Patrick Hahn (* 6. Dezember 1980 in Zürich) ist ein deutscher Dramaturg, Musikmanager und Librettist. Seit Juli 2025 ist er Direktor des Ensemble intercontemporain in Paris, eines 1976 von Pierre Boulez gegründeten Ensembles für zeitgenössische Musik mit 31 festangestellten Solisten. Im Zuge seiner Amtsübernahme begleitete er die Fusion das Ensemble zurmit der Philharmonie de Paris, wo es seit dem 1. Januar 2026 als dauerhafter Klangkörper integriert ist. Hahn gehört seitdem dem Direktorium an.

Zuvor war Hahn von 2022 bis 2025 Redakteur für Neue Musik beim Westdeutschen Rundfunk (WDR 3) und in dieser Funktion Künstlerischer Leiter der Konzertreihe Musik der Zeit sowie der Wittener Tage für neue Kammermusik, eines Festivals für zeitgenössische Kammermusik. 2012 wurde er als erster Preisträger mit dem Reinhard-Schulz-Preis für zeitgenössische Musikpublizistik ausgezeichnet.

Leben und Werk Patrick Hahn wurde als Sohn der Tänzerin Micheline Hahn und des Sängers, Regisseurs und Theaterleiters Werner Hahn in Zürich geboren und wuchs in Hagen auf. Er sammelte am Theater Hagen erste Bühnenerfahrungen und erhielt seine musikalische Ausbildung an der Max-Reger-Musikschule der Stadt Hagen. Nach dem Zivildienst studierte er an der Universität zu Köln Musikwissenschaft, Deutsche Sprache und Literatur sowie Philosophie. Parallel dazu war er als freier Autor und Journalist im Bereich der zeitgenössischen Musik tätig. Von 2009 bis 2011 war Hahn Stipendiat der Akademie Musiktheater heute der Deutsche-Bank-Stiftung. Zwischen 2013 und 2016 hatte er Lehraufträge an den Musikhochschulen Stuttgart, Luzern und Leipzig sowie bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik Darmstadt.

2010 wurde Hahn von Jossi Wieler und Sergio Morabito an die Staatsoper Stuttgart engagiert, wo er von 2011 bis 2015 als Dramaturg wirkte. Er arbeitete eng mit Generalmusikdirektor Sylvain Cambreling zusammen und betreute unter anderem die Produktionen Platée (2012) und The Fairy Queen (2016) mit Regisseur Calixto Bieito. Gemeinsam mit dem Komponisten Mark Andre konzipierte er die Oper wunderzaichen, die am 2. März 2014 unter der musikalischen Leitung von Sylvain Cambreling uraufgeführt wurde und in der Fachpresse breit rezipiert wurde. 2015 wechselte Hahn als Künstlerischer Programmplaner zum Gürzenich-Orchester Köln, wo er gemeinsam mit Generalmusikdirektor François-Xavier Roth für das Programm des städtischen Orchesters verantwortlich zeichnete. In diese Zeit fällt die Gründung eines „Bürgerorchesters“ und eines „Bürgerchors“ sowie Vermittlungsprojekte im Rahmen des Programms Ohren auf!. In diese Zeit fielen mehrere szenische Konzertprojekte, darunter Lab.Oratorium (Köln, Hamburg, Paris 2019, Musik: Philippe Manoury, Regie: Nicolas Stemann), Die neue Akademie – eine Beethoven-Séance (Köln, München, London, Hamburg 2020) und Canto di speranza (Köln, Hamburg 2022, Regie: Calixto Bieito).

Im Herbst 2022 trat Hahn als Nachfolger von Harry Vogt die Position des Redakteurs für Neue Musik bei WDR 3 an. Neben der Programmverantwortung für die Sendeplätze WDR 3 Studio Neue Musik und WDR 3 Konzert übernahm er die Künstlerische Leitung der Konzertreihe Musik der Zeit sowie der Wittener Tage für neue Kammermusik. Das 1936 gegründete und seit 1969 gemeinsam von der Stadt Witten und dem WDR veranstaltete Uraufführungsfestival wird über WDR 3 sowie den Programmaustausch von ARD und EBU weltweit verbreitet. Unter seiner programmatischen Leitung gastierte das WDR Sinfonieorchester bei der Biennale Venedig (2024), beim Festival Visions der Elbphilharmonie Hamburg (2025) und beim Musikfest Berlin (2026). Programmatisch stellte er unter anderem die Komponistinnen Francesca Verunelli, Cassandra Miller und Chaya Czernowin ins Zentrum. Zudem führte er den WDR Liminal Music Prize ein, eine Auszeichnung für genreübergreifendes musikalisches Schaffen. Parallel dazu war Hahn von 2021 bis 2024 an der Konzeption von Diskurs Bayreuth der Bayreuther Festspiele beteiligt, unter anderem zu den Themen Kunst und Klima (2022) und Wagner-Maschinen (2023). Pionierarbeit leistete er bei der Entdeckung von Yvonne Loriod als Komponistin, indem er u.a. die Erstaufführung eines ersten großen Werkes von ihr mit dem rund 90-minütigen "La Sainte Face" in der Berliner Philharmonie, im Rahmen der Berliner Festspiele, dem Musikfest Berlin, mit dem WDR Sinfonieorchester unter Kent Nagano, initiierte.

2025 wurde Patrick Hahn von der französischen Kulturministerin zum Direktor des 1976 von Pierre Boulez gegründeten Ensemble intercontemporain berufen. Im Zuge einer vom französischen Kulturministerium vorbereiteten Neuordnung wurde das Ensemble intercontemporain zum 1. Januar 2026 als sechste Abteilung in die Cité de la musique–Philharmonie de Paris integriert. Hahn begleitete den Übergang als Direktor des Ensembles.

Libretti und dramaturgische Autorschaft Neben seiner kuratorischen Tätigkeit ist Hahn als Librettist und konzeptioneller Mitautor tätig. Zu den wichtigsten Werken gehören:

Die Versuchung des Heiligen Antonius (Komposition: Ulrich Kreppein, Uraufführung 2012, Oldenburgisches Staatstheater) Limbus Limbo (Komposition: Stefano Gervasoni, Uraufführung Festival Musica Straßburg 2012, später Opéra-Comique Paris) wunderzaichen (Komposition: Mark Andre, Libretto gemeinsam mit dem Komponisten, Uraufführung Staatsoper Stuttgart, 2. März 2014) R. hat wieder schlecht geschlafen (Arrangement: Tobias Schwencke, Uraufführung Teatro Real Madrid 2014, im Auftrag von Gérard Mortier) Alavò für Sopran, Klaviere und räumlich verteiltes Kammerorchester (Komposition: Vito Žuraj, Uraufführung Berliner Philharmonie, November 2017) La femme 100 têtes und Schub’rdy G’rdy (Komposition: Vito Žuraj, Libretti: Patrick Hahn) Die zwei Tauben (Komposition: Moritz Eggert, Uraufführung auf einem Rheinschiff 2019) Die letzten Tage der Menschheit (Komposition: Philippe Manoury, Regie: Nicolas Stemann, Uraufführung Oper Köln, 2025)

Auszeichnungen 2012: Reinhard-Schulz-Preis für zeitgenössische Musikpublizistik (erster Preisträger) 2009–2011: Stipendium der Akademie Musiktheater heute der Deutsche-Bank-Stiftung

Weblinks Ensemble intercontemporain Wittener Tage für neue Kammermusik Profil bei der Akademie Musiktheater heute

Einzelnachweise

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