Ernst Franz Josef Niemczyk (* 20. Juni 1880 in Lissek; † nach 1950) war ein deutscher Manager in der Brauerei- und Malzindustrie.
Leben
Werdegang Niemczyk besuchte das Humanistische Gymnasium seines Geburtsorts Lissek in Oberschlesien. Im Jahr 1900 nahm er ein Studium der Chemie an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Breslau auf, welches er im Januar 1904 als Diplomingenieur abschloss.Berichte des Verbandes der Laboratoriums-Vorstände an deutschen Hochschulen, Heft 6. 18. September 1904. S. 20. Niemczyk schloss sich in seiner Studienzeit dem Corps Silingia Breslau und später ebenfalls dem Corps Franconia Halle an.Erwin Willmann (Hrsg.): Verzeichnis der Alten Rudolstädter Corpsstudenten (AH-Liste des RSC). Ausgabe 1928, Nr. 3387.
Er arbeitete drei Jahre in der deutschen Aktien-Malzfabrik in Breslau und der Traditionsbrauerei Schifferer (gegründet 1790; aufgegangen in der Holsten-Brauerei) in Kiel, bevor er 1907 eine Stelle als Betriebschemiker in der deutschen Aktien-Malzfabrik (siehe Malzfabrik Landsberg) in Landsberg im Bezirk Halle an der Saale antrat. Dort stieg Niemczyk bis zum Fabrikdirektor und 1911 zum Vorstandsmitglied auf; weitere Vorstandsmandate folgten. Ab 1921 saß Niemczyk im Vorstand der Malzfabrik Löbau. Vier Jahre später, 1925, wurde er in den Aufsichtsrat der Übersee-Exportmalzfabrik in Wismar berufen. Ebenso war er Vorstandsmitglied der Halleschen Getreidebörse und Beirat der Gerstenkulturstelle in Halle. Des Weiteren war Niemczyk Vorstand des Halleschen Vereins für Getreide- und Produktenhandel und Mitglied im Verein Deutscher Brauerei- und Mälzerei-Betriebschemiker. Am 15. Juli 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.222.428).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/30601139
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zum 1. Januar 1949, nachdem er bereits Mitte Juni 1946 erneut zum Vorstand der Aktien-Malzfabrik Landsberg berufen wurde, durch die Landesregierung Sachsen-Anhalt zu dessen Treuhänder bestellt. Zusätzlich war er Verwalter für die in der Aktien-Malzfabrik investierten ausländischen Vermögenswerte.
Zudem war er Förderer der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.
Wirken Gemeinsam mit anderen Fachleuten aus der Brauereiwissenschaft und der Malzindustrie, insbesondere mit Professor Walter Piratzky vom Institut für die Gärungs- und Getränke-Industrie Berlin, entwickelte Niemczyk eine Mikromälzmethode für Sommergerste, was die objektive Beurteilung der Qualität bei Sommergersten-Zuchtarbeiten vereinfachte.
Darüber hinaus hielt Niemczyk diverse Patente und führte eigenständige Versuche durch.bspw. ein Patent zur Vorrichtung zur schnellen Bestimmung der Sortierung und des Ausputzes in der Gerste. Sein Versuch zum Einsatz von Malzpflügen bei geackerten Malzhaufen zeigte neben einer Zeitersparnis und einer effizienteren Arbeitsweise eine um rund 0,86 % höhere Mehrgewichtsausbeute. Des Weiteren war er u. a. mit Paul Kolbach 1938 Teil einer Schwandkommission zur Beantwortung der Frage, was normaler Bierschwand beim Bierbrauen sei. Diese Kommission ermittelte anhand von Durchschnittswerten Normen.Brauerei: Wissenschaftliche Beilage. Bände 13–15. 1960.
Familie Niemczyk war verheiratet mit Helene, geborene Schlovien. Das Paar hatte zwei Kinder.
Werke Der überwiegende Teil der verfassten Aufsätze sind in nationalen Fachjournalen (beispielsweise Wochenschrift für Brauerei), aber auch in internationalen Zeitschriften, wie dem Journal of the Institute of Brewing, Brewing Trade Review oder Chemical Abstracts, veröffentlicht.
Ein Auszug der wissenschaftlichen Aufsätze und Beiträge Niemczyks alphabetisch sortiert:
Aufreißer oder Malzpflug. In: Wochenschrift für Brauerei. Jg. 25. 1910 Der Wassergehalt des Malzes bei Silo- und Bodenlagerung. In: Wochenschrift für Brauerei. Jg. 27, 62–63. Die Abläuterung, eine Fehlerquelle bei der Malzanalyse. In: Wochenschrift für Brauerei. Jg. 27. 551–552. Die Saalegersten des Jahrgangs 1928 und ihre Verarbeitung. In: Wochenschrift für Brauerei. 1928, Jg. 45. 574–576. Ein kleiner Beitrag zur Verarbeitung der Saalegersten des Jahres 1927. Einfluss von Isolationsmitteln auf die Wasseraufnahme des Malzes unter spezieller Berücksichtigung des Bodenlagerung. In: Bericht des Vereins Deutscher Brauerei- und Mälzerei-Betriebschemiker. Einiges aus der Praxis über das Thema: Kohlensäure und Sauerstoff in der Weiche und auf der Tenne. In: Wochenschrift für Brauerei. Jg. 30. 297–301; 313–316.Rezeption bspw. im American Brewers' Review. Band 27. 1913. mit Schwarze und Kettlitz: Über die Verarbeitung der Gersten der Ernte 1925. In: Wochenschrift für Brauerei. Jg. 43. 7–10. Über Farbbestimmungen in Malzen. In: Zeitschrift für das gesamte Brauwesen. Jg. 31, Nr. 37 Zur Malzpflugfrage. In: Allgemeine Brauer- und Hopfen-Zeitung. Jg. 9.
Literatur Ernst Niemczyk. In: George W. Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer: Lebensgänge deutscher Wirtschaftspersönlichkeiten; ein Nachschlagebuch über 13.000 Wirtschaftspersönlichkeiten unserer Zeit. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg / Berlin / Leipzig. 1929. S. 1604. (Link). Karl Mossner, Julius Mossner: Adressbuch der Direktoren und Aufsichtsräte. Band 2. Finanz-Verlag, Berlin. 1929. S. 65.
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Brauer (Deutschland) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Corpsstudent (20. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1880 Kategorie:Gestorben im 20. Jahrhundert Kategorie:Mann