und Frédéric Chopin auch eigene Kompositionen spielte.
Am 19. Oktober 1898 spielte Svachyan bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Pariser Palais du Trocadéro sein Scherzo l’Arménien. Bei einem weiteren armenischen Kulturabend führte er die eigenen Klavierstücke Le Berger und La Musette auf. Am 16. März 1899 gab er einen Klavierabend in Tiflis und reiste anschließend zu einem Konzert nach Baku. Später konzertierte er auch in London und in mehreren amerikanischen Städten.
1902 übersiedelte Svachyan in die Vereinigten Staaten. Dort heiratete er eine Amerikanerin aus einer wohlhabenden Familie. Das Ehepaar lebte später wieder in Paris. Durch die finanzielle Absicherung konnte er sich verstärkt dem Komponieren und Schreiben widmen; ein Teil seiner Kompositionen erschien bei französischen Musikverlagen. Der Komponist und Dirigent Ara Bartevian nahm einzelne Werke Svachyans in seine Konzertprogramme auf.
Während des Zweiten Weltkriegs lebte das Ehepaar in der Rue du Docteur Roux in Paris. Im strengen Winter 1943 starben beide in ihrer Wohnung durch ausströmendes Gas, nachdem sie wegen des Mangels an Heizmaterial versucht hatten, sich in der Küche zu wärmen. Sie wurden auf dem Friedhof von Bagneux beigesetzt.
Nach Svachyans Tod brachten Arshag Chobanian, Aram Andonian und ein mit dem Komponisten verwandter gleichnamiger Schauspieler dessen musikalische und literarische Manuskripte in die Bibliothek der Armenian General Benevolent Union. Zum Nachlass gehörten neben gedruckten Noten und Kompositionsentwürfen zwei weitgehend druckfertige Gedichtzyklen mit zusammen 174 Gedichten.
Werk Svachyan komponierte vor allem Klaviermusik, Lieder und Kammermusik. Chobanian zufolge strebte er keine bewusste Nachahmung armenischer Volks- oder Kirchenmusik an, sondern wollte innerhalb der europäischen Kunstmusik eine persönliche Tonsprache entwickeln. Die armenische Musikenzyklopädie beschreibt dagegen bei seinen Präludien, Nocturnes und Variationen Einflüsse des französischen Impressionismus und bei einer Gruppe von 22 Tänzen die Verwendung armenischer Volksmusikelemente. Sie nennt außerdem Romanzen nach europäischen und armenischen Dichtern, ein Trio, ein Quartett, ein Quintett und eine sinfonische Dichtung.
Musikalische Werke Früh belegte Aufführungswerke Scherzo l’Arménien, Klavierstück; 1898 in Paris aufgeführt Le Berger, Klavierstück; 1898 in Paris aufgeführt La Musette, Klavierstück; 1898 in Paris aufgeführt
Unter „V. S. Sevadjian“ katalogisierte Notenausgaben Die Bibliothèque nationale de France verzeichnet 29 Notenausgaben unter dem Normnamen „Sevadjian, V. S.“. Darunter befinden sich Mehrfachausgaben einzelner Werke. IMSLP setzt diese Namensform mit Vahram Sevadjian gleich; der BnF-Normdatensatz selbst schreibt die Initialen jedoch nicht aus.
Klaviermusik Deux Romances barbares (1908) Danse des heures (1908) Croquis d’Orient (1909), bestehend aus: Chanson d’un passant Le village distant Le chevrier Scherzando Berceuse arménienne Renouveau Barcarolle Sérénade badine Idylles antiques, zwei Hefte (1912) Premier Nocturne (1925; weitere Ausgabe 1926) Deuxième Nocturne (1925) Premier Prélude (1931) Deuxième Prélude (1931) Troisième Prélude (1931) Sept Préludes (1932)
Kammermusik Barcarolle für Violine und Klavier (1926) Ballade für Violoncello und Klavier (1930; weitere Ausgabe 1931) Sonate für Violine und Klavier (1930)
Lieder für Singstimme und Klavier Berceuse d’amour, Text von Fabius de Champville (1910) Les Jasmins, Text von Mathias Morhardt (1910) Murmures, Text von René-Albert Fleury (1910) Berceuse, Text von René-Albert Fleury (1911) Délire, Text von Armand Renaud (1912) Fin de journée, Text von Henri de Régnier (1912) Mélodies (1912) Invocation, Text von Henri de Régnier (1928) Étains, Text von René-Albert Fleury (1929) La Maison, Text von René-Albert Fleury (1929) Harmonie du soir, Text von Charles Baudelaire (1930) La Pastoure, Text von Adolphe Augé (1930)
Orchesterwerk La Fée et la péri, sinfonische Dichtung für großes Orchester nach einer Ballade von Victor Hugo (1913)
Literarische Werke Svachyan veröffentlichte Erzählungen, Prosagedichte und Lyrik in armenischen Zeitschriften. Sein wichtigstes größeres literarisches Projekt war der Gedichtzyklus Haygirk („Armenisches Buch“), in dem er Stoffe, Gestalten und Legenden der armenischen Geschichte dichterisch gestaltete. Chobanian verglich die Konzeption mit Leconte de Lisles Poèmes antiques, Victor Hugos La Légende des siècles und dem persischen Schāhnāme. Ein zweiter, im Nachruf nicht betitelter Zyklus bestand aus lyrischen Gedichten unterschiedlicher Thematik. Beide Sammlungen umfassten zusammen 174 Gedichte und waren beim Tod des Autors noch unveröffentlicht.
Literatur
Weblinks Normdatensatz „Sevadjian, V. S.“ im Katalog der Bibliothèque nationale de France Notenausgaben unter „Sevadjian, V. S.“ im Katalog der Bibliothèque nationale de France Noten von V. S. Sevadjian im International Music Score Library Project Aufnahmen mit Phillip Sear (Klavier):
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Klassischer Pianist Kategorie:Autor Kategorie:Lyrik Kategorie:Literatur (Armenisch) Kategorie:Person (Osmanisches Reich) Kategorie:Armenier Kategorie:Geboren 1870 Kategorie:Gestorben 1943 Kategorie:Mann