mini|Scherzhaftes Modell eines Warnschilds, das ein UFO über einem Rind zeigt Viehverstümmelungen (englisch cattle mutilation oder allgemeiner animal mutilation) bezeichnet Berichte über tot aufgefundene Nutztiere, insbesondere Rinder, bei denen einzelne Körperteile oder Weichteilgewebe fehlen und die Befunde von den Findern als ungewöhnlich oder als Ergebnis gezielter Eingriffe wahrgenommen werden. Häufig genannt werden entfernte Augen, Ohren, Zungen, Lippen, Euter, Geschlechtsorgane und Gewebe im Bereich des Afters. Daneben wird mitunter von scheinbar glatten oder kreisförmigen Wundrändern sowie einem Fehlen von Blut, Fußspuren oder Reifenspuren berichtet. Der Begriff beschreibt kein einheitliches veterinärmedizinisches Krankheitsbild und sagt für sich genommen nichts darüber aus, ob das Tier absichtlich getötet oder nach seinem Tod von Menschen bearbeitet wurde. Besondere öffentliche Aufmerksamkeit erhielten Viehverstümmelungen in den Vereinigten Staaten während der 1970er Jahre. Staatliche Ermittlungen und veterinärmedizinische Studien führten zahlreiche untersuchte Fälle auf natürliche Todesursachen, Verwesung und die Tätigkeit von Aasfressern zurück. Zugleich kamen einzelne Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass manche Kadaver tatsächlich mit Werkzeugen bearbeitet worden waren.

Geschichte des Phänomens Der früheste überlieferte Ausbruch unerklärlicher Tiersterben ereignete sich Anfang 1606 „… in der Umgebung der Stadt London und in einigen angrenzenden Grafschaften“. Ganze Schafherden wurden geschlachtet, an manchen Orten bis zu 100 Tiere, an anderen weniger, wobei den Schafen nichts außer ihrem Talg und einigen Innereien entnommen wurde, während die gesamten Kadaver und das Fell zurückblieben. Der Ausbruch wurde in den offiziellen Aufzeichnungen des Hofes von Jakob I. von England vermerkt. Laut Charles Fort wurden auch im England des 19. und 20. Jahrhunderts ähnliche Fälle verzeichnet.

Das Phänomen blieb allerdings weitgehend unbekannt bis zum Tod des Pferdes Snippy in Colorado im Jahr 1967, der ein großes Presseecho auslöste. Presseberichten zufolge fand ein Rancher das Tier teilweise gehäutet vor; das Fleisch an Hals und Schultern fehlte, sodass nur noch gebleichte Knochen übrig waren. Die Schnitte wurden als „völlig glatt“ beschrieben, und es wurde berichtet, dass weder im Tier noch auf dem Boden Blut zu sehen war. Rund um das tote Pferd waren keine Spuren festzustellen. Angeblich wurde außerdem ein unbekanntes Flugobjekt in der Nacht gesichtet. Ein Geigerzähler soll hohe Strahlungswerte rund um die Abgasflecken und die plattgedrückten Büsche angezeigt haben. Bis zum 23. September sollen die Knochen schwarz geworden sein. Eine spätere Untersuchung des Condon Committee kam zu dem Schluss, dass „es keine Beweise gab, die die Behauptung stützten, der Tod des Pferdes stehe in irgendeiner Weise mit ungewöhnlichen Ursachen in Zusammenhang“.

Eine größere Zahl ähnlicher Meldungen setzte ab 1973 ein. Sie konzentrierte sich zunächst auf die westlichen und mittleren Bundesstaaten der Vereinigten Staaten (Colorado, New Mexico, Minnesota, Kansas, Nebraska) und stammte häufig von kleineren Rinderhaltern. Der Historiker Michael J. Goleman ordnete die damalige Welle in eine wirtschaftliche und politische Krisenphase der US-amerikanischen Viehwirtschaft ein. Inflation, gestiegene Futterkosten, staatliche Eingriffe in die Rindfleischpreise und Konflikte über die Nutzung öffentlichen Weidelandes hätten das Misstrauen vieler kleiner Ranchbetriebe gegenüber der Bundesregierung verstärkt. Im Sommer 1975 nahm die Zahl der Meldungen in Colorado stark zu. Senator Floyd K. Haskell teilte dem Federal Bureau of Investigation (FBI) mit, dass allein in Colorado mindestens 130 Fälle gemeldet worden seien. In den Meldungen wurde wiederholt behauptet, an den Fundorten seien weder Blut noch Fußspuren vorhanden gewesen. Die öffentliche Beunruhigung führte dazu, dass einige Rancher Waffen trugen, Bürgerwehren bildeten oder auf niedrig fliegende Hubschrauber schossen. Haskell warnte das FBI ausdrücklich, Rancher bewaffneten sich zum Schutz ihrer Tiere.

