alternativtext=Erkennungsdienstliche Aufnahme von Daisy de Melker aus dem Jahr 1932|mini|Erkennungsdienstliche Aufnahme von Daisy de Melker aus dem Jahr 1932 Daisy Louisa C. de Melker (* 1. Juni 1886 in Seven Fountains, Kapprovinz als Daisy Louisa C. Hancorn-Smith; † 30. Dezember 1932 in Pretoria, Südafrikanische Union), meist als Daisy de Melker bekannt, war eine südafrikanische Krankenschwester, der vorgeworfen wurde, zwei ihrer Ehemänner wegen der Lebensversicherungen mit Strychnin vergiftet zu haben. Rechtskräftig verurteilt wurde sie jedoch nur wegen der Vergiftung ihres einzigen Sohnes mit Arsen, deren Motiv bis heute unklar ist. De Melker war die zweite Frau in der südafrikanischen Kriminalgeschichte, die durch den Strang hingerichtet wurde.
De Melker wurde dreier Morde beschuldigt, jedoch nur wegen eines einzigen verurteilt: der Tötung ihres Sohnes. Die Vorwürfe, ihre Ehemänner vergiftet zu haben, konnten vor Gericht nie bewiesen werden. Es war William Sproat, der jüngere Bruder ihres zweiten Ehemannes Robert, der De Melker beschuldigte, da er Roberts Testaments zugunsten von De Melker für ungültig erklären lassen wollte. De Melker weigerte sich, ein angebliches Darlehen ihrer Schwiegermutter Jane Sproat an Robert zurückzuzahlen; sie betrachtete es als Geschenk und argumentierte, dass es im Testament nicht als Darlehen ausgewiesen war. William gewann den Zivilprozess bezüglich des Testaments, der zeitgleich mit dem Mordprozess stattfand, und bekam die Prozesskosten zugesprochen. De Melker legte an dem Tag, an dem Richter Greenberg das Urteil wegen Mordes verkündete, Berufung ein. Williams Erfolg erwies sich jedoch als Pyrrhussieg: Um ihre exorbitanten Anwaltskosten zu decken, musste De Melker ihr gesamtes Vermögen veräußern. Sie wurde für insolvent erklärt und schließlich in einem Armengrab beigesetzt.
Kindheit und Jugend Daisy de Melker wurde als Daisy Hancorn-Smith in Seven Fountains in der damaligen Kapkolonie geboren. Sie war eines von elf Kindern. Im Alter von zwölf Jahren zog Daisy nach Bulawayo in Rhodesien (heute Simbabwe), um bei ihrem Vater und zwei ihrer Brüder zu leben. Drei Jahre später wurde sie Internatsschülerin an der Good Hope Seminary School in Kapstadt. 1903 kehrte sie nach Rhodesien zurück, zog jedoch bald darauf in die Kolonie Natal und schrieb sich im Berea Nursing Home in Durban ein.
Während eines ihrer Urlaube in Rhodesien verliebte sich Daisy in einen jungen Mann namens Bert Fuller, einen Beamten des Ministeriums für Eingeborenenangelegenheiten in Broken Hill. Das Paar plante, im Oktober 1907 zu heiraten. Fuller erkrankte jedoch am Schwarzwasserfieber und starb am vorgesehenen Hochzeitstag im Beisein von Daisy. In seinem Testament vermachte Fuller seiner Verlobten 100 Pfund.
Im März 1909, etwa 18 Monate nach Fullers Tod, heiratete Daisy in Johannesburg den Klempner William Alfred Cowle. Sie war 22 Jahre alt, er 36. Das Paar hatte fünf Kinder, von denen vier starben: Die ersten beiden waren Zwillinge, die im Säuglingsalter starben; das dritte Kind starb an einem Leberabszess, und das vierte erlitt Krämpfe sowie Darmbeschwerden und starb im Alter von 15 Monaten. Ihr letztes und einzig überlebendes Kind, Rhodes Cecil (nach Cecil John Rhodes benannt), wurde im Juni 1911 geboren.
