Joel Cohen (* 29. Mai oder 23. Mai 1942 in Providence, Rhode Island; † 26. Juli 2026 in Haverhill, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Musiker und Spezialist für alte Musik.

Leben Joel Cohen studierte nach dem Schulabschluss Komposition und Musiklehre an der Brown Universität in Providence und schloss mit dem Bachelor of Arts (B.A.) im Jahr 1963 ab. Anschließend setzte er das Kompositionsstudium an der Harvard Universität fort und beendete den Studiengang mit dem Master of Arts (M.A.) 1965. Dank eines Danforth-Stipendiums verbrachte er zwei Jahre von 1965 bis 1967 in Paris als Schüler von Nadia Boulanger.

Er arbeitete von 1968 bis zum Ruhestand im Jahr 2008 als Musikdirektor der Camerata in Boston, wobei er Zwischenaufenthalte, unter anderem in Frankreich, hatte. mini|Fête de la Musique, 2015, Nizza, place Masséna In den 1970er Jahren war er für zwei Spielzeiten als Produzent von musikalischen Radiosendungen für den französischen Hörfunksender France Musique tätig und erfand 1972 den seit 1982 jährlich stattfindenden Weltmusiktag in Frankreich (Fête de la Musique).

Ab 1976 befasste er sich mit Alter Musik, zunächst mit der US-amerikanischen Early Music, also klassische Musik der Vereinigten Staaten ab den 1770ern. Zusätzlich befasste er sich ab 1980 mit europäischen Stücken aus der Mittelalterlichen Musik.

Er gründete im Jahr 1990 die Camerata Mediterranea, die er 2007 in Frankreich als gemeinnütziges Forschungsprojekt eintragen ließ.

Cohen pflegte persönliche Beziehung zur Shaker-Gemeinde von Sabbathday Lake, Maine, deren Mitglieder ihre Musik gemeinsam mit der Boston Camerata und kooperierenden Chören aufnahmen und aufführten, woraus die beiden Alben Simple Gifts und The Golden Harvest entstanden.

1997 traf Joel Cohen den marokkanischen Musiker Mohammed Briouel und arbeitete mit ihm zusammen. Im folgenden Jahr war er beim Festival von Aix-en-Provence zu erleben.

Ab 2002 kooperierte er mit der Tero Saarinen Company und arbeitete mit dem finnischen Choreografen Tero Saarinen zusammen. Ihre gemeinsame Produktion war auf Tourneen in Ländern wie Frankreich, Deutschland, England, Schweden, Finnland, Italien und den Vereinigten Staaten zu sehen.

Im Jahr 2000 war er als staatlich ernannter Künstler in den Niederlanden tätig.

Im Jahr 2007 wurde er als besonderer Künstler an der Universität von Tennessee in Knoxville aufgenommen.

Cohen emeritierte im Jahr 2008 und verstarb am 26. Juli 2026.

In seiner aktiven Zeit nahm er über 50 Alben mit Erato, Nonesuch und Harmonia Mundi auf, hielt Vorträge an Universitäten wie Harvard, Yale und Amherst, gab Seminare und Workshops in Basel, an der Königlichen Oper in Brüssel sowie in Spanien, Singapur und Japan.

Tätigkeitsbereiche Arbeit im Bereich der frühen amerikanischen Musik Cohen begann 1976 mit Arbeiten zur Alten Musik und blieb dabei. Einige seiner Stücke wurden in das Repertoire der Boston Camerata aufgenommen.

Europäische Alte Musik Cohen fügte Länderinterpretationen europäischer Musik ab 1980 mit der französischen und englischen Renaissance hinzu. Das Barockrepertoire nutzte er gelegentlich und fand damit in der Fachwelt Beachtung, wie beispielsweise mit der ersten Aufnahme von Purcells Dido und Aeneas oder Jean Gilles Requiem.

Bedeutung Joel Cohen gilt als der Erfinder des seit 1982 jährlich stattfindenden Weltmusiktages (Fête de la Musique) in Frankreich. Er hatte die Idee 1972 und konnte sie durch das französische Kulturministerium realisieren lassen.

Joel konnte durch seine musikalischen Interpretationen einem nicht fachkundigen Publikum diese Art der Musik näher bringen. Durch seine Kommentare und Programmnotizen, auch während der Programmdarbietungen, verstand die Zuhörerschaft die Hintergründe und Absichten besser. Er war daran interessiert, Musikstücke neu zu interpretieren.

Werke 1976: The Roots of American Music, 1986 als New Britain neu aufgenommen 1978: Jewish Baroque Music (Harmonia Mundi) und Sing We Noel (Nonesuch Records) 1980: Purcells Dido und Aeneas auf historischen Instrumenten (Harmonia Mundi) 1987: Mittelalterliche Neuinterpretation der Legende von Tristan und Isolde (Erato) 1990: Jean Gilles Requiem (u. a. Erato), The Sacred Bridge (Erato) und Le Roman de Fauvel (Erato) 1992: Nueva España (Erato), Simple Gifts und The Golden Harvest 1996: Carmina Burana (Erato) 1997: Cantigas 2004: Borrowed Light 2008: A Boston Camerata Christmas: Worlds of Medieval Christmas Music (Warner Classics) 2009: Le Voir-Dit

Auszeichnungen 1965–1967: Danforth-Stipendium 1967: Erwin-Bodky-Preis 1985: Signet Society Medaille von der Harvard Universität 1987: Großer Preis der Schallplatte für die Neuinterpretation der Legende von Tristan und Isolde 2000: Edison-Preis für Cantigas 2001: Georges-Longy-Preis 2003: Howard-Mayer-Brown-Preis für das Lebenswerk 2005: Offizier des Ordens der Künste und der Literatur von der Französischen Republik

Weblinks Diskografie bei Medieval.org

Einzelnachweise

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