mini|Franziska Fleischanderl mit ihrem Barbi-Salterio von 1725 mini|Battuto am barocken Salterio mini|Finger-pizzicato mini|Plektren-pizzicato Franziska Fleischanderl (* 28. Jänner 1983 in Linz) ist eine österreichische Musikerin und Musikwissenschaftlerin. Sie gilt als international führende Interpretin und Erforscherin des Salterios, eines im 18. Jahrhundert vor allem in Italien verbreiteten Hackbrettinstruments. Für das Album Vivaldi’s Salterio wurde sie gemeinsam mit ihrem Ensemble Il Dolce Conforto im Jahr 2024 mit dem Opus Klassik ausgezeichnet.

Leben Franziska Fleischanderl wuchs im Mühlviertel in Oberösterreich auf und erhielt ab dem Kindesalter Unterricht auf dem Hackbrett. Nach der Matura am Musikgymnasium Linz im Jahr 2002 studierte sie Instrumentalpädagogik mit Hauptfach Hackbrett an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz (Masterabschluss 2006) sowie Zeitgenössische Kammermusik an der Hochschule für Musik Basel (Masterabschluss 2014). In dieser Zeit widmete sie sich der Erweiterung des zeitgenössischen Repertoires für Hackbrett, brachte rund 30 Kompositionen zur Uraufführung und arbeitete unter anderem mit György Kurtág zusammen.

2014 erwarb sie auf Vermittlung des Dirigenten Andrea Marcon ein originales Salterio des römischen Instrumentenbauers Michele Barbi aus dem Jahr 1725, was ihre Hinwendung zur historischen Aufführungspraxis auslöste. Es folgten ein Ergänzungsstudium an der Schola Cantorum Basiliensis und ein Doktoratsstudium im Programm docARTES an der Universität Leiden, wo sie im April 2021 bei Ton Koopman und Frans de Ruiter mit der Dissertation Vestito a ponti d’oro e a cento corde in seno. History, repertoire and playing techniques of the Italian salterio in the eighteenth century promoviert wurde.

Franziska Fleischanderl lebt im Land Salzburg.

Salterio-Forschung Im Rahmen mehrjähriger Forschungsaufenthalte in Bologna, Neapel und Venedig (unter anderem 2022 als Stipendiatin der Fondazione Giorgio Cini) untersuchte Fleischanderl Geschichte, Repertoire und Spielweise des italienischen Salterios im 18. Jahrhundert. Ihre Dissertation gilt als erste umfassende Studie zu diesem Instrument.

Wirken Als erste Musikerin der Gegenwart wendet Franziska Fleischanderl alle drei historisch belegten Spieltechniken des Instruments wieder an: das Schlagen mit Hämmerchen (battuto) das Zupfen mit den Fingern (Finger-Pizzicato) das Zupfen mit Federkielen (Plektren-Pizzicato)

Fleischanderl konzertierte unter anderem beim Festival für Alte Musik in Brügge, dem Festival Laus Polyphoniae in Antwerpen, beim Festival Oude Muziek Utrecht, den Tagen Alter Musik Regensburg und bei den Internationalen Händel-Festspielen Göttingen. Am Luzerner Theater wirkte sie in Antonio Vivaldis Oper Il Giustino mit. In Österreich spielte sie im Jahr 2025 beispielsweise im Wiener Konzerthaus, beim Festival Imago Dei in Krems an der Donau und bei den Internationalen Barocktagen Stift Melk (mit Nuria Rial und dem La Cetra Barockorchester Basel unter Andrea Marcon), Hörfunk- und CD-Produktionen entstanden für ORF, ARTE, Bayerischen Rundfunk, Südwestrundfunk, Deutsche Grammophon (Monteverdi mit Magdalena Kožená und La Cetra), Glossa, Warner Classics, Harmonia Mundi, Ambronay Editions und Note 1.

2016 gründete Fleischanderl das Ensemble Il Dolce Conforto, das sich der Wiederaufführung originaler Salteriomusik widmet. In Salzburg gründete sie die Salterio Academy sowie die Notenedition edition Il Dolce Conforto. Seit 2024 unterrichtet sie Salterio am Institut für Alte Musik der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Im Jahr 2025 erschien mit Solo un salterio die nach Senderangaben weltweit erste Solo-CD für barockes Salterio auf historischem Instrument.

Auszeichnungen 2017: Pasticcio-Preis des Hörfunk-Senders Ö1 für ihre Debüt-CD Sacred Salterio (mit Miriam Feuersinger) 2024: Opus Klassik – Konzerteinspielung des Jahres für Vivaldi's Salterio 2025: Botschafterin des Early Music Day (REMA – Réseau Européen de Musique Ancienne)

Diskografie 2016: Monteverdi – Magdalena Kožená, La Cetra Barockorchester Basel, Andrea Marcon (Deutsche Grammophon) 2017: Sacred Salterio – Il Dolce Conforto, Miriam Feuersinger (Christophorus) 2018: Salterio Italiano – Il Dolce Conforto, Romina Basso (Christophorus) 2020: Firenze 1350 – Sollazzo Ensemble (Ambronay Éditions) 2023: Vivaldi's Salterio – Il Dolce Conforto (Christophorus) 2024: Antonio Vivaldi. Concerti per una vita – Le Consort (Harmonia Mundi) 2024: The Leuven Chansonnier. Vol. 3 & 4 – Sollazzo Ensemble (Passacaille) 2025: Ni Dufay, Ni Binchois. The Works of Johannes Pullois – Sollazzo Ensemble (Passacaille) 2025: Solo un salterio – Franziska Fleischanderl (note one) 2026: Flamboyance – Sollazzo Ensemble (Passacaille)

Schriften Monographien: Vestito a ponti d'oro e a cento corde in seno. History, repertoire and playing techniques of the Italian salterio in the eighteenth century. Dissertation, Universität Leiden 2021 (wird Ende 2026 als Buch veröffentlicht).

Ausgewählte Beiträge: 25-Course Salterio Antonio Battaglia, Milan 1746. In: Giovanni Accornero (Hrsg.): Preziosi Strumenti. Illustri Personaggi. Liuteria e Musica Tra Seicento e Novecento in Europa. Edizioni Il Salabue, Turin 2018, S. 140–141. Sowie Antonio Battaglia’s Salterio Workshop. S. 141–142 (englisch). Ein sanfter Tröster hochgebor'ner Ohren. Das Salterio im Italien des 18. Jahrhunderts. In: Concerto. Das Magazin für Alte Musik. 2019, Nr. 285, S. 20–24 (Teil 1) und Nr. 286, S. 22–26 (Teil 2). Frauen am Hackbrett des Barocks. In: Die Referentin. Kunst Und Kulturelle Nahversorgung. Nr. 17, September/Oktober/November 2019, S. 18–20 (diereferentin.servus.at). Salterio Practice at the Collegio Dei Nobili San Francesco Saverio in Bologna. In: Nicolò Maccavino (Hrsg.): Dramma Scolastico Ed Oratorio Nell’età Barocca. Atti Del Convegno Internazionale Di Studi (Reggio Calabria, 5-6 Ottobre 2012). Edizioni del Conservatorio F. Cilea, Reggio Calabria 2019.

Weblinks

Website von Franziska Fleischanderl

Einzelnachweise

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