Hans Kuhnert (* 16. Dezember 1907 in Dresden; † 12. Juli 1969 im Raum Eschwege durch Zugunglück auf der Heimfahrt nach Lübeck) war ein deutscher Manager, Verbandsfunktionär und Politiker (CDU). In der ersten Nachkriegsregierung Schleswig-Holsteins war er Leiter des Landesamtes für Wirtschaft und Verkehr, ein Vorläufer des späteren Wirtschaftsministeriums, und somit de facto der erste schleswig-holsteinische Nachkriegswirtschaftsminister.

Leben Kuhnert wurde am 1. Dezember 1907, als Sohn eines oberschlesischen Hüttendirektors, in Dresden geboren. Mit 17 Jahren bestand er sein Abitur und nahm nach Umzug der Familie nach Breslau an der dortigen Technischen Hochschule Breslau ein Studium der Fachrichtung Maschinenbau auf, welches er 1930 mit dem Diplomingenieur abschloss. Er wurde Mitglied im Corps Silingia Breslau.vgl. bspw. Walter Grünfeld: Rückblicke (2004), der seinen Freund als Angehörigen einer Korporation beschreibt. Diese Korporation war das damalige Corps Montania Breslau, welches mit dem Corps Silingia Breslau fusioniert ist. Im Anschluss nahm Kuhnert ein weiteres Studium in der Fachrichtung Volkswirtschaftslehre auf und promovierte 1935 mit seiner Promotionsschrift Der Prozeß der Automatisierung und Mechanisierung und seine Einwirkung auf den schaffenden Menschen zum Dr. rer. pol.

Seine beruflichen Anfänge beginnen bei der Eisenbahn-Sterbekasse, wo er seine spätere Frau kennenlernte. Nach Kuhnerts Umzug nach Bad Homburg entstand der Kontakt zur Industriellenfamilie Dräger, insbesondere zu Heinrich Dräger, was mit der erneuten Verlegung seines Lebensmittelpunkts nach Lübeck einherging. Kuhnert stieg im Drägerwerk Heinrich und Bernhard Dräger bis zum Gesamtprokuristen auf.Gummi-Zeitung: Fachblatt für die Gummi-, Guttapercha- und Asbest-Industrie sowie alle Hilfs- und Nebenbranchen. Band 52. 1938. S. 655.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kuhnert Leiter des Landesamtes für Wirtschaft und Verkehr unter dem Oberpräsidenten Schleswig-Holsteins Theodor Steltzer (siehe auch Kabinett Steltzer I bis zum 11. April 1946). Somit war er de facto der erste Wirtschaftsminister der Nachkriegszeit in Schleswig-Holstein. Aufgrund des Drängens der britischen Besatzungsbehörden auf die Einhaltung der demokratischen Verantwortung zwischen Kabinett und dem schleswig-holsteinischen Landtag, sollten die bisherigen Ausschussvorsitzenden des Landtags die Landesämter leiten. Aus diesem Grund war Kuhnert ab dem 11. April 1946 „Landesdirektor“ (Staatssekretär) und als Amtschef „zweiter Mann“ unter dem neuen Landesminister und späteren Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein Bruno Diekmann (SPD).

Als kurze Zeit später die (wirtschaftliche) Zusammenlegung der britischen und der amerikanischen Besatzungszonen (Bizone) beschlossen wurde, wurde Kuhnert, laut Konrad Adenauer ein CDU-MannZitat von Konrad Adenauer vor dem Zonenausschuss der CDU vom 26. bis 28. September 1946. Aus den Adenauer Dokumenten, 1975, S. 190, in den Verwaltungsrat für Wirtschaft berufen.Bericht Robert Daniel Murphys über die Verwaltungsabkommen, Murphy an Secretarv of State 11. 10. 1946, FRUS, 1946, V, S. 613ff. Der Verwaltungsrat fungierte als vorläufige Übergangsbehörde bis zur Bildung einer deutschen Wirtschaftsverwaltung und bestand aus den drei Wirtschaftsministern der amerikanischen Besatzungszone sowie den drei Vertretern der britischen Besatzungszone, zu denen Kuhnert gehörte.Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Herausgegeben mit Genehmigung der Militärregierung, Jg. 1., Nr. 2, Düsseldorf, 22. Januar 1947. (Link) Dieser erste Versuch einer Bildung einer übergreifenden einheitlichen Wirtschaftsverwaltung führte schlussendlich am 25. Juni 1947 zur Gründung des Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes (Wirtschaftsrat der Bizone).

Seine enge Verbundenheit zu seiner Schwester Anneliese veranlasste Kuhnert 1947 nach dem Tod ihres Mannes zum Rückzug und zur Aufgabe seiner ministeriellen Tätigkeit. Stattdessen übernahm er als Geschäftsführer die neu gegründete Gesellschaft Aust & Co. GmbH (vormals Aust) sowie der Bischof & Kuhnert GmbH (beide in Lübeck). Später übernahm Kuhnert ein Emaillierwerk der Firma Ewers & Miessner GmbH und wurde auch hier Geschäftsführer.

Kuhnert wirkte zudem in der Arbeitgebervereinigung Lübeck, dem Arbeitgeberverband der Metallindustrie Schleswig-Holsteins, der Landesvereinigung der Schleswig-Holsteinischen Arbeitgeberverbände und in der Vertreterversammlung der Landesversicherungsanstalt Schleswig-Holstein – zum Teil als Vorstand und Vorstandsvorsitzender – mit. Des Weiteren war er Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Lübeck. 1957 nahm Kuhnert am Schlichtungsverfahren des Streiks in der Metallindustrie als Beisitzer der Arbeitgeber teil.Arbeit und Wirtschaft. Band 11. 1957. S. 129.

Während einer Heimfahrt mit seiner Frau nach Lübeck verunglückte Kuhnert durch einen Sturz aus einem fahrenden Zug tödlich. Er wurde 61 Jahre alt.

Familie Kuhnert, dessen Vater früh verstarb, hatte eine Schwester, Anneliese (verheiratete Bischof), und war mit Gertrud, geb. Gesell, verheiratet. Kuhnert war ein Jugendfreund von Walter Grünfeld.

Werke Einen Auszug der wissenschaftlichen Aufsätze Kuhnerts absteigend nach Veröffentlichungsdatum sortiert:

1957: Die Bedeutung der Produktivitätszahl für die Preis- und Lohnentwicklung. In: Der Arbeitgeber. 1935: Der Prozeß der Automatisierung und Mechanisierung und seine Einwirkung auf den schaffenden Menschen. Hans Buske Verlag, Leipzig.

Literatur

Heinrich Potthoff, Rüdiger Wenzel (Bearb.): Handbuch politischer Institutionen und Organisationen 1945–1949. In: Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Droste, Düsseldorf 1983, ISBN 3-7700-5119-X.

Einzelnachweise

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