Josef Herowitsch (* 23. Februar 1936 in Rohrbach bei Mattersburg; † 24. November 2014 in Oberpullendorf) war ein österreichischer römisch-katholischer Pfarrer und gemeinsam mit Gidon Kremer Gründer sowie Leiter des Kammermusikfestes Lockenhaus.

Leben Josef Herowitsch wurde am 23. Februar 1936 in dem nordburgenländischen Ort Rohrbach bei Mattersburg geboren.Todesfälle. In: Amtliche Mitteilungen der Diözese Eisenstadt Nr. 618, 15. Dezember 2014 (2014/8), S. 60. (PDF). Er besuchte das Mattersburger Knabenseminar sowie das Bundesrealgymnasium und Bundesgymnasium Mattersburg, wo er 1955 die Matura ablegte.Johann Werfring: Das Bischöfliche Seminar Mattersburg 1954–1998. Herausgegeben vom Diözesanarchiv Eisenstadt, St. Martins-Verlag, Eisenstadt 2026, ISBN 978-3-900120-15-3, S. 102. Nach seinen anschließenden theologischen Studien erfolgte am 29. Juni 1960 in Eisenstadt die Priesterweihe. Sodann war er zunächst Kaplan in den südburgenländischen Gemeinden Rechnitz und Oberwart, bis er 1963 als Pfarrprovisor in Mannersdorf an der Rabnitz eingesetzt wurde. Im Jahr 1972 übernahm er die Pfarre in dem mittelburgenländischen Ort Lockenhaus, wo er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand als Seelsorger im Dezember 2010 wirkte. Über seine Tätigkeit in der Pfarre hinaus erfüllte er zahlreiche Aufgaben auf regionaler und diözesaner Ebene. Unter anderem war er Mitglied in den Diözesankommissionen für Liturgie und Kirchenmusik und im Priesterrat sowie Kreisdechant des burgenländischen Dekanatskreises Mitte in der Dechantenkonferenz.

Überregionale Bekanntheit erlangte Herowitsch durch das Kammermusikfest Lockenhaus, das er 1981 gemeinsam mit dem lettischen Geigenvirtuosen Gidon Kremer gründete und zusammen mit ihm bis 2011 leitete. Die Initiative war von Josef Herowitsch ausgegangen, dem es seit seinem Amtsantritt als Pfarrer von Lockenhaus im Jahr 1972 ein Anliegen war, die Jugend in ihrer Freizeit für Musik zu begeistern. Die ersten Konzerte, die sogenannten Lockenhauser Konzerte, fanden ab 1974 im Lockenhauser Pfarrhof statt. 1976 konnte Herowitsch erstmals Gidon Kremer verpflichten, der in den Folgejahren viele seiner ebenfalls in den Westen emigrierten Freunde nach Lockenhaus brachte. Zu ihnen zählten unter anderem Oleg Maisenberg, Elisabeth Leonskaja, David Geringas und Andrej Gavrilov, die auch schon vor der Festivalgründung in Lockenhaus gespielt hatten. Das erste Internationale Kammermusikfest Lockenhaus fand vom 1. bis 12. Juli 1981 in Lockenhaus statt. Pfarrer Herowitsch übernahm von nun an die Organisation. Gidon Kremer war künstlerischer Leiter des alljährlich stattfindenden Festes.Österreich Journal. Das Magazin für Österreicher in aller Welt, Ausgabe Nr. 106, 4. April 2012, S. 38 (PDF).Lockenhaus-Gründer Josef Herowitsch ist tot. Herowitsch leitete von 1981 bis 2011 mit Gidon Kremer das Festival In: magazin.klassik.com. Abgerufen am 21. Juli 2026.Herowitsch, Josef im Österreichischen Musiklexikon, abgerufen am 27. Juli 2026.

Immer wieder hatten sich beim Festival Weltklassekünstler beteiligt. 2011 feierte man den 30. Jahrestag der Gründung – und den Abschied. Als Josef Herowitsch und Gidon Kremer nach der Austragung des Festivals 2011 dessen Leitung zurücklegten, erklärte Kremer rückblickend im Interview mit der Tageszeitung Die Presse, dass es gelungen sei, das Lockenhauser Musikfest zu einem „weltweit angesehenen, jährlichen Fixstern für Kammermusikfreunde“ zu entwickeln.Wilhelm Sinkovicz: Das war die Spinnerei eines burgenländischen Pfarrers. In: Die Presse, 4. Juli 2011, S. 19.