Das Colorado Bureau of Investigations überwachte während seiner verdeckten Ermittlungen sowohl zivile als auch militärische Hubschrauberflüge. Nach Ermittlungsergebnissen konnte kein nicht identifiziertes Luft- oder Bodenfahrzeug in der Nähe der untersuchten Kadaver nachgewiesen werden. Berichte über nicht gekennzeichnete Hubschrauber blieben dennoch ein zentrales Element der späteren Verschwörungserzählungen. Auch in anderen Bundesstaaten wurden Ermittlungen eingeleitet. In Arkansas registrierte die Staatspolizei zwischen April 1978 und September 1979 insgesamt 39 Berichte über ungeklärte Rindertode. Wegen ungelöster Fälle setzten 75 Viehhalter gemeinsam eine Belohnung von 1200 US-Dollar aus. Das FBI lehnte eine allgemeine bundesweite Untersuchung zunächst ab, weil Viehtötungen und Sachbeschädigungen gewöhnlich in die Zuständigkeit der Bundesstaaten und lokalen Behörden fielen. Am 20. April 1979 fand in Albuquerque eine behördenübergreifende Konferenz statt, an der rund 180 Personen aus Strafverfolgungsbehörden, Medien und Öffentlichkeit teilnahmen. Auf der Konferenz wurden als mögliche Urheber satanistische Kulte, Raub- und Aasfresser, Scherzbolde, außerirdische Besucher und die US-Regierung genannt.

Im Anschluss erhielt die Staatsanwaltschaft des ersten Gerichtsbezirks von New Mexico etwa 50.000 US-Dollar aus Mitteln der Law Enforcement Assistance Administration. Der frühere FBI-Agent Kenneth M. Rommel leitete damit die als Operation Animal Mutilation bezeichnete Untersuchung. Rommel untersuchte Meldungen in New Mexico und kam zu dem Ergebnis, dass die von ihm geprüften Fälle durch natürliche Tierkrankheiten, giftige Pflanzen sowie anschließende Fraßspuren von Aasfressern erklärt werden konnten. Er bezeichnete zudem die Anzahl der in der Presse gemeldeten Fälle als weitaus übertrieben. Nachdem keine neuen einschlägigen Fälle auf Indianerland eingetreten waren, stellte das FBI seine eigene Untersuchung ein und führte die Angelegenheit als abgeschlossen. In zeitgenössischen Presseberichten wurde häufig eine landesweite Gesamtzahl von 10.000 Fällen genannt. Diese Zahl beruhte jedoch nicht auf einem einheitlichen Register und wurde später als nur unzureichend belegte Pressekalkulation bezeichnet.

Auch danach wurden zahlreiche Fälle von Verstümmelungen gemeldet, vor allem in Nord- und Südamerika sowie in Australien. In Südamerika gab es zwischen 2002 und 2014 schätzungsweise 3.500 Vorfälle. Allein 2002 wurden in Argentinien mehrere hundert Rinder verstümmelt aufgefunden. Insgesamt wird nur ein Bruchteil der Fälle tatsächlich untersucht. Im Juli 2019 wurden auf einer Ranch im Osten Oregons zunächst ein und innerhalb weniger Tage vier weitere Hereford-Zuchtbullen tot aufgefunden. Nach Angaben der Ermittler fehlten Zungen und Geschlechtsorgane; im unmittelbaren Umfeld seien keine Spuren festgestellt worden. Im April 2023 untersuchten die Behörden in drei Countys in Texas zunächst den Tod einer sechsjährigen Kuh und anschließend sechs weitere gemeldete ähnliche Fälle innerhalb von drei Wochen. Sheriffs berichtete von entfernten Zungen und teilweise kreisförmig ausgeschnittenem Gewebe im Bereich von After und Geschlechtsorganen.