Erster mutmaßlicher Mord: William Cowle (erster Ehemann) Am Morgen des 11. Januar 1923 erkrankte William Cowle schwer, kurz nachdem er von seiner Frau zubereitetes Bittersalz eingenommen hatte. Der erste Arzt, der Cowle untersuchte, hielt dessen Zustand nicht für ernst und verschrieb ein Bromidpräparat. Cowles Zustand verschlechterte sich jedoch rasch; kurz nachdem der Arzt gegangen war, erlitt er einen schweren Rückfall. Daisy rief Nachbarn zur Hilfe und verständigte einen weiteren Arzt. Als der zweite Arzt eintraf, litt Cowle unter unerträglichen Schmerzen. Er hatte Schaum vor dem Mund, lief blau an und schrie vor Qualen, sobald ihn jemand berührte, bis er schließlich starb.
Angesichts dieser Symptome vermutete der zweite Arzt eine Strychninvergiftung und weigerte sich, den Totenschein auszustellen. In der Folge wurde vom kommissarischen Gerichtsmediziner, Dr. Fergus, eine Obduktion durchgeführt. Als Todesursache wurden schließlich eine chronische Nephritis und eine Hirnblutung bescheinigt. Daisy, die als Alleinerbin im Testament ihres Mannes eingesetzt war, erbte 1795 Pfund.
Zweiter mutmaßlicher Mord: Robert Sproat (zweiter Ehemann) Am 11. Januar 1926 heiratete die 36-jährige Daisy erneut einen Klempner: den zehn Jahre älteren Robert Sproat. Im Oktober 1927 erkrankte Robert schwer und litt unter unerträglichen Schmerzen sowie heftigen Muskelkrämpfen, die denen von Cowle ähnelten. Robert erholte sich zunächst, erlitt jedoch wenige Wochen später einen zweiten Anfall, nachdem er im Beisein seiner Frau und seines Stiefsohns Rhodes Bier getrunken hatte. Er starb am 6. November 1927. Dr. Mallinick, der behandelnde Arzt, bescheinigte als Todesursache Arteriosklerose und eine Hirnblutung. Es wurde keine Obduktion durchgeführt. Nach Roberts Tod erbte seine Witwe über 4000 Pfund sowie weitere 560 Pfund aus seiner Pensionskasse.
Dritter mutmaßlicher Mord (für den Daisy de Melker verurteilt wurde): Rhodes Cecil Cowle (Sohn) Am 21. Januar 1931 heiratete Daisy zum dritten Mal. Ihr neuer Ehemann war der Witwer Sydney Clarence de Melker; wie ihre beiden vorherigen Ehemänner war auch er Klempner.
Bevor er als Klempner arbeitete, hatte Sydney für die Springboks (die südafrikanische Rugby-Nationalmannschaft) gespielt.
Ende Februar 1932 reiste Daisy von Germiston an der East Rand nach Turffontein, um sich bei einem Apotheker Arsen zu beschaffen. Sie nutzte dabei ihren früheren Namen Sproat und gab vor, das Gift zu benötigen, um eine kranke Katze zu beseitigen. Weniger als eine Woche später, am 2. März 1932, erkrankte der 20-jährige Rhodes bei der Arbeit, nachdem er Kaffee aus einer Thermoskanne getrunken hatte, die seine Mutter für ihn zubereitet hatte. Ein Arbeitskollege, James Webster, erkrankte ebenfalls schwer. Webster, der nur sehr wenig von dem Kaffee getrunken hatte, erholte sich innerhalb weniger Tage, doch Rhodes starb am 5. März mittags zu Hause. Es folgte eine Obduktion, als deren Ursache cerebrale Malaria angegeben wurde. Rhodes wurde am folgenden Tag auf dem Friedhof New Brixton beigesetzt; am 1. April erhielt De Melker 100 Pfund aus Rhodes’ Lebensversicherung.
Daisys Motive für die Tötung ihres Sohnes Rhodes bleiben unklar. Im Fall ihrer ersten beiden Ehemänner schien das Motiv – sofern sie diese tatsächlich getötet hatte – finanzieller Gewinn gewesen zu sein. Rhodes schien unter dem Eindruck zu stehen, mit dem Erreichen des 21. Lebensjahres ein Erbe anzutreten. Eine Theorie besagt, dass er mehr verlangte, als seine Mutter ihm geben konnte, und zunehmend zu einer Last für sie wurde. Die naheliegendste Erklärung ist jedoch, dass er zu einer Enttäuschung für Daisy geworden war; sie hatte ihn sein Leben lang verwöhnt, er jedoch zeigte ihr im Gegenzug nur selten Aufmerksamkeit oder Rücksichtnahme. Es ist auch möglich, dass Rhodes bezüglich des Todes seines Vaters und seines Stiefvaters Verdacht geschöpft hatte und Daisy ihn tötete, um ihre ersten beiden Morde zu vertuschen.
