Camera DDR (auch camera ddr) war eine Produktionsgruppe des DEFA-Studios für Dokumentarfilme und dessen Vorläufern von 1969 bis 1990, die Kurzfilme im Auftrag des DDR-Außenministeriums produzierte.

Organisationsgeschichte 1959 und 1960 ließ das Außenministerium der DDR die ersten Filme durch das DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme herstellen. Anfang 1962 bat es das Sekretariat des Politbüros der SED, dort eine Künstlerische Arbeitsgruppe (KAG) zu bilden, die Dokumentarfilme für die Präsentation der DDR im Ausland herstellt.Maulucci, 2024, p. 55, mit einigen Details Dieses wurde zunächst nicht bewilligt, aber Ende des Jahres wurden zwanzig Kurzfilme gedreht, die dafür genutzt werden konnten, in den folgenden Jahren entstanden weitere.

1965 wurde eine Künstlerische Arbeitsgruppe Auslandsinformation unter der Leitung von Paul Ickler gegründet. Ende 1968 wurde in der Zeit des verstärkten Bemühens der DDR um internationale diplomatische, kulturelle und wirtschaftliche Anerkennung beschlossen, die Produktionsgruppe Camera DDR zu bilden, die ab 1970 unter der Leitung von Joachim Hadaschik stand.Maulucci, 2024, p. 58; auch Camera DDR DEFA-Stiftung, mit den Leitern Diese bestand bis 1990 mit den gleichen Aufgaben.

Aufgaben und Inhalte

Die Filme sollten ein positives Bild der DDR im Ausland vermitteln, besonders in westlichen Staaten und vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.Maulucci, 2024, pp. 53ff. Sie stellten Bereiche der Wirtschaft, der Kultur und des Alltags der DDR dar, einige würdigten die Fortschritte in jungen Nationalstaaten. Viele Filme zeigten ein geschöntes Bild des Landes der DDR nach den politischen Wunschvorstellungen der SED, einigen wenigen gelang eine etwas realistischere Darstellung.

Die meisten Filme waren zwischen 20 und 25 Minuten lang und waren je nach Zielregion in englischer, französischer, spanischer, russischer und/oder arabischer Sprache untertitelt.Maulucci, 2024, p. 59 Die meisten wurden nur im Ausland gezeigt, einige wenige kamen auch in die Kinos der DDR. Zu den aus heutiger Sicht interessantesten gehören die lange Dokumentation Deutschland – Endstation Ost (1964) des Belgiers Frans Buyens, der die DDR drei Jahre nach dem Mauerbau auch in Gesprächen mit Straßenpassanten darzustellen versuchte, sowie einige zeithistorisch aufschlussreiche Kurzfilme.Mauöucci, 2024, pp. 56–57, mit einigen weiteren Beispielfilmen

Bei der DEFA-Stiftung sind etwa 250 dieser Filme, sowie etwa 250 Folgen des DDR-Magazins erhalten, was bei einer geschätzten Gesamtzahl von 5.500 DEFA-Dokumentarfilmen (zwischen 1946 und 1994) etwa zehn Prozent (in einem wesentlich kürzeren Zeitraum ausmacht).Maulucci, 2024, p. 53

DEFA-Dokumentarfilme für das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR

