mini|Gabriel Huquier (1695–1772) – Porträt von Gille-Marie Oppenort aus: Grand Oppenord. Œuvres de Gilles-Marie Oppenord, écuyer, directeur général des bâtiments et jardins de Son Altesse Royale Monseigneur le duc d’Orléans, régent du royaume. Contenant différents fragments d’architecture et d’ornements, à l’usage des bâtiments sacrés, publics et particuliers. 2 Bde. Gabriel Huquier, Paris 1749–1761 Gilles-Marie Oppenordt (auch Oppenord oder Oppenort; eigentlich Op den Oordt; * 27. Juli 1672 in Paris; † 13. März 1742 ebenda) war ein französischer Architekt, Dekorateur, Ornament- und Festgestalter sowie Zeichner niederländischer Herkunft.
Leben Gilles-Marie Oppenordt wuchs im Umfeld königlicher Kunsthandwerker auf. Er war der Sohn des Architekten und Kunsthandwerkers Alexandre-Jean Oppenordt. Ab dem 22. Juli 1692 hielt sich Oppenordt in Rom auf. Am 2. Oktober 1694 erkannte ihm der Oberintendant der Bâtiments du Roi, Édouard Colbert de Villacerf, den Status eines Stipendiaten der Académie de France in Rom zu. Laut AKL verbrachte er die Zeit bis 1699 in Rom, wo er die Architektur der Renaissance und des Barock in kleinformatigen Skizzenbüchern und großformatigen Zeichnungen festhielt. Zurück in Paris heiratete Oppenordt am 3. Februar 1701 Antoinette Bérard. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor. Im Jahr 1713 wurde Oppenordt zum Ersten Architekten des Herzogs Philippe II. von Orléans ernannt, der ab 1715 für den noch minderjährigen Ludwig XV. die Regentschaft führte. Laut AKL ernannte ihn Orléans 1719 zudem zum Generaldirektor der Bâtiments et Jardins. Dieses Amt bekleidete er bis zum Tod des Herzogs am 2. Dezember 1723.
Werk Stilistische Einordnung Gilles-Marie Oppenordt gilt als einer der maßgeblichen Vertreter des französischen Rokoko beziehungsweise, nach Thieme-Becker, als der bedeutendste Ornamentkünstler der Régence-Zeit und Hauptmeister der ins Rokoko (Rocaille) mündenden, freieren Stilrichtung. Laut dem AKL empfing er die stärksten Impulse jedoch vom monumentalen römischen Barock. Bei seinen frühen, überwiegend religiösen Aufträgen ahmte er die Formensprache der römischen Architektur des 17. Jahrhunderts nach. Beide Quellen betonen seine enge Anlehnung an Francesco Borromini. Thieme-Becker nennt daneben auch Gian Lorenzo Bernini als Vorbild und bezeichnet Oppenordt als Borromini français. Entgegen den Vorschriften der Académie de France in Rom, die ein Studium der Antike und der Renaissance vorsahen, orientierte sich Oppenordt vorrangig an Bernini und Borromini.
Sakralbauten mini|Gille-Marie Oppenort: Dekoratives Motiv. Museum Plantin-Moretus, Antwerpen Gilles-Marie Oppenordt entwarf für mehrere Pariser Kirchen Altäre nach römischem Vorbild, die in der Regel frei in der Mitte des Kirchenschiffs platziert waren. Für die Abteikirche St-Germain-des-Prés in Paris entstand im Jahr 1704 ein Hochaltar mit reich verziertem Baldachin.
Profanbauten Zwischen 1713 und 1723 gestaltete Oppenordt das Palais-Royal, die Pariser Residenz des Herzogs von Orléans, maßgeblich mit: die Galerie (1713–1718), das Paradeschlafzimmer des Regenten (1716) und einen Salon (1719–1721). Dabei vollendete und bereicherte er die Dekorationen von Jules Hardouin-Mansart. Für Pierre Crozat entwarf Oppenordt ein Schlösschen mit Orangerie in Montmorency.
Unausgeführte Projekte mini|Gille-Marie Oppenort: Studie für ein Garten-Capriccio. Metropolitan Museum of Art, New York In den 1730er Jahren entwarf Oppenordt mehrere ambitionierte Projekte für Paris, die jedoch nicht realisiert wurden: das Hôtel Gaudion für die Garde du Trésor royal (1732; Thieme-Becker hebt besonders das bemerkenswerte Treppenhaus hervor und ordnet den Entwurf in die Entwicklung des herrschaftlichen Wohnbaus hin zu größerer Bequemlichkeit ein), ein Lyrisches bzw. Harmonisches Theater (1734) sowie die Fassade des Oratoriums der Kirche St-Honoré. Thieme-Becker nennt zusätzlich einen 1717 entstandenen, nicht realisierten Entwurf für eine Gloriette am Großen Gartenparterre des Schlossgartens in Bonn: einen achteckigen Pavillon mit viereckigen Seitenräumen.
Zeichnungen und Druckgraphik Neben seiner Tätigkeit als Architekt und Dekorateur arbeitete Oppenordt als Illustrator und Zeichner. Er versah Bücher mit Titel- und Schlussvignetten sowie illuminierten Initialen und fertigte Capricci in Tusche und Aquarell an. Zeichnungen Oppenordts befinden sich in Sammlungen in Berlin (Kunstbibliothek), Cambridge, Massachusetts (Harvard University Art Museums), Montreal (Canadian Centre for Architecture), New York (Cooper-Hewitt, National Design Museum), Paris (Louvre) und Stockholm (Nationalmuseum). Bestände im Louvre, in der Bibliothèque nationale de France, an der École des Beaux-Arts und im Musée des Arts décoratifs in Paris, im Kunstgewerbemuseum Berlin, im British Museum in London sowie im Nationalmuseum Stockholm.
Rezeption mini|Gille-Marie Oppenort: Klassische Szene mit einem Grab und einem brennenden Kohlenbecken. Metropolitan Museum of Art, New York Gilles-Marie Oppenordt galt bei Zeitgenossen und in der Kunstkritik bis zum Ende des 19. Jahrhunderts teilweise als der Künstler, der den französischen Geschmack verdorben habe. Als Ausdruck dieser zeitgenössischen Kritik wird die Verleihung des satirischen Brevet de la Calotte durch die anonyme Gesellschaft Régiment de la Calotte genannt, die zugleich auch Charles-Antoine Coypel betraf. Anlass war der Einsturz einer von Oppenordt errichteten Galerie im Hôtel Crozat. Auch eine im Jahr 1755 im Mercure de France erschienene Satire gegen Oppenordt und Juste-Aurèle Meissonnier wird angeführt.
Literatur Gilles-Marie Oppenord: Grand Oppenord. Œuvres de Gilles-Marie Oppenord, écuyer, directeur général des bâtiments et jardins de Son Altesse Royale Monseigneur le duc d’Orléans, régent du royaume. Contenant différents fragments d’architecture et d’ornements, à l’usage des bâtiments sacrés, publics et particuliers. 2 Bde. Gabriel Huquier, Paris 1749–1761. Digitale Ausgabe der Bibliothèque numérique de l’Institut national d’histoire de l’art (INHA).
Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 10: Müller – Pinchetti. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.
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Einzelnachweise
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