Markus Braun (* 2. Juli 1932 in Lauterburg; † 11. März 2023 in Köln)Ingeborg Wick: Die weltweite Ökumene war sein Zuhause. Nachruf auf Markus Braun (PDF; 0,1 MB). In: solidarischekirche.de nach Afrika-Süd Nr. 2/23, abgerufen am 1. August 2026. war ein deutscher evangelischer Pfarrer, Missionar, Autor und Soziologe. Er engagierte sich gegen Apartheid, in der entwicklungspolitischen Arbeit und für afrikanische Befreiungsbewegungen. Er wirkte von 1967 bis 1971 als Missionar der Berliner Missionsgesellschaft in Südafrika, gründete den Mainzer Arbeitskreis Südliches Afrika (MAKSA) und engagierte sich in der Ökumene.
Leben Braun wuchs mit vier Geschwistern auf. Sein Vater, ein württembergischer Pfarrer, kam bei einem Unfall ums Leben, als Braun acht Jahre alt war, so dass er früh auch Armut erlebte. Nach dem Abitur an den Evangelischen Seminaren Maulbronn und Blaubeuren 1951 arbeitete er als Fabrikarbeiter und auf dem Bau. Ab 1952 studierte er Evangelische Theologie in Tübingen, später in Hamburg. Er schloss das Studium zunächst nicht ab, sondern wurde 1960 an der Universität Tübingen im Fach Soziologie promoviert und arbeitete mit Hermann Bausinger und Herbert Schwedt am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft zusammen. 1961 nahm er an der Kirchlichen Hochschule Berlin das Theologiestudium wieder auf.Gerd Decke: Kampf gegen Apartheid, Kolonialismus und Rassismus. Nachruf auf den Berliner Missionar Markus Braun. In: WeltBlick 2/2023, S. 34
1964 heiratete er die Gemeindehelferin Ilse Reinhold. Aus der Ehe gingen vier Töchter hervor.
Ab 1967 war er als Pfarrer in Südafrika tätig, zunächst in Welkom im Oranje-Freistaat, später in Johannesburg.Anja Schade: „… somit waren wir Teil des Problems in Südafrika“. Zur Rolle der EKD und MAKSA. Interview mit Markus Braun, in: Andreas Bohne, Bernd Hüttner, Anja Schade (Hrsg.): Apartheid No! Facetten von Solidarität in der DDR und BRD. ISBN 978-3-948250-05-8, S. 178f. Unter anderem weil er dort auch Kontakte zu schwarzen Gemeinden in den Townships pflegte, musste er 1971 das Land verlassen.
Ab 1972 arbeitete er im Seminar für kirchlichen Dienst in der Industriegesellschaft der Gossner Mission in Mainz. Danach war er in einer Sonderpfarrstelle für Weltmission und Ökumene der Evangelischen Kirche im Rheinland tätig. Er war Gründer bzw. Mitgründer mehrerer Anti-Apartheid-Organisationen wie dem Mainzer Arbeitskreis Südliches Afrika (MAKSA) und der Anti-Apartheid-Bewegung (AAB).
Engagement und Positionen Braun engagierte sich besonders in der weltweiten Ökumene und verstand diese nicht nur als konfessionelle Kooperation, sondern auch als gesellschaftliches Anliegen für soziale Gerechtigkeit und gegen Apartheid, Kolonialismus und Rassismus.
Der von ihm mitgegründete Mainzer Arbeitskreis Südliches Afrika verfasste 1972 die sogenannte „Mainzer Erklärung“, die in Westdeutschland den Anti-Apartheid-Protest einläutete.Sebastian Justke, Sebastian Tripp: Ökonomie und Ökumene. Westdeutsche und südafrikanische Kirchen und das Apartheid-System in den 1970er- und 1980er-Jahren. In: Zeithistorische Forschungen 2/2016, dort Anm. 26.
Braun kritisierte die mangelnde Bereitschaft der Evangelischen Kirche zur Wiedergutmachung in NamibiaAnne Françoise Weber: „Es fehlt die Bereitschaft zur Wiedergutmachung.“ Interview mit Markus Braun, Deutschlandfunk Kultur, 14. Mai 2017. und engagierte sich in seinen letzten Lebensjahren für die Umwandlung der aus der Kolonialzeit stammenden Christuskirche in Windhoek in eine Gedenkstätte.
Ein im Jahr 2017 bei der Vollversammlung des Lutherischen Weltbunds ausgesprochenes Schuldbekenntnis der EKD ist maßgeblich durch die Arbeit des Mainzer Arbeitskreises Südliches Afrika und der Solidarischen Kirche Rheinland zustande gekommen.
Noch im hohen Alter setzte er sich für eine Unterstützung Namibias aufgrund von Deutschlands kolonialer Vergangenheit ein.Offener Brief an die Bundesregierung: Sofortige Unterstützung für Namibia. Website der Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland (VAD e.V.) vom 7. Juli 2021.
Schriften mit Hermann Bausinger, Herbert Schwedt: Neue Siedlungen. Volkskundlich-soziologische Untersuchungen des Ludwig-Uhland-Instituts, Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1959 (2., veränderte Auflage 1963). Der Mensch als Bewohner der Landschaft. Volkskundliche Untersuchungen am Beispiel der Örtlichkeitsnamen von Murrhardt und Umgebung. Eberhard-Karls-Universität, Tübingen 1960 (Dissertation vom 8. August 1960). Reformation des Theologie-Studiums. Reich, Hamburg 1966. Das schwarze Johannesburg. Afrikaner im Getto. Lembeck, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-87476-021-9. Völkermord verjährt nicht. Kommentar zum EKD-Studienprozess zum kolonialen südlichen Afrika (= Berliner Beiträge zur Missionsgeschichte. Band 17). Wichern-Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-88981-386-2.
Literatur
Gerd Decke: Kampf gegen Apartheid, Kolonialismus und Rassismus. Nachruf auf den Berliner Missionar Markus Braun. In: WeltBlick 2/2023, S. 34 Anja Schade: „… somit waren wir Teil des Problems in Südafrika“. Zur Rolle der EKD und MAKSA. Interview mit Markus Braun. In: Andreas Bohne, Bernd Hüttner, Anja Schade (Hrsg.): No! Facetten von Solidarität in der DDR und BRD. 2019. ISBN 978-3-948250-05-8, S. 178–180
Weblinks Anne Françoise Weber: „Es fehlt die Bereitschaft zur Wiedergutmachung.“ Interview mit Markus Braun, Deutschlandfunk Kultur, 14. Mai 2017
Einzelnachweise
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