Die Guiratangare (Hemithraupis guira, Syn.: Motacilla guira) ist eine Vogelart aus der Familie der Tangaren (Thraupidae), die in Kolumbien, in Venezuela, in Guyana, in Suriname, in Französisch-Guayana, in Ecuador, in Peru, in Bolivien, in Brasilien, in Paraguay und in Argentinien verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.

Merkmale mini|links|Guiratangare ♀ Die Guiratangare erreicht eine Körperlänge von 13,0 bis 14,0 cm bei einem Gewicht von ca. 10,0 bis 13,0 g, Das Männchen hat einen gelblich olivgrünen vorderen Oberkopf, Oberkopf und Rücken. Die Kopfseiten und die Kehle ist schwarz. Der gelbe Überaugenstreif setzt sich farblichen den Kopf- und Halsseiten fort und bildet einen schmalen Saum zwischen der schwarzen Gesichtsmaske bzw. der schwarzen Kehle und dem olivfarbenen Oberkopf und Nacken. Der Bürzel ist rötlich orange oder rostorange und geht zu den Oberschwanzdecken hin ins Gelbe über. Die Flügeldecken und die Schwungfedern sind dunkel mit olivfarbenen Säumen. Die Brust ist rostorange oder wirkt verbrannt orange. Der Bauch ist grünlich, die Flanken aschgrau und die Unterschwanzdecken gelblich. Beim Weibchen ist die Oberseite olivgrün, gelblicher an den Oberschwanzdecken. Die Unterseite ist überwiegend blass gelb oder gelblich grün mit grauen Flanken. Der Bauch ist meist grauweiß. Bei Jungtieren ist die dunkle Maske heller als beim Altvogel und wirkt eher braun als schwarz. Auch die orangefarbene Färbung an Brust und Bürzel ist weniger ausgeprägt. Die Iris ist dunkelbraun, der Oberschnabel hornschwarz, der Unterschnabel dunkel gelb, die Beine und Zehen bleifarben bis gräulich.Andrew Johnstone, u. a. (2020)

Lautäußerungen Der Morgengesang der Guiratangare wird als TIT-de-de DIT TIT TIT, tit-de-de-dit dit beschrieben, wobei die letzte Note bisweilen quietschend klingt. Der Rhythmus erinnert stark an einen Trommelwirbel von einer Dauer von etwa 2,5 Sekunden, der sich nach Pausen von 3 Sekunden wiederholt. Der Tagesgesang wird als eine rasche Abfolge nasaler tschi- oder tschut-Laute beschrieben, die sich zu einem Triller aus tschit-Lauten beschleunigen und am Ende verlangsamen. Dieser dauert etwa 2 Sekunden, mit Pausen von 5 Sekunden. Andere Beschreibungen nennen 6 bis 7 scharfe, prägnante Töne, die wie sa-sit-sit-sit-sit-sit-sit klingen. Der Gesang wird ebenfalls als eine Abfolge hoher Töne, die leicht ansteigen und nach tsi, tsi, tsi-tseh, tseh, tseh klingen, in der Literatur genannt. Zu den beschriebenen Rufen gehören aauck- und tschi oder tschout- sowie im Flug tsip-tsi-Laute.

Fortpflanzung Wenig ist über die Brutbiologie der Guiratangare bekannt. Ein Nest aus Paraguay befand sich hoch oben in einem hohen Baum in der Gabelung eines dünnen Astes. Es war ein eher instabiles, napfförmiges Gebilde mit einem Durchmesser von 7 Zentimetern und einer Höhe von 6 Zentimetern. Dabei bestand es aus Palmenfasern und Flechten und war mit feinen Pflanzenfasern ausgekleidet. Die Eier waren weiß und am stumpfen Ende leicht zimtbraun gezeichnet. Hier in Paraguay wurden Nester in den Monaten Oktober und November festgestellt. In Suriname wurde im Juli ein Weibchen mit Nistmaterial im Schnabel beobachtet. Es wurde ein einzelner Fall von Brutparasitismus durch einen Seidenkuhstärling (Molothrus bonariensis) dokumentiert. So wurde am 30. November 1983 im Distrito Federal do Brasil beobachtete, wie ein junges Männchen der Guiratangare einen jungen Kuhstärling fütterte.Robero Brandao Cavalcanti, u. a. (1988), S. 42.

