Louise Bonnet (* 1970 in Genf) ist eine schweizerisch-US-amerikanische Malerin. Ihre Werke befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Armand Hammer Museum of Art, des Los Angeles County Museum of Art (LACMA) sowie des Moderna Museet in Stockholm; 2022 war sie mit der Arbeit Pisser Triptych auf der Biennale di Venezia vertreten.
Leben Bonnet wuchs in einem französischsprachigen, nach eigener Schilderung konservativ geprägten Vorort der Stadt auf. Sie besuchte die Genfer École des Arts Décoratifs, die heutige Haute école d’art et de design (HEAD – Genève). Nach Angaben der Galerie Ocula studierte sie zudem an der École nationale supérieure des arts décoratifs in Paris, bevor sie einen Bachelor of Fine Arts am ArtCenter College of Design in Pasadena, Kalifornien, erwarb.
1994 zog Bonnet zunächst für ein Jahr „Auszeit“ nach Los Angeles und blieb dort dauerhaft; sie lebt und arbeitet seither in der Stadt. Vor ihrer Laufbahn als bildende Künstlerin war sie als Illustratorin und Grafikdesignerin tätig.
Sie ist mit dem Künstler und Keramiker Adam Silverman verheiratet.
Künstlerischer Werdegang 2008 begann Bonnet nach eigener beruflicher Umorientierung, sich ausschließlich der Malerei zu widmen, und zeigte ihre erste Einzelausstellung in den Subliminal Projects in Los Angeles, einem von Shepard Fairey und Blaize Blouin gegründeten Galerie- und Projektraum. In dieser frühen Phase malte sie noch mit Acrylfarbe, unter anderem Bildnisse von Personen wie Yoko Ono sowie an Filmfiguren angelehnte Motive.
Um 2014 vollzog Bonnet den Wechsel von Acryl- zu Ölfarbe, der es ihr nach eigener Aussage erlaubte, ihren Kompositionen mehr Licht, Tiefe und Volumen zu verleihen. Den kommerziellen und kuratorischen Durchbruch markierte 2016 ihre erste Einzelausstellung bei Nino Mier in Los Angeles, bei der sämtliche gezeigten Werke verkauft wurden. In der Folge wurde sie von mehreren international tätigen Galerien vertreten, darunter Nino Mier Gallery (Los Angeles/New York/Brüssel), Galerie Max Hetzler (Berlin, Paris, London, Marfa) und Gagosian; bei Gagosian gilt sie neben Urs Fischer als eine der wenigen Schweizer Künstler im Programm.
Werk Bonnets Gemälde zeigen überwiegend einzelne, meist geschlechtlich uneindeutige Figuren mit stark übersteigerten, wulstigen und deformierten Körperformen – aufgeblähte Gliedmaßen, geschwollene Nasen, winzige Köpfe oder ausladende Hände und Füße –, die in engen, oft klaustrophobischen Bildausschnitten oder vor flächigen Farbfeldern agieren. Die Figuren sind meist gesichtslos oder ohne erkennbare Mimik dargestellt; im Zentrum steht stattdessen Körperhaltung und -spannung. Thematisch kreist ihr Werk um Scham, Verdrängung, Einsamkeit, Melancholie und Nostalgie sowie um ein Ringen des Körpers mit gesellschaftlichen Zuschreibungen und Blicken von außen.
Seit etwa 2000 arbeitet Bonnet in thematischen Werkgruppen wie Bathers (Badende), Ghosts (Geister) und Sphinxes (Sphinxe), die an kunsthistorische Bildgattungen anknüpfen. Ein wiederkehrendes Motiv sind überdimensionierte Brüste, die etwa wie Filmprojektoren leuchten oder wie ein Springbrunnen Milch verspritzen, sowie Haare, die Gesicht und Körper der Figuren verdecken.
Als künstlerische Bezugspunkte werden in Sekundärquellen unter anderem die niederländische Stilllebenmalerei des 17. Jahrhunderts, Renaissance-Porträtmalerei, der Surrealismus sowie Underground-Comics genannt; als moderne und zeitgenössische Einflüsse gelten Philip Guston, Lucian Freud, John Currin, Louise Bourgeois, Paul McCarthy und Tom of Finland sowie die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Die Kunsthistorikerin Flavia Frigeri und die Autorin Miranda July zählen zu den Personen, die sich in Katalogtexten bzw. Interviews mit Bonnets Werk auseinandergesetzt haben; July beschrieb Bonnet als „Malerin runder, fleischiger, fast obszöner Formen und Figuren“, deren „saubere, freundliche Cartoonwelt“ eine Spannung zwischen Harmlosigkeit und Perversion erzeuge.
Zu ihren bekannteren Einzelwerken zählen The Hours (2018) und The Bath (2019) sowie das mehrteilige Pisser Triptych (2021–2022), das sie 2022 für die Biennale di Venezia schuf und das anschließend vom Moderna Museet in Stockholm erworben wurde.
Das Ölgemälde „Faucethead“ (2020) erzielte im Oktober 2022 bei der Contemporary Evening Auction von Sotheby’s in Hongkong einen Rekordpreis von rund 753.000 Euro.
Ausstellungen (Auswahl) 2008 – Louise Bonnet (Einzelausstellung), Subliminal Projects, Los Angeles 2016 – Einzelausstellung, Nino Mier Gallery, Los Angeles 2018 – 12th SITE SANTA FE International: Once Within a Time, SITE Santa Fe, Santa Fe, New Mexico (Gruppenausstellung) 2021 – Bathers, Galerie Max Hetzler, Paris 2022 – Onslaught, Gagosian, Hongkong 2022 – The Milk of Dreams, 59. Biennale di Venezia, kuratiert von Cecilia Alemani 2023 – 30 Ghosts, Gagosian, New York 2023 – Entanglements (mit dem Keramiker Adam Silverman), Hollyhock House, Los Angeles Louise Bonnet & Elizabeth King: De Anima, Swiss Institute, New York (zweiteilige Ausstellung mit Elizabeth King)
Sammlungen Werke von Louise Bonnet befinden sich unter anderem in folgenden öffentlichen Sammlungen: Armand Hammer Museum of Art, Los Angeles; Los Angeles County Museum of Art (LACMA); Museum of Contemporary Art, Los Angeles (MOCA); Denver Art Museum; Art Gallery of Ontario, Toronto; MAMCO Genève; und Moderna Museet, Stockholm.
Einzelnachweise
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