Die Five Sisters Trophy () bezeichnet den Siegerpokal für eine exklusive Segelregatta, bei der ausschließlich die legendären Schwesterschiffe der Gorch-Fock-Klasse im direkten Wettbewerb gegeneinander antreten.

Die Five Sisters Trophy wurde von den Verantwortlichen der Operation Sail (OpSail) im Jahr 1976 anlässlich der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag der USA (U.S. Bicentennial) gestiftet und von der Juwelierkette Tiffany & Co. in Silber gefertigt. Die Trophäe wird nicht regelmäßig, sondern nur zu ganz besonderen historischen Anlässen ausgesegelt.

Die fünf Schwestern der Gorch-Fock-Klasse Der Name Five Sisters Trophy bezieht sich auf eine Reihe von fünf fast baugleichen Großseglern (Barken), die ursprünglich ab 1933 alle auf der Werft Blohm + Voss in Hamburg für die damalige Reichsmarine gebaut wurden:

Gorch Fock I (Deutschland): Das Typschiff der Baureihe von 1933. Es dient heute als stationäres Museumsschiff in Stralsund und segelt nicht mehr aktiv mit.

USCGC Eagle (USA): 1936 als Horst Wessel gebaut, ging nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung an die USA und dient der United States Coast Guard als Schulschiff.

Sagres (Portugal): 1937 als Albert Leo Schlageter gebaut, segelt heute für die portugiesische Marine Marinha Portuguesa.

Mircea (Rumänien): 1938 direkt für die rumänische Marine gebaut.

Gorch Fock II (Deutschland): 1958 nach leicht modifizierten Originalplänen der Gorch Fock I als neues Segelschulschiff für die Deutsche Marine gebaut. Sie vertritt die ursprüngliche, nicht mehr segelnde Schwester bei den Rennen.

Bisherige Wettfahrten Es gab erst zwei Auflagen dieses Rennens, die beide im Rahmen großer Jubiläen in den USA ausgetragen wurden:

Die Premiere 1976 Anlässlich der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag der USA trafen die Schwestern im Rahmen der Operation Sail erstmals in einer Regatta über den Atlantik von Bermuda nach Newport (Rhode Island) aufeinander.

Mitten auf dem Ozean kam es zu einer folgenschweren Kollision zwischen Schiffen der Gorch-Fock-Klasse. Aufgrund der dadurch entstandenen Schäden und Sicherheitsrisiken entschieden die Organisatoren, die Regatta sofort abzubrechen.

Die Hauptkollision der Klasse: Das Schwesterschiff Mircea kollidierte in einem dichten Feld mit der portugiesischen Dreimast-Barkentine Gazela Primeiro (die eigentlich nicht zur Kernklasse gehörte, aber im selben Feld segelte) und der Erawan.

Weitere Zwischenfälle: Auch die US-amerikanische Schwester Eagle geriet in den dichten Manövern in Berührung mit anderen Schiffen der Tall-Ships-Flotte. Parallel kam es zu einem schweren, separaten Zusammenstoß zwischen der argentinischen Libertad und der spanischen Juan Sebastián de Elcano.

Da mehrere der Großsegler erhebliche Schäden davontrugen (unter anderem Mastbrüche und Segelrisse) und der Wind kurz darauf komplett einschlief, wurde das Rennen vorzeitig abgebrochen. Da das deutsche Segelschulschiff Gorch Fock II, sich aus dem dichten Getümmel unbeschadet freihalten konnte und es zum Zeitpunkt des Abbruchs in Führung lag, wurde sie offiziell zur Siegerin des Rennens erklärt und bekam die Trophäe zugesprochen. Da der Triumph von 1976 wegen des Abbruchs als unvollständig galt, wollte die Deutsche Marine gern eine Revanche haben um einen makellosen Sieg unter vollen Segeln, ganz ohne Unfälle zu erreichen.

Die Neuauflage 2026 Genau 50 Jahre später trafen sich die vier verbliebenen, aktiven Schwestern zum 250. Geburtstag der USA erneut. Auf einer 60 Seemeilen (rund 111 Kilometer) langen Rennstrecke von New York nach Boston rund um das anspruchsvolle Seegebiet vor Cape Cod konnte das Segelschulschiff der Deutschen Marine, die Gorch Fock ihren Titel erfolgreich verteidigen und die Trophäe wieder mit nach Hause nehmen. Der Pokal bleibt damit vereinbarungsgemäß für die nächsten Jahre an Bord des deutschen Segelschulschiffs.