Verhalten und Ernährung Die Guiratangare ernährt sich von Insekten und Früchten. Zu den nachgewiesenen Beutetieren zählen Schmetterlingslarven, Käfer, Wanzen und Laubheuschrecken. Auch Spinnen werden verzehrt. Zu den Früchten seiner Nahrung gehören Beeren der Gattung Miconia. Sie ist aktiv wie Grasmückenartige. Ihre Nahrung sucht sie in den Baumkronen, indem sie hüpfend, sich vorbeugend, hängend oder flatternd die Ober- und Unterseiten von Blättern untersucht oder unter Zweige späht. Zudem streckt sie den Kopf über das Blattwerk, um die Blätter abzusuchen, hängt an Blättern und stößt von dort aus kurz in das Blattwerk vor. Sie durchsucht auch Blattbüschel und Zweige oder untersucht Blütenkronen auf Insekten. Sie zieht gewöhnlich paarweise oder in kleinen Familien-Gruppen umher, gelegentlich jedoch auch in Schwärmen von bis zu 25 Individuen.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet der Guiratangare (grün) Die Guiratangare bewohnt verschiedenste Waldtypen. Im gesamten Verbreitungsgebiet ist der tropische, immergrüne Tieflandwald der primäre Lebensraum. Sie kommt zudem in trockenen, feuchten und mäßig feuchten Wäldern, hohem Sekundärwald oder offenen Gehölzbeständen, schattigen Kaffee- und Kakaoplantagen sowie bei einzeln stehenden Bäumen auf Lichtungen vor. Im Nordwesten Perus ist die Art auch in Mangrovenwäldern anzutreffen.

Unterarten Es sind folgende Unterarten anerkannt: Hemithraupis guira nigrigula (, 1783)Pieter Boddaert (1783), S. 43. kommt im nördlichen zentralen Kolumbien über das nördliche Venezuela, die Guyanas und das nordöstliche Brasilien nördlich des Amazonas vor. Die Unterart ähnelt sehr H. g. guira, doch ist der gelbe Fleck an den Halsseiten ausgedehnter und erstreckt sich oft über die Vorderhalspartie, sodass er die dunkelbraune Kehle von der ockerfarbenen Brust trennt. Die Merkmale dieser Form sind recht variabel, wenngleich die größere Ausdehnung des Gelbs an den Halsseiten im Allgemeinen zutrifft. Hemithraupis guira roraimae (, 1910)Carl Eduard Hellmayr (1910), S. 88. ist an den Tepuis des südöstlichen Venezuela und in Guyana verbreitet. Die Subspezies ähnelt H. g. nigrigula hinsichtlich des Gelbanteils an den Halsseiten und des Vorhandenseins eines mehr oder weniger deutlichen gelben Kehlbands unterhalb der dunkelbraunen Kehlpartien, ist jedoch größer und mit kräftigerem Schnabel. Das Weibchen ist so groß wie H. g. fosteri, ist aber auf der Unterseite leuchtender gelblich und auf der Oberseite dunkler olivfarben. Hemithraupis guira guirina (, 1856)Philip Lutley Sclater (1856), S. 110. kommt im westlichen und zentralen Kolumbien über das westliche Ecuador an den nördlichsten Teil Perus vor. Im Vergleich zu den Männchen der Nominatform und H. g. nigrigula sind die Männchen deutlich größer, an der Brust dunkler und auf der Oberseite dunkler zitronengelb d. h. weniger gelblich, während der viel schmalere Überaugenstreif stark, oft sogar vollständig, eher den Farbton von Siena aufweist als ein leuchtendes Gelb. Hemithraupis guira huambina , 1926Jan Sztolcman (1926), S. 233. ist vom tropischen südöstlichsten Kolumbien über das östliche Ecuador, das nordöstlichen Peru bis ins westliche Brasilien östlich bis an den Rio Madeira verbreitet. Die Unterart sieht der Nominatform sehr ähnlich. Das Männchen weist einen leuchtend gelbe Überaugenstreif auf. Hemithraupis guira boliviana , 1947John Todd Zimmer (1947), S. 10 kommt im nordöstlichen Bolivien über das nordöstliche Argentinien und das angrenzende westliche Brasilien vor. Die Subspezies ähnelt H. g. amazonica ist im Durchschnitt aber größer. Der Rücken wirkt im Schnitt heller grün. Die Brust ist dunkler braun, jedoch der Bürzel durchschnittlich heller. Der gelbe Bereich hinter der Kehle fehlt meist oder ist selten ausgeprägt. Von H. g. fosteri unterscheidet sie sich durch eine dunklere Färbung der Oberseite und das Fehlen des gelben Stirnbandes. Die Kehle ist im Schnitt tiefer schwarz. Hemithraupis guira amazonica , 1947John Todd Zimmer (1947), S. 9 ist in Brasilien südlich des Amazonas vom Rio Madeira bis zum Rio Tapajós verbreitet. Die Unterart ähnelt H. g. nigrigula unterscheidet sich jedoch beim Männchen dadurch, dass der gelbe Überaugenstreif und der gelbe Nackenfleck hinter den Ohrdecken breit ineinander übergehen. Von der Nominatform unterscheidet sie sich durch den dunkleren olivfarbenen Rücken, die satter braune Brust und Bürzelpartie sowie das meist ausgeprägtere gelbe Band unterhalb der Kehle. Hemithraupis guira guira (, 1766)Carl von Linné (1766), S. 335–336. kommt im östlichen Brasilien vom Rio Tocantins von Ceará über Goiás bis ins nordwestliche Bahia vor. Hemithraupis guira fosteri (, 1904)Richard Bowdler Sharpe (1904), S. 96. ist vom östlichen Paraguay über das nordöstliche Argentinien und das Binnenland des südöstlichen Brasilien verbreitet. Die Subspezies ist sehr nah an der Nominatform. Im Durchschnitt ist sie jedoch größer und mit kräftigerem Schnabel. Bei adulten Männchen sind die Überaugenstreifen und der gelbe Fleck an den Halsseiten ausgedehnter, wobei erstere oft ineinanderfließen und so ein durchgehendes Band über die Stirn bilden.

