mini|Das Lutherdenkmal in Eisleben Das Lutherdenkmal auf dem Markt in Eisleben erinnert an den deutschen Reformator Martin Luther. Das neogotische Standbild wurde 1883 nach einem Entwurf von Rudolf Siemering errichtet.

Geschichte Anlässlich des 400. Jubiläums der Geburt des Reformators sammelte die Stadt Eisleben Geld für die Aufstellung eines Denkmals auf dem Marktplatz in der Nähe des einstigen Gerichtsplatzes unter der Linde. Die Idee dazu entstand 1869 in der Lehrerschaft der Stadt und folgte früher Ideen von 1801 oder auch 1817, wobei die Gelder der Sammlung für 1817 an Wittenberg übergeben werden mussten, woran am dortigen Lutherdenkmal eine Tafel erinnert. Im Jahr 1875 hatte man ausreichend Geld gesammelt, um die Ausschreibung zu beginnen, die Rudolf Siemering gewann. Dieser arbeitete von 1879 bis 1882 an dem 2,70 Meter hohen Standbild.

Die feierliche Einweihung erfolgte am 10. November 1883. Von November 1991 bis August 1992 wurde das Denkmal restauriert. Anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 wurde das Denkmal gereinigt und mit einer Schutzschicht versehen. Die Enthüllung erfolgte am 30. September 2016. Bereits einige Tage zuvor wurde ein Kupferzylinder mit Münzen und Zeitdokumenten im Denkmalsockel versenkt. Das Standbild steht unter Denkmalschutz und ist als Baudenkmal mit der Erfassungsnummer 094 70276 im Denkmalverzeichnis von Sachsen-Anhalt eingetragen.

Beschreibung Die überlebensgroße Bronzeplastik hält in der linken Hand die Bibel und in der rechten die päpstliche Bannbulle. Das Postament aus dunkelgrünem schwedischem Naturstein verzieren Reliefplatten. Drei dieser vier Reliefs zeigen Szenen aus dem Leben Luthers: Luther im Kreise seiner Familie (Westseite), Luther als Bibelübersetzer auf der Wartburg (Südseite) und die Disputation Luthers mit Dr. Eck (Nordseite). Die vierte Reliefplatte befindet sich an der Frontseite und zeigt eine Allegorie zum Thema Der Sieg des Guten über das Böse, auf der ein Engel eine Teufelsgestalt mit dem Wappenschild Luthers am Boden hält. Flankiert werden die Reliefs von Säulen, zudem werden sie je von einem Rundbogen überspannt. Auch diese stammen von Siemering. Sie wurden von der Kunstgießerei Gladenbeck & Sohn in Berlin gegossen. Das Postament schuf die Granitschleiferei Kessel & Röhl aus Berlin. Mit diesem ist das Denkmal 5,6 Meter hoch. Das Bronze-Standbild wiegt zirka 1,5 Tonnen. Eingefasst wird das Denkmal, das auf einem Stufenpodest steht, von einem kunstvoll gestalteten Zaun.

Kopie mini|hochkant|Lutherdenkmal Danzig Als man in Danzig von den Denkmalplänen in Eisleben erfuhr, gab man bei Rudolf Siemering eine Kopie in Auftrag, die ebenfalls am 10. November 1883 eingeweiht wurde. Sie stand dort im Südquerhaus der Marienkirche direkt beim damaligen Haupteingang. Das Lutherdenkmal überstand die Bombardierung Danzigs durch die Rote Armee im Frühjahr 1945, wurde dann aber als deutsch-nationalistisches Denkmal gebrandmarkt. Der Statue wurde ein Stahlhelm aufgesetzt und auf die päpstliche Bulle Mein Kampf geschrieben. Als man die Kirche 1946 beräumte, wurde das Denkmal entsorgt und vermutlich in ein Stahlwerk gebracht. Ursprünglich in: historia.luter2017.pl. Evangelisch-Augsburgische Kirche in Polen, 2017 (polnisch, deutsch: Denkmal für Martin Luther in Danzig (nicht mehr vorhanden)).

Literatur Dehio-Vereinigung (Hrsg.): Georg Dehio. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt II. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1999, ISBN 978-3-422-03065-7, S. 475. Anja Tietz: Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt. Band 16.1: Landkreis Mansfeld-Südharz (I), Altkreis Eisleben. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2014, ISBN 978-3-7319-0130-3, S. 119.

Weblinks

Einzelnachweise

Lutherdenkmal Lutherdenkmal Kategorie:Lutherdenkmal Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Sachsen-Anhalt Kategorie:Erbaut 1883