Valentino Ludwig Maria Casal (* 7. Juni 1867 in Venedig; † 8. Juni 1951 in Heidelberg) war ein italienischer Bildhauer und Punkteur, der hauptsächlich in Deutschland tätig war.

Leben Casal wurde 1867 als Sohn von Pietro Casal und Maria de Fanti in Venedig geboren. Er lernte an der dortigen Kunstgewerbeschule (Scuola di arte applicata all’industria) bei Antonio Dal Zotto Modellieren und folgte seinem Lehrer später an die Accademia di belle arti. 1886 eröffnete er am Campo San Trovaso ein Atelier, hatte damit aber wenig Erfolg und verdingte sich in der Folge als Gelegenheitsarbeiter in Gradisca d’Isonzo und Triest, später in Budapest, Debrecen und Ljubljana. 1891 kam er anlässlich der Internationalen Kunstausstellung nach Berlin, fand hier Anstellung und liess sich dauerhaft nieder. 1893 heiratete er die aus Ostpreußen stammende Emilie Göritz. Das Paar hatte drei Kinder: die Töchter Eva (* 1893) und Eugenie (* 1896), eine spätere Opernsängerin, sowie den Sohn Peter (* 1900), einen späteren Chemiker.

Nachdem Casal unter anderem für Max Kruse und Walter Schott gearbeitet hatte, eröffnete er im Herbst 1895 ein Atelier in Charlottenburg. 1896 beauftragte ihn Max Unger mit der Ausführung seines Modells einer Gruppe mit Markgraf Otto I. für die Siegesallee, was Casal mit Bravour erledigte. Er etablierte sich damit als gefragter Punkteur über die deutsche Hauptstadt hinaus und führte bis zum Ersten Weltkrieg zahlreiche Modelle aus, unter anderem für Joseph Uphues, Johannes Boese, Max Baumbach, Emil von Schlitz, Ludwig Cauer, Gustav Eberlein, Johannes Götz, Reinhold Begas, Hugo Berwald, Johannes Pfuhl und Norbert Pfretzschner. Daneben schuf er auch eigene Werke, insbesondere Porträts und Grabmale. 1899 kaufte er ein Grundstück in der Wilhelmstraße (der heutigen Görrestraße) in Friedenau und ließ hier ein Atelier, einen Schuppen und ein Wohnhaus erbauen. Da Atelier und Schuppen bis in die Mitte der Bachestraße reichten und nach deren Ausbau den Verkehr behinderten, entspann sich ab 1908 ein jahrelanger Streit mit den Behörden.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs reiste Casal im Mai 1915 mit seinem Sohn nach Zürich in die Schweiz aus und eröffnete hier im Oktober ein Geschäft für den Export von Lebensmitteln, Futter und Grassamen, das aber von der Schweizer Regierung wieder geschlossen wurde. Zumal sich seine Gattin beharrlich weigerte, ihm mit den Töchtern nachzufolgen, versuchte er im August 1916 vergeblich, wieder nach Deutschland einzureisen. Inzwischen hatte Italien Deutschland den Krieg erklärt und Casal war als «feindlicher Ausländer» unerwünscht. 1917 wurde sein Grundstück in Friedenau enteignet und gelangte in den Besitz der Grundstückverwaltung Schöneberg, welche die Immobilien vermietete. 1935 wurden sämtliche Gebäude abgerissen. Casals Einbürgerungsgesuch in der Schweiz wurde 1917 abgelehnt. Ab 1917 hielt er sich in Lugano auf, wo er 1917 ein Gipsporträt von Giuseppe Villa und die Gipsstatuette L’adultera sowie 1919 die Gipsgruppe Pietà Helvetia und das Marmorgrabmal für die Familie Monti auf dem Monumentalfriedhof schuf.Werkliste von Valentino Casal, aufgestellt im Juni 1937 (PDF). Bei der für letzteres verwendeten Frauenfigur handelt es sich um eine Replik seines Hauptwerks, des Grabmals von Wilhelm Prowe auf dem Friedhof Schöneberg III. 1919 nahm Casal an der Kunstausstellung „Tessiner Künstler“ in der Kunsthalle Bern teil.Giovanna Ginex: Tomba Monti, scultore Valentino Casal. In: Cristina Brazzola, Giovanna Ginex, Paola Capozza: Il cimitero monumentale di Lugano. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2016 (= Schweizerische Kunstführer, Band 986–987), ISBN 9783037972748, S. 51.

Nach Kriegsende siedelte seine Familie nach Heidelberg über, während er versuchte, Schadenersatz von Deutschland zu erhalten, und mit wechselnden Arbeitsverhältnissen zwischen Deutschland, Österreich und Italien pendelte. Im Dezember 1927 kehrte er dauerhaft nach Heidelberg zurück und eröffnete ein Atelier. 1929 kaufte er mit seiner Frau eine Villa zur Gründung eines Töchterpensionats.

Casal starb 1951 im Alter von 84 Jahren in Heidelberg.

Werke (Auswahl)

In Marmor ausgeführte Arbeiten nach Entwürfen anderer Künstler

Grabmale 1900: Grabmal der Familie Haseloff, Marmor, Alter Zwölf-Apostel-Kirchhof, Berlin-Schöneberg 1905: Grabmal von Wilhelm Prowe, Marmor, Friedhof Schöneberg III, Berlin-Friedenau 1906: Grabmal der Familie Kothe, Friedhof Ohlsdorf, Hamburg 1908: Grabmal der Familie Hirt, Marmor, Friedhof Schöneberg III, Berlin-Friedenau 1909: Grabmal der Familie Hünlinghof, Marmor, Friedhof Ohlsdorf, Hamburg 1910: Grabmal der Familie Gisinka (Gizycki), Marmor, Halberstadt 1912: Grabmal der Familie Feler, Marmor, Lodz (Polen) 1912: Grabmal, Engel darstellend, Marmor, Stettin (Polen) 1912: Grabmal der Familie Rudtz, Friedhof Steglitz, Berlin-Steglitz 1913: Grabmal auf dem Judenfriedhof, Berlin 1919: Grabmal von Angelo Monti, Monumentalfriedhof Lugano

Weitere Arbeiten

Weblinks

Valentino Casal auf Friedenau-aktuell.de

Einzelnachweise

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