Migration Die Guiratangare ist überwiegend ein Standvogel. Manche Vögel ziehen sich möglicherweise saisonal aus den äußersten südlichen Teilen ihres Verbreitungsgebiets in Argentinien und Südbrasilien zurück.

Etymologie und Forschungsgeschichte mini|links|Tafel von François-Nicolas Martinet zu Buffons Beschreibung von Hemithraupis guira nigrigula und der Schwarzkappentangare (Nemosia pileata) Die Erstbeschreibung der Guiratangare erfolgte 1766 durch Carl von Linné unter dem wissenschaftlichen Namen Motacilla Guira. Als Verbreitungsgebiet gab er pauschal Brasilien an. 1851 führte Jean Louis Cabanis die für die Wissenschaft neue Gattung Hemithraupis für die Guiratangare ein.Jean Louis Cabanis (1851), S. 21. Der Begriff leitet sich von und ab.Hemithraupis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling. Der Artname guira stammt aus der Guaraní-Sprache, in der Guihrá für Vogel steht.guira The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling. Huambina bezieht sich auf das Distrikt Huambo, boliviana auf Bolivien, amazonica auf den Amazonas und roraimae auf den Roraima-Tepui. Guirina hat den gleichen Ursprung wie guira erweitert um guirina The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, nigrigula in und .nigrigula The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling. Boddaert bezog sich hierbei auf Tangara olive à gorge noire de Cayenne nach Georges-Louis Leclerc de Buffon.Georges-Louis Leclerc de Buffon (1851), Tfael 720, Abbildung 1. Schließlich ist fosteri William Thomas Foster (1867–1915) gewidmet. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay dreizehn Bälg, gesammelt von Foster in Sapucai, von Adolf Neunteufel in Cambyretá, von Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973) und Michael Mathias Kiefer (1902–1980) Puerto Casado in Zanja Moroti und in San Luis de la Sierra im Bergland des Río Apa, zur Verfügung. Laubmann betrachtete H. g. guira und H. g. fosteri als im Land verbreitet. In der Literatur betrachtete er neben den Bälgen aus Puerto Casado Puerto Pinasco im Departamento Presidente Hayes durch Alexander WetmoreAlexander Wetmore (1926), S. 393. als Nachweis für die Nominatform. Für H. g. fosteri sah er in SapucaiCharles Chubb (1910), S. 630.Harry Church Oberholser (1902), S. 143. durch Charles Chubb und Harry Church Oberholser, im Departamento Alto ParanáArnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 62. durch Arnaldo de Winkelried Bertoni sowie in Villarrica und östlich des Río ParaguayCarl Eduard Hellmayr (1936), S. 373–374. durch Hellmayr als gültige Nachweise. Außerdem erwähnte er Pico de punzon del amarillo barba negraFélix de Azara (1802), S. 400–408. von Félix de Azara.Alfred Laubmann (1940), S. 168–170.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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