In der Nachfolge von Herowitsch und Kremer übernahm ab 2012 der Cellist Nicolas Altstaedt die Ägide über das Kammermusikfest Lockenhaus. Er ist seither auch dessen künstlerischer Leiter. Die Konzerte werden jeweils im Juli veranstaltet. Diese finden – wie schon zuvor unter der Leitung von Herowitsch und Kremer – meist auf der Burg Lockenhaus und in der Pfarrkirche hl. Nikolaus des Ortes statt.Guido Fischer: „Creation“ (40 Jahre Kammermusikfest Lockenhaus) In: rondomagazin.de, 30. Juli 2022. Abgerufen am 21. Juli 2026.Künstlerinnen und Künstler 2026 – Nicolas Altstaedt In: kammermusikfest.at. Abgerufen am 21. Juli 2026.

Josef Herowitsch wurde für sein kulturelles Wirken sowohl von der Gemeinde Lockenhaus als auch vom Land Burgenland wie auch von der Republik Österreich geehrt (ebenso wurden Gidon Kremer sowohl in Lockenhaus als auch seitens des Landes Burgenland Ehrungen zuteil).In Anerkennung seiner Verdienste benannte im Jahr 2017 die Gemeinde Lockenhaus die Zufahrt zur Burg, die unter der künstlerischen Leitung von Kremer immer wieder Aufführungsort der Konzerte gewesen war, in „Gidon Kremer Allee“. Vgl. Gidon Kremer In: klassik-heute.de, abgerufen am 27. Juli 2026. Herowitsch verstarb am 24. November 2014 im 79. Lebensjahr in Oberpullendorf. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Rohrbach bei Mattersburg.

Auszeichnungen und Ehrungen Ehrenbürger der Gemeinde Lockenhaus (1983)750 Jahre Lockenhaus. 1257–2007. Hrsg. Marktgemeinde Lockenhaus, Lockenhaus 2007, S. 87 (PDF). Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (1987) Würdigungspreis des Landes Burgenland für Musik (2001)Kultur Burgenland – Preisträger im Überblick. Hrsg. Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abteilung 7 – Bildung, Kultur und Wissenschaft, Eisenstadt 2025, S. 16 (PDF). Großes Ehrenzeichen des Landes BurgenlandEva Maria Plank: Msgr. Prof. Josef Herowitsch verstorben In: meinbezirk.at, 30. November 2014, abgerufen am 27. Juli 2026. Berufstitel Professor Monsignore (Päpstlicher Ehrenkaplan) Josef Herowitsch-Platz in Lockenhaus (Widmung einer öffentlichen Verkehrsfläche) Gedenktafel für Josef Herowitsch am Hauptplatz von Lockenhaus Goldenes Ehrenzeichen der Gemeinde Rohrbach bei Mattersburg (2010)

Publikationen Josef Herowitsch, Gidon Kremer (Hrsg.): 5 Jahre Lockenhauser Kammermusikfest. Mayrhofer, Kirchschlag 1985. Gidon Kremer, Josef Herowitsch (Hrsg.): 25 Jahre Kammermusikfest Lockenhaus. 1981–2006. Ed. Musica, Kurpfälzischer Verlag, Heidelberg 2007.

Literatur Wilhelm Sinkovicz: Das war die Spinnerei eines burgenländischen Pfarrers. In: Die Presse, 4. Juli 2011, S. 19. Albert Seitlinger: Kammermusikfest Lockenhaus. „Kremeratata Musica“ 1981–2001. Programmatische Leitlinien des Kammermusikfestes Lockenhaus „Kremerata Musica“ und ihr rezeptionsgeschichtlicher Kontext. Dissertation, Universität Wien 2003.

Weblinks Herowitsch, Josef im Österreichischen Musiklexikon. Pfarrer Josef Herowitsch gestorben In: burgenland.orf.at, 25. November 2014.

Einzelnachweise

Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (21. Jahrhundert) Kategorie:Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse Kategorie:Träger eines Ehrenzeichens des Landes Burgenland Kategorie:Ehrenbürger von Lockenhaus Kategorie:Professor (Berufstitelträger) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1936 Kategorie:Gestorben 2014 Kategorie:Mann