Jahr Titel Regisseur Bemerkungen 1959 Der Augenzeuge (39) über Ereignisse in Westdeutschland 1959 Luftschutz 1960 Ein Besuch in der Deutschen Demokratischen Republik Günter Weschke 1962 Dorfkinder Heinz Müller 1962 Drei Briefe Max Jaap 1962 Im Pergamon-Museum Jürgen Böttcher auf der Museumsinsel in Berlin 1963 Anmut, Schönheit Lebensfreude Heinz Sobiczewski 1963 Der Kinder wegen – Flucht ins Vaterland Winfried Junge über Übersiedler aus Westdeutschland in die DDR 1963 Was wird aus Westberlin? Dagobert Loewenberg propagandistischer Film 1964 Weihnachten in Berlin 1983 Rolf Schnabel über die ersten Besuche von West-Berlinern in Ostberlin nach dem Mauerbau 1964 Deutschland – Endstation Ost Frans Buyens Koproduktion mit Belgien, Ost-Berlin drei Jahre nach dem Mauerbau 1964 Institut der Freundschaft Heinz Fischer 1964 Charlie & Co Jürgen Böttcher 1964 Ferientage Winfried Junge über Schüler in Altenburg 1965 Kindertheater Jürgen Böttcher 1965 Das Gesetz heißt Glück Lotti Thiel 1965 Freie Bauern Joop Huisken 1966 Für das Selbstbestimmungsrecht der Völker Frans Buyens 1966 Elf Jahre alt Winfried Junge 1966 Die Alliierten Joop Huisken 1966 Berlin heute Joachim Hadaschik 1966 Häuser unterm Kreuz Heinz Müller über Kirchen und weitere religiöse Gemeinschaften in der DDR 1967 Zu Besuch Hans Müller 1968 Die Spur von meinen Erdentagen Lotte Thiel über Weimar und seine Klassiker 1968 Jubiläum einer Stadt – 750 Jahre Rostock Winfried Junge 1968 Tierparkfilm Jürgen Böttcher aus dem Tierpark Berlin-Friedrichsfelde 1968 Arbeiterfamilie Jürgen Böttcher 1969 Mädchen im Netz Renate Drescher 1969 DDR 20 Uwe Belz anlässlich des 20. Jahrestages der DDR 1969 Humboldt-Ehrungen in der DDR Siegfried Schönfelder über die Ehrungen für Alexander von Humboldt in verschiedenen Städten der DDR 1969 Heiner Hinrichs. Protokoll eines Charakters Bernhard Thieme 1970 Klemke Uwe Belz über den bekannten Berliner Illustrator 1971 Von eurem Geist Wolfgang Bartsch 1971 Rosa Luxemburg – Stationen ihres Lebens Renate Drescher zu ihrem 100. Geburtstag 1971 Song International Jürgen Böttcher über das 2. Festival des politischen Liedes in Berlin 1973 Wir waren in Berlin Ursula Demitter, Joachim Hadaschik, Alfons Machalz, Heinz Müller, Kurt Plickat, Heinz Sobiczewski, Horst Winter über die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Berlin 1974 Freundschaft – Drushba – Herzenssache Rolf Schnabel über die deutsch-sowjetische Freundschaft 1975 Visita de Amizade a Democratica Alema Joachim Hadaschik über den Freundschaftsbesuch einer Delegation aus einem Entwicklungsland in der DDR 1975 Endgültig und heute Joachim Hadaschik Propagandafilm 1975 Für das Glück der Frauen und der Familie Erwin Nippert, Heinz Müller über die Familienpolitik der DDR 1979 Jung ist unser Lied Róża Berger-Fiedler 1979 Im Zeichen der Freundschaft Siegfried Kaletka 1981 Museumsinsel Alfons Machalz in Berlin 1981 Das deutsche Hygiene-Museum in der DDR [unbekannt] in Dresden 1981 Erinnerungen. Zwei Frauen in Leipzig János Gyarmati über zwei ehemalige Trümmerfrauen 1981 Martin Luther Joachim Hadaschik 1986 Wenn die Erde weiß vom Schnee Dieter Raue über Rennrodel-Weltmeister aus Oberhof 1986 Kollwitzplatz Berlin Peter Petersen 1987 Eine Lehrerin Heinz Müller 1988 Thomas Müntzer Klaus Schulze

Weitere Filme waren die Beiträge für die monatlichen Ausgaben des DDR-Magazins (1960–1980) und die zahlreichen Reportagen über die Auslandsreisen von Erich Honecker, vor allem durch Joachim Hadaschik.

Literatur

Thomas Maulucci: The DEFA Foreign Ministry Films. Presenting the GDR to the world, 1962–90. In: Seán Allan, Sebastian Heiduschke (eds.): Imgaging Socialism. East German Documentary Cinema . Berghahn 2024, pp. 53–73, besonders pp. 53–60

Weblinks Camera DDR DEFA-Stiftung, mit kurzen Organisationsangaben Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR Filmportal (Memento) Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR Dokumentarfilmgeschichte, mit einigen Filmen

Einzelnachweise

Kategorie:DEFA Kategorie:Außenpolitik (DDR) Kategorie:Propaganda (DDR) Kategorie:Gegründet 1969 Kategorie:Aufgelöst 1990 !