Cioclovina (; ungarisch Csoklovina) ist ein Dorf im Kreis Hunedoara in der Region Siebenbürgen in Rumänien. Es gehört zur Gemeinde Boșorod.

Geographische Lage Cioclovina liegt im Süden des Kreises Hunedoara am Nordwestrand des Șureanu-Gebirges, einer Gebirgsgruppe der Südkarpaten. Der Ort befindet sich auf der Luncani-Hochfläche am oberen Ende des Tals der Luncani (Valea Luncanilor) am Fuß einer bewaldeten Kalksteinwand, in der sich die Cioclovina-Höhle geöffnet hat. Die Höhenlage der Gehöfte bewegt sich zwischen etwa 500 und 800 Metern.Statistici și populație. Primăria Boșorod, abgerufen am 30. Juli 2026 (rumänisch).

Wie die übrigen Bergsiedlungen der Luncani-Hochfläche – Alun, Târsa, Ursici und Prihodiște – ist Cioclovina eine Streusiedlung; die Gehöfte liegen einzeln oder in Gruppen von fünf bis sechs Häusern beieinander, die meist von verwandten Familien bewohnt werden. Der Gemeindesitz Boșorod ist über die Kreisstraße DJ 668A und die teilweise asphaltierte Gemeindestraße DC 57C erreichbar. Die Kleinstadt Hațeg liegt rund 15 Kilometer westlich, die Kreishauptstadt Deva etwa 40 Kilometer nordwestlich.

Geschichte

Ur- und Frühgeschichte Die Höhlen im Umfeld des Dorfes gehören zu den bedeutendsten ur- und frühgeschichtlichen Fundstellen Rumäniens. Aus der Peștera Cioclovina Uscată („trockene Cioclovina-Höhle“) stammt die 1941 beim Phosphatabbau geborgene Schädelkalotte Cioclovina 1, aus der Peștera Cioclovina cu Apă („nasse Cioclovina-Höhle“) ein spätbronzezeitlicher Hortfund von mehreren tausend Objekten.

Auf dem Höhenrücken zwischen Cioclovina und dem benachbarten Weiler Ponorici verläuft die dakische Sperrmauer von Ponorici–Cioclovina, die von der örtlichen Bevölkerung Troianul genannt wird.Ioan Glodariu, Eugen Iaroslavschi, Adriana Rusu: Cetăți și așezări dacice în Munții Orăștiei. București 1988, S. 165. In der Forschung wird die Anlage als Sperrwerk gedeutet, das die dakischen Festungen des Orăștie-Gebirges, insbesondere Sarmizegetusa Regia, gegen einen römischen Vorstoß aus dem Tal des Strei sichern sollte. Wenige Kilometer nördlich liegt die dakische UNESCO-Weltkulturerbe-Festung Piatra Roșie.

Neuzeit Das Gebiet der heutigen Gemeinde Boșorod gehörte im Mittelalter zur Herrschaft der Burg Hunedoara. Die älteste urkundliche Erwähnung im Gemeindegebiet betrifft das Dorf Chitid und stammt aus dem Jahr 1377; der Gemeindesitz Boșorod ist erstmals 1733 belegt. Die Streusiedlungen der Luncani-Hochfläche, zu denen Cioclovina zählt, entstanden im Zuge der späteren Erschließung der Bergweiden und Wälder. Die heutige Verwaltungsgliederung der Gemeinde geht auf das Jahr 1956 zurück.

Wirtschaftlich prägend war im 20. Jahrhundert der Abbau von Guano in der trockenen Cioclovina-Höhle zwischen 1912 und 1941/42.

Bevölkerung Bei der Volkszählung 2021 hatte die Gemeinde 1781 Einwohner. 96,18 Prozent der Einwohner bezeichneten sich als Rumänen.Rezultatele definitive ale Recensământului Populației și Locuințelor 2021. Institutul Național de Statistică, abgerufen am 30. Juli 2026 (rumänisch). Cioclovina-Höhle Die Cioclovina-Höhle liegt rund sechs Kilometer vom Dorf entfernt und wird in zwei Abschnitte gegliedert: die höher gelegene Peștera Cioclovina Uscată und die tiefer liegende Peștera Cioclovina cu Apă.

1941 stießen Bergleute beim Phosphatabbau in der trockenen Höhle auf eine menschliche Schädelkalotte, die 1942 als Homo sapiens diluvialis bestimmt wurde. Zusammen mit dem Fund wurden drei Steinartefakte geborgen, die dem Aurignacien zugeordnet werden. In der Peștera Cioclovina cu Apă entdeckte der Speläologe Traian Orghidan Anfang der 1950er Jahre einen umfangreichen spätbronzezeitlichen Depotfund.Mihai Rotea, Nicolae Cătălin Rișcuța, Nona Palincaș u. a.: The hoard from the „Cioclovina cu Apă“ Cave: content, dating, and significations. In: Analele Banatului. 2018.

Guanoabbau und Ardealit Von 1912 bis 1941/42 wurden die mächtigen fossilen Guanoablagerungen der Höhle bergmännisch abgebaut und als phosphathaltiger Dünger unter der Bezeichnung „Cioclovina-Phosphat“ vermarktet.

Die Höhle ist Typlokalität des Minerals Ardealit (CaHPO4·CaSO4·4H2O), das 1931/32 von Josef Schadler und Franz Halla erstmals beschrieben und nach Ardeal, der rumänischen Bezeichnung für Siebenbürgen, benannt wurde.Josef Schadler: Ardealit, ein neues Mineral CaHPO4·CaSO4+4H2O. In: Zentralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie. Abt. A, 1932, S. 40–41. In den Phosphatsedimenten der Höhle wurden seither zahlreiche weitere, teils sehr seltene Minerale nachgewiesen, unter anderem Brushit, Taranakit und Tinsleyit.Bogdan P. Onac u. a.: Revisiting three minerals from Cioclovina Cave (Romania). In: International Journal of Speleology. Band 40, Nr. 2, 2011, S. 99–108.

Naturschutz Das Gemarkungsgebiet von Cioclovina liegt innerhalb des Naturparks Grădiștea Muncelului–Cioclovina, der durch das rumänische Gesetz Nr. 5/2000 als Schutzgebiet von nationalem Interesse ausgewiesen wurde und seit 2007 zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 gehört.

Tourismus Cioclovina hat sich seit den 2010er Jahren zu einem Ausgangspunkt für den Wander- und Naturtourismus im Șureanu-Gebirge entwickelt. Durch das Gebiet führt der Fernwanderweg Via Transilvanica. Weitere Ziele in der Umgebung sind die Wasserfälle am Austritt der nassen Cioclovina-Höhle, die Karstsenke Fundătura Ponorului, die dakische Festung Piatra Roșie sowie die aus dem 18. Jahrhundert stammende Holzkirche „Mariä Entschlafung“ im Nachbardorf Luncani.

Literatur

Ioan Glodariu, Eugen Iaroslavschi, Adriana Rusu: Cetăți și așezări dacice în Munții Orăștiei. Editura Sport-Turism, București 1988. Ștefan Negrea: Prin peșterile lumii. Editura Sport-Turism, București 1979. Andrei Soficaru, Cătălin Petrea, Adrian Doboș, Erik Trinkaus: The Human Cranium from the Peştera Cioclovina Uscată, Romania. In: Current Anthropology. Band 48, Nr. 4, 2007, S. 611–619.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Kreis Hunedoara