mini|Alte Exemplare des Scharfen Korkstachelings (Mitte rechts) verändern ihr Aussehen deutlich. Rechts: Die Stacheln an der Hutunterseite. Der Scharfe Korkstacheling (auch: Blutende Korkstacheling) (Hydnellum peckii) ist eine auffällige Pilzart aus der Gruppe der Nichtblätterpilze, deren Hutoberfläche bei jungen Exemplaren rote Tropfen absondert. Im englischsprachigen Volksmund wird die Art auch als „Teufelszahn“ (devil's tooth), „blutender Zahnpilz“ (bleeding tooth fungus) oder „Erdbeeren mit Sahne“ (strawberries and cream) bezeichnet.Hydnellum peckii bei first-nature, siehe unter Taxonomic History
Merkmale Makroskopische Merkmale Der kreiselförmige Hut misst 3–8 cm und kann mit den Hüten benachbarter Exemplare verwachsen. Jung ist er weißlich, gewölbt und gibt rote Guttationstropfen ab. Im Alter wird der Hut flach bis trichterförmig und dunkelt von der Mitte aus rot- bis ockerbraun nach. Seine Oberfläche wird dann grubig und rillig, während der Rand weißlich bleibt. An der Hutunterseite befinden sich zunächst grauweißliche, später braune Stacheln mit helleren Spitzen, die am konischen Stiel herablaufen. Das Fleisch ist korkig-zäh und rötet auf Druck. Sein Geruch ist angenehm würzig. Bei einer Geschmacksprobe, für die Lecken genügt, erweist sich das Fleisch zunächst als bitter, danach als brennend scharf und im Hals kratzend.
Mikroskopische Merkmale Das Sporenpulver ist braun; die Sporen sind höckerig und messen 5–6 × 4–4,5 μm. Die Septen haben teilweise Schnallen.Zum gesamten Abschnitt vgl. Winkler/Keller, Pilze Mitteleuropas, S. 67 und Gerhardt, Pilzführer, S. 568.
Ökologie und Phänologie Der Scharfe Korkstacheling erscheint von Sommer bis Herbst. Er ist ein Ektomykorrhizapilz und gilt als typischer Fichtenbegleiter, wird aber auch selten in Kiefern- und Buchenwäldern angetroffen. Er bevorzugt höhere Lagen und nährstoffarme, trockene und eher saure Böden.Krieglsteiner, Großpilze 1, S. 378.Der Scharfe Korkstacheling bei Pilzbuch-Pilzwelten In Deutschland begegnet er bis auf wenige Streufunde in Niedersachsen (früher auch in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg) nur noch südlich des 51. Breitengrades.Krieglsteiner, Großpilze 1, S. 380.
Verbreitung Der Scharfe Korkstacheling erscheint in Nordamerika (USA, Kanada) und in West-, Mittel- und Nordeuropa sowie im Kaukasus.Krieglsteiner, Großpilze 1, S. 379. Die Art ist auch in Asien und Australien nachgewiesen worden.Hydnellum peckii auf redlist.info
Artabgrenzung Auch die jungen Fruchtkörper des Rotbraunen Korkstachelings (Hydnellum ferrugineum) sondern auf der Hutoberfläche rote Tropfen ab und können daher mit dem Scharfen Korkstacheling verwechselt werden. Im Unterschied zu diesem fehlt ihnen jedoch der bitter-scharfe Geschmack.Cetto, Enzyklopädie der Pilze 1, S. 227.
Gefährdung Der Scharfe Korkstacheling gilt in Deutschland als gefährdet (Rote Liste 3).Hydnellum peckii bei Rote Liste Zentrum Wie alle Hydnellum-Arten ist er einer starken Rückgangstendenz unterworfen, in den Niederlanden ist er bereits seit 1950 und in Ostdeutschland seit 1970 verschollen (laut Krieglsteiner, Stand 2000).Krieglsteiner, Großpilze 1, S. 379f.
Verwendung Der Scharfe Korkstacheling ist ungenießbar und sollte wegen seiner Seltenheit nicht gesammelt werden.
Taxonomie Die Art wurde 1912 von Howard James Banker als Hydnellum peckii beschrieben. Spätere Umkombinationen als Hydnum peckii (Sacc. 1925) und Calodon peckii (Snell & E. A. Dick 1956) setzten sich nicht durch.Hydnellum peckii bei Mycopedia
Etymologie Das Art-Epitheton ehrt den amerikanischen Mykologen Charles Horton Peck, der über 2500 Pilzarten neu beschrieb.
Literatur Bruno Cetto: Enzyklopädie der Pilze, Band 1, München: BLV Verlagsgesellschaft 1988, ISBN 3-405-13473-0, S. 226f. Ewald Gerhardt: Der große BLV Pilzführer, 6. Aufl. München: Gräfe und Unzer 2022, ISBN 978-3-96747-012-3, S. 568f. Andreas Gminder, Peter Karasch: Das Kosmos-Handbuch Pilze, Stuttgart: Kosmos 2023, ISBN 978-3-440-17027-4, S. 586f. German Josef Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 1, Stuttgart: Ulmer 2000, ISBN 3-8001-3531-0, S. 378–380. Rudolf Winkler, Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas. 3800 Pilzarten schrittweise bestimmen. Bern: Haupt 2023, ISBN 978-3-258-08101-4, S. 67.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Warzenpilzartige Kategorie:Ungenießbarer Pilz