Eigenschaften und Anomalien Viehzüchter in den USA meldeten ab den 1970er Jahren Dutzende ungewöhnlicher Todesfälle bei Rindern, die durch das Fehlen von Geschlechtsorganen, Eutern, Zungen, Anus, Rektum und manchmal auch Ohren oder Augen gekennzeichnet waren. Die Schnitte wurden als „sauber“ und „chirurgisch“ beschrieben. Bei einigen Tieren wurde berichtet, dass ihnen das Blut abgelassen worden sei, ohne dass jedoch Anzeichen von Blut in der unmittelbaren Umgebung oder gar um ihre Wunden herum zu sehen waren. In einigen Fällen wurden seltsame Spuren oder Abdrücke in der Nähe des Fundortes entdeckt. Im berühmten „Snippy“-Fall fehlten im Umkreis von 30 m um den Kadaver jegliche Spuren (sogar die Spuren des Pferdes selbst verschwanden im Umkreis von 30 m um den Kadaver). Innerhalb dieses Radius wurden jedoch mehrere kleine Löcher gefunden, die scheinbar in den Boden „gestanzt“ worden waren, und zwei Büsche waren vollständig plattgedrückt. Im Rio Arriba County, New Mexico, wurde im Juni 1976 eine „Spur von saugnapfartigen Abdrücken“ gefunden, die von einer verstümmelten dreijährigen Kuh ausging. Die Vertiefungen hatten die Form eines Dreifußes, einen Durchmesser von 10 cm, lagen ca. 70 cm voneinander entfernt und verschwanden 150 m von der toten Kuh entfernt. Ähnliche Vorfälle wurden 1978 in der Gegend gemeldet.

Laboruntersuchungen an einigen verstümmelten Tieren haben ungewöhnlich hohe oder niedrige Werte von Vitaminen oder Mineralstoffen in Gewebeproben sowie das Vorhandensein von Chemikalien gezeigt, die normalerweise nicht in Tieren vorkommen. Allerdings weisen nicht alle verstümmelten Tiere diese Anomalien auf, und diejenigen, bei denen dies der Fall ist, weisen leicht unterschiedliche Anomalien auf. Aufgrund der Zeitspanne zwischen Tod und Obduktion sowie fehlender Hintergrundinformationen zu den einzelnen Rindern war es den Ermittlern oft nicht möglich festzustellen, ob diese Abweichungen mit dem Tod der Tiere in Zusammenhang stehen oder nicht. Ein 1978 in New Mexico gefundenes verstümmeltes Rind wies Anomalien an inneren Organen aus, die weiß und verflüssigt waren. Es kamen deshalb Spekulationen auf, dass das Tier möglicherweise durch einen Strahlungsstoß getötet worden sei, wodurch rote Blutkörperchen abgestorben seien. Diese Hypothese wurde später verworfen, da nachfolgende Berichte des Los Alamos Scientific Laboratory das Vorhandensein von Antikoagulanzien in Proben bestätigten, die von anderen in der Region verstümmelten Kühen entnommen worden waren.

Häufig wurde über die Sichtung von Helikoptern oder unbekannten Flugobjekten in der Nähe der Tierkadaver berichtet. 1974 wurde in Nebraska berichtet, dass Anwohner gesehen hätten, wie unbekannte Hubschrauber mit Suchscheinwerfern auf Felder leuchteten, auf denen später verstümmelte Kühe gefunden wurden. Die Berichte über Hubschrauber führten sogar zur Bildung von Bürgerwehren, um Viehbestände zu schützen. Im Jahr 1976 sollen zwei Polizeibeamte aus Cache County, Utah, auf einem kleinen Gemeindeflughafen in Cache County mehrere Männer in einem zivilen Hubschrauber der US-Armee zur Rede gestellt haben. Die Zeugen gaben an, dass nach dieser hitzigen Begegnung die Rinderverstümmelungen in der Region für etwa fünf Jahre aufhörten. Die Geschichte wurde erstmals in einem Bericht aus dem Jahr 2002 veröffentlicht.Report on Unusual Animal Injuries in Cache County, Utah

Erklärungsansätze Wie bei den meisten umstrittenen Phänomenen gibt es eine Reihe möglicher Erklärungen für die Ursachen von Rinderverstümmelungen, die von natürlichen Ursachen bis hin zu gezielten Handlungen unbekannter Personen reichen. Am 20. April 1979 sprach C. Hibbs vom staatlichen Veterinärdiagnostiklabor von New Mexico vor einem Ausschuss unter dem Vorsitz von Senator Harrison Schmitt. Hibbs sagte aus, dass sich die Verstümmelungen in drei Kategorien einteilen ließen: natürliche Ursachen wie Raubtiere, Todesfälle durch „Scherzkekse oder Perverse“ sowie Tiere, die mit „scharfen Gegenständen“ verstümmelt wurden.

Natürliche Ursachen