Festnahme, Prozess und Hinrichtung Zu diesem Zeitpunkt äußerte Daisys ehemaliger Schwager, William Sproat, gegenüber den Behörden seine Bedenken hinsichtlich des Todes seines Bruders Robert. Am 15. April 1932 erwirkte die Polizei einen gerichtlichen Beschluss zur Exhumierung der Leichname von Robert, Cowle und Rhodes. Die Überreste von Rhodes erwiesen sich als ungewöhnlich gut erhalten – eine Eigenschaft, die charakteristisch für das Vorhandensein großer Mengen Arsen ist. Ein Gerichtsmediziner des Staates konnte Spuren von Arsen in den Eingeweiden, der Wirbelsäule und den Haaren nachweisen. Obwohl die Leichname von Cowle und Robert Sproat bereits weitgehend verwest waren, wurden in den Wirbeln beider Männer Spuren von Strychnin gefunden. Ihre Knochen wiesen zudem eine rosa Verfärbung auf, was darauf hindeutete, dass die Männer rosa eingefärbtes Strychnin eingenommen hatten, wie es zur damaligen Zeit üblich war. Auch in den Haaren und Fingernägeln von James Webster, Rhodes’ überlebendem Kollegen, wurden Arsenspuren nachgewiesen.
Eine Woche später wurde De Melker festgenommen und wegen der Morde an allen drei Männern angeklagt. Das öffentliche Interesse an dem Fall wuchs, und die Zeitungen berichteten ausführlich darüber. Der Apotheker aus Turffontein, Abraham Spilkin, bei dem sie das Arsen gekauft hatte, mit dem ihr Sohn getötet wurde, wandte sich an die Polizei, nachdem er De Melker auf einem Zeitungsfoto als die „Mrs D.L. Sproat“ wiedererkannt hatte, die sich in das Giftregister eingetragen hatte.
Der Prozess gegen De Melker dauerte dreißig Tage. Sechzig Zeugen wurden von der Anklage aufgerufen, aufseiten der Verteidigung waren es weniger als die Hälfte. Für die Vorlegung der forensischen Beweise zog die Anklage Dr. J.M. Watt hinzu, einen erfahrenen Toxikologen und Professor für Pharmakologie an der Witwatersrand-Universität. In seiner Zusammenfassung wies der Richter vor der Urteilsverkündung darauf hin, dass die Anklage nicht schlüssig habe beweisen können, dass Cowle und Sproat an einer Strychninvergiftung gestorben waren. Er führte aus, dies überzeuge ihn nicht und überführe die Angeklagte keineswegs.
Beim dritten Anklagepunkt gelangte er jedoch zu dem „zwingenden Schluss“, dass De Melker ihren Sohn ermordet hatte. Dies sei aus folgenden Gründen evident:
Rhodes Cowle sei an einer Arsenvergiftung gestorben; die Kaffeeflasche habe Spuren von Arsen enthalten; die Angeklagte habe das Arsen in die Flasche gefüllt; die Schutzbehauptung eines Suizids sei unhaltbar.
Als der Richter sich schließlich an De Melker wandte, um das Urteil zu verkünden, erbleichte ihr Gesicht, doch sie beteuerte weiterhin ihre Unschuld. De Melker wurde zum Tode durch den Strang verurteilt. Das Urteil wurde am Morgen des 30. Dezembers 1932 im Zentralgefängnis von Pretoria vollstreckt.
Rezeption
1934 veröffentlichte Sarah Gertrude Millin den Roman Three Men Died, der auf dem Fall De Melker basiert. 1993 entstand eine Fernseh-Miniserie über Daisy de Melker mit Susan Coetzer in der Hauptrolle. Ted Botha verfasste die 2023 erschienene Biografie Daisy de Melker: Hiding among killers in the City of Gold.
Einzelnachweise
Kategorie:Person (Kapkolonie) Kategorie:Serienmörder (Südafrika) Kategorie:Hingerichtete Person (Südafrika) Kategorie:Südafrikaner Kategorie:Geboren 1886 Kategorie:Gestorben 1932 Kategorie:Frau