Unter den rauen Bedingungen auf See gilt das Rennen als ultimativer Test für reine Seemannschaft, da die Schiffe technisch nahezu identisch sind und der Sieg komplett von der Taktik, der Segeltrimmung und der körperlichen Arbeit der Crew abhängt.

Das Rennergebnis 2026 Die Gorch Fock benötigte unter Vollzeug bei perfekten Windbedingungen nur 7 Stunden und 30 Minuten für die Distanz: Platz 1: Gorch Fock (Deutschland) Platz 2: Eagle (USA) – mit 38 Minuten Rückstand Platz 3: Sagres (Portugal) – mit ca. 1 Stunde Rückstand Platz 4: Mircea (Rumänien) – mit ca. 2 Stunden Rückstand

Renntaktik der Gorch Fock Die Gorch Fock sicherte sich den Sieg beim Jubiläumsrennen im Juli 2026 durch eine Kombination aus moderner Datenanalyse, extrem präziser Manövertaktik und einer aggressiven Segelführung bei Starkwind. Kommandant Elmar Bornkessel hatte die Renntaktik im Vorfeld extra vom Team des deutschen Profi-Seglers Boris Herrmann prüfen und bestätigen lassen.

Die entscheidenden taktischen Kniffe der Crew auf der 60 Seemeilen langen Strecke von New York nach Boston waren:

1. Datenbasierte Vorbereitung und Trimming: Neue Polardiagramme: Die Besatzung nutzte modernisierte Leistungsdiagramme, um für jeden denkbaren Windwinkel und jede Windstärke exakt die rechnerisch optimale Segelkombination zu bestimmen.

Gezielte Gewichtsreduktion: Unnötiger Ballast wurde vor dem Start von Bord gegeben.

Umbunkern für Vorkrängung: Treibstoff und Wasser wurden in den Tanks so umgepumpt, dass das Schiff eine leichte Neigung nach Lee (Vorkrängung) erhielt. Dies verringert bei wenig Wind den Reibungswiderstand des Rumpfes im Wasser.

2. Perfekte Positionierung und Routenwahl: Startphasen-Vorteil: Die Gorch Fock positionierte sich extrem früh an der Startlinie, um direkt freien Wind ohne Abdeckungen durch die Konkurrenz zu haben.

Konsequente Ideallinie: Der Navigator bezog die Strömungsverhältnisse und prognostizierten Winddreher im anspruchsvollen Seegebiet vor Cape Cod minutiös in den Kurs ein, um jeden Meter optimal zu nutzen.

3. Effektive Manöverarbeit an den Wendemarken: Das entscheidende Wendemanöver: Während die Gorch Fock auf dem Vorwindkurs zunächst nur solide mitmischte, fuhr sie den rennentscheidenden Vorsprung an der Wendemarke heraus. Das Manöver wurde in kraftvoller, perfekt eingespielter Teamarbeit extrem schnell und präzise ausgeführt.

Am-Wind-Kurs optimiert: Nach der Wende auf dem Am-Wind-Kurs konnte der Abstand zur zweitplatzierten US-amerikanischen Eagle kontinuierlich ausgebaut werden.

Taktischer Segelwechsel: Auf den Vorwind-Abschnitten wurde das Großuntermars-Segel bewusst weggenommen, um die Aerodynamik der restlichen Segelfläche nicht zu stören.

4. Mut zum Risiko beim Starkwind-Finale: Vollzeug bei 28 Knoten: Gegen Ende des Rennens frischte der Wind auf knapp 28 Knoten (Windstärke 7) auf.

Nutzung des Materialvorteils: Während die Konkurrenz aus Sicherheitsgründen Segelfläche reduzieren musste, ließ die deutsche Crew mutig alle neuen Segel, die sie vor der Abfahrt in Kiel bekommen hatte, bis zum Schluss stehen. Dadurch profitierte das Schiff maximal vom starken Wind und passierte die Ziellinie mit einem komfortablen Vorsprung von 38 Minuten vor der Eagle.

Galerie der fünf Schwestern

Weblinks Gorchfock.de: Five Sister Trophy Süddeutsche Zeitung: „Gorch Fock“ gewinnt Wettfahrt mit Schwesterschiffen

Einzelnachweise

Kategorie:Segelwettbewerb Kategorie:Erstveranstaltung 1976