Die Kurzscheidenmuscheln (Solecurtidae), auch Kurze Scheidenmuscheln, oder Kurze Messermuscheln genannt, sind eine Familie der Muscheln aus der Ordnung Cardiida. Die ältesten Vertreter der Familie stammen aus der Oberkreide.

Merkmale Die Gehäuse sind gleichklappig, aber leicht bis deutlich ungleichseitig. Die wenig prominenten Wirbel liegen etwas vor der Mittellinie (berechnet auf die Gesamtlänge der Gehäuse), zum Vorderende hin verschoben. Sie sind im Umriss länglich und annähernd rechteckig (subrectangular) oder annähernd quadratisch (subquadratisch). Im Querschnitt sind sie meist deutlich gedrückt. Die größten Vertreter erreichen eine Adultgröße von 130 mm. Die geschlossenen Gehäuse klaffen am Vorder- und Hinterende deutlich. Der Schlossrand ist schmal. Das Schloss besitzt in der Regel zwei Kardinalzähne pro Klappe (oder zwei Hauptzähne in der rechten, ein Hauptzahn in der linken Klappe), Seitenzähne können vorhanden sein, sind aber meist fehlend. Das äußere Ligament tritt prominent hervor und beginnt bei kräftigen Nymphen hinter den Wirbeln. Es sind zwei, mehr oder weniger unterschiedlich große Schließmuskel vorhanden bzw. deren Ansatzstellen oder Narben auf den Innenseiten der Klappen. Die Mantellinie ist tief bis nur wenig eingebuchtet.

Die vergleichsweise dünne Schale ist aragonitisch mit einer prismatischen äußeren Lage, einer mittleren Kreuzlamellenlage und einer inneren komplexen Kreuzlamellenlage. Die Skulptur ist überwiegend konzentrisch oder schräg, ein Rautenmuster bildend, auch annähernd glatt. Die Innenränder der Klappen sind glatt. Die Kiemen sind eulamellibranchat mit gefalteten Kiemenblättern, das äußere Kiemenblatt in der Regel breiter. Der große Fuß ist zungenförmig. Die Siphonen sind lang und getrennt.

Unterschiede Die Solecurtidae haben nicht nur im Namen, sondern auch in der Form (zumindest bei einigen Vertretern der Familie) eine gewisse Ähnlichkeit mit den Scheidenmuscheln (Solenidae). Bei den Solecurtidae liegt der Wirbel eher mittig, während die Wirbel bei den Solenidae nahe oder hart am Vorderende liegen.

Geographische Verbreitung und Lebensraum Die Kurzscheidenmuscheln kommen weltweit in gemäßigten, subtropischen und tropischen Meeren vor. Sie leben überwiegend in senkrechten Röhren bis 50 cm tief in Sand- und Schlickböden. Sie sind Sedimentfresser, die mit ihren Siphonen die nährstoffreiche oberste Schicht des Meeresbodens einsaugen.

Taxonomie Die Familie wurde von Alcide d'Orbigny 1846 vorgeschlagen. Sie ist allgemein akzeptiert. MolluscaBase weist der Familie derzeit vier Gattungen mit insgesamt knapp 60 Arten zu: Familie Solecurtidae A. d'Orbigny, 1846 Azorinus Récluz, 1869 Azorinus chamasolen (da Costa, 1778) Clunaculum Dall, 1899 Solecurtus Blainville, 1824 Solecurtus scopula (Turton, 1822) Kurze Scheidenmuschel (Solecurtus strigilatus) (Linnaeus, 1758) Solecurtus subcandidus Sturany, 1899 Tagelus J. E. Gray, 1847 Tagelus californianus (Conrad, 1837) Tagelus divisus (L. Spengler, 1794)

Die in älteren Werken noch zur Familie Solecurtidae gestellte Gattung Pharus J. E. Gray, 1840 bildet heute eine eigene Familie Pharidae innerhalb der Überfamilie Solenoidea.

Literatur Eugene V. Coan, Paul Valentich Scott, Frank R. Bernard: Bivalve Seashells of Western North America. Marine Bivalve Mollusks from Arctic Alaska to Baja California. Santa Barbara Museum of Natural History, Santa Barbara, 2000, ISBN 0936494-30-1, S. 439. S. Peter Dance, Rudo von Cosel (Bearb. der deutschen Ausgabe): Das große Buch der Meeresmuscheln. 304 S., Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1977, ISBN 3-8001-7000-0 (S. 263) FAO/W. Fischer, M. Schneider, M.-L. Bauchot (Red.): Fiches FAO d'Identification des espèces pour les besoins de la pêche. Méditerranée et Mer Noire - Zone de Pêche 37 - Volume 1: Végétaux et Invertébrés. Rome, 1987. FAO, hier S. 480. Markus Huber: Compendium of bivalves. 901 S., Hackenheim, ConchBooks, 2010, ISBN 978-3-939767-28-2, hier S. 346ff. Rudolf Kilias: Lexikon Marine Muscheln und Schnecken. 2. Aufl., 340 S., Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1997, ISBN 3-8001-7332-8 (S. 288)

Einzelnachweise Yasuo Kondo, Shin-ichi Sano: Origination of extant heteroconch families: Ecological and environmental patterns in post-Paleozoic bivalve diversification. Palaeontological Research, 13: 39–44, Tokyo 2009

MolluscaBase: Solecurtidae A. d'Orbigny, 1846

Alcide d'Orbigny: Voyage dans l'Amérique méridionale (le Brésil, la république orientale de l'Uruguay, la République argentine, la Patagonie, la république du Chili, la république de Bolivia, la république du Pérou), exécuté pendant les années 1826, 1827, 1828, 1829, 1830, 1831, 1832 et 1833. Tome 5(3) Mollusques.P. Bertrand, Paris & Levrault, Strasbourg, 1834–1847 Online bei Biodiversity Heritage Library, hier S. 522.

Weblinks