Leopoldine Lichtenstein (* 1898 oder 1897) war eine österreichische Giftmörderin. Sie ist heute bekannt dafür, dass sie Martha Marek, mit der sie sich eine Gefängniszelle teilte, zu ihren späteren Morden inspirierte.
Frühes Leben Leopoldine Lichtenstein wurde um 1898 als eines von neun Kindern geboren. Ihr Vater arbeitete als Metalldreher. Ihr Großvater war psychisch krank und verbrachte 19 Jahre in einer Psychiatrischen Klinik, wo er auch starb.
Sie besuchte die Volksschule, arbeitete später als Hilfskraft in einer Wäscherei, während des Krieges in einer Munitionsfabrik, und danach als Schaffnerin in der Straßenbahn. Dort lernte sie um 1918 ihren späteren Ehemann, den Metalldruckergehilfen Hermann Lichtenstein kennen.
Ehe Wegen einer ungeplanten Schwangerschaft heirateten die beiden 1919. Erst 1920 zogen sie in eine gemeinsam gemietete Wohnung, Hermann war arbeitslos, Leopoldine arbeitete als Koloristin. Das Kind starb früh, das Eheleben gestaltete sich auch aufgrund ihrer Armut von Anfang an als schwierig.
1923 trafen die Eheleute über einen Fußballklub einen alten Schulfreund Leopoldines, Johann Wild. Leopoldine und Johann sahen sich von da an öfter, was zu Streit und Eifersucht zwischen dem Ehepaar führte.
Im Februar 1924 wurde die Ehe einverständlich geschieden. Leopoldine kehrte in ihr Elternhaus zurück und hielt weiterhin ein Verhältnis mit Johann, doch auch Hermann versuchte nach kurzer Zeit, wieder mit ihr zusammen zu wohnen. Ihm wurde zu dieser Zeit vom Bezirksgericht ein strenger Verweis erteilt, da er sie mehrfach körperlich misshandelt hatte. Leopoldine ließ sich trotzdem auf ein Zusammenleben ein, da ihre Eltern auf kleinstem Raum lebten und sie selbst arbeitslos geworden war. 1925 wiederholte sich das Geschehen und sie verließ ihn wieder aufgrund von Misshandlungen, zog aber auf sein Bitten bald wieder mit ihm zusammen.
Tathergang Nachdem sie in einer Zeitung von der erfolgreichen Vergiftung mehrere Menschen mit Rattengift gelesen hatte, kaufte Leopoldine das thalliumhaltige Gift „Zelio“. Sie begann, ihrem Mann die Paste ins Abendessen zu geben, er wurde im Juli wegen starker Gelenkschmerzen in ein Spital eingeliefert und dort wegen Rheumatismus behandelt. Möglicherweise wurde ihm auch noch im Spital thalliumhaltige Milch von Leopoldine zugeführt, was schließlich von einem Arzt unterbunden wurde.
Nachdem sich sein Gesundheitszustand nach einer Magenspülung verbessert hatte, konnte er entlassen werden. Nur acht Tage später brach er auf der Straße zusammen und wurde erneut eingeliefert. Am 27. September 1925 verstarb er im Wilhelminenspital.
Bei der Autopsie wurden Anzeichen für eine chronische Arsenvergiftung festgestellt. Da das Ehepaar Lichtenstein wegen mehrfachen Anzeigen über ihre Ehestreitigkeiten bereits polizeilich bekannt war, wurde Leopoldine im November 1926 verhaftet und verhört. Sie gestand, dass sie ihren Ehemann vergiftet hatte.
Sie wurde wegen Totschlags einer Person, zu der ein besonderes Verpflichtungsverhältnis besteht, zu acht Jahren schwerem Kerker verurteilt. Zusätzlich wurde ihr für jeden Todestag ihres Opfers isolierte Dunkelhaft angeordnet.
Bekanntschaft mit Martha Marek Als Martha Marek wegen Versicherungsbetrug eine Gefängnisstrafe absitzen musste, teilte sie sich eine Zelle mit Leopoldine Lichtenstein. Dieser Umstand wird als Inspirationsquelle Mareks für ihre späteren Giftmorde angesehen. Auch sie ermordete nach ihrer Freilassung ihren Ehemann mit derselben Rattengift-Paste, später auch ihre Kinder und eine Untermieterin.
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Einzelnachweise
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