mini|hochkant|Bavaria auf dem Dianatempel im Münchner Hofgarten mini|hochkant=1.1|Bavaria mit Ruhmeshalle
Die Bavaria (der latinisierte Ausdruck für Bayern) ist die weibliche Symbolgestalt und weltliche Patronin Bayerns und tritt als personifizierte Allegorie für das Staatsgebilde Bayern in verschiedenen Formen und Ausprägungen auf. Sie stellt damit das säkulare Gegenstück zu Maria als religiöser Patrona Bavariae dar.
In der bildenden Kunst kann die kolossale bronzene Bavaria-Statue in München als bekannteste und zugleich monumentalste Darstellung der Bavaria gelten. Sie wurde im Auftrag von König Ludwig I. (1786–1868) in den Jahren 1843 bis 1850 errichtet und steht in baulicher Einheit mit der Ruhmeshalle am Rande der Hangkante oberhalb der Theresienwiese.
Allegorien Bayerns
Mit dem Zeitalter der Renaissance, als man sich verstärkt mit der Kunst der Antike beschäftigte, begann eine Blütezeit der allegorischen Darstellungen. Im Zuge dessen tauchen die ersten Abbildungen einer Allegorie Bayerns auf. Eine 1508 geprägte Goldmünze, die Herzog Albrecht IV. als Wiedervereiniger von Ober- und Niederbayern feiert, zeigt auf einer Seite mit der Baioaria, eine der frühesten Darstellungen: Eine nur mit einem Lendentuch bekleidete junge Frau mit Flügeln hält einen ovalen Rautenschild, der auf einem im Renaissancestil gestalteten Postament steht. Auch auf Münzen von Herzog Ludwig X. um 1540 erscheint die Bavaria in sehr ähnlicher Form sowie auch auf einer Löwen-Biga sitzend.Goldmedaille Herzog Albrechts IV. von Bayern-München. In: Bavarikon. Bayerische Staatsbibliothek.
Die Tellus Bavarica ist eine seit vielen Jahrhunderten gebräuchliche Allegorie der „bayerischen Erde“, die in vielerlei Gestalt unter anderem in Wappen, auf Gemälden, als Reliefdarstellung, zum Beispiel über Hauseingängen, sowie als Statue begegnet. In der öffentlichen Wahrnehmung wird die Bavaria heute weitgehend mit der monumentalen Statue an der Theresienwiese identifiziert, doch lassen sich weitere Beispiele im öffentlichen Raum finden. Ein gut zugängliches ist im Münchner Hofgarten zu sehen: Die Kuppel des zentralen „Dianatempels“ wurde ursprünglich von einer bronzenen Statue der Diana von Hubert Gerhard gekrönt, welche mutmaßlich Hans Krumpper 1623 zur Allegorie Bayerns umgestaltete, indem er ihren Helm zum Kurfürstenhut ergänzte und einen Reichsapfel statt eines Ährenkranzes in die Hand gab.Lars Olaf Larsson: Tellus Bavarica – Metamorphosen einer Landesallegorie. In: Der Münchner Hofgarten – Beiträge zu einer Spurensuche. Süddeutscher Verlag 1988, ISBN 3-7991-6417-0, S. 50–55 Auf dem Tempel befindet sich heute eine Kopie, das Original ist im Theatinergang der Münchner Residenz ausgestellt.Bayerische Schlösserverwaltung: Hofgarten
mini|links|Bavaria an der Decke des Fürstensaals im Kloster Fürstenzell, 1773 von Bartolomeo Altomonte
1773 schuf Bartolomeo Altomonte Teile der barocken Ausgestaltung des Klosters Fürstenzell bei Passau und platzierte die Bavaria im Zentrum des Deckenfreskos im Fürstensaal. Sie ist als Königin im Moment der Krönung durch einen Engel dargestellt und von Allegorien der Kirche, des Handels, der Agrikultur und der Künste umgeben.
mini|hochkant|Marianne Kürzinger: Gallia schützt Bavaria
Eine ganz andere Version einer bayerischen Landesallegorie schuf 1805 die Künstlerin Marianne Kürzinger in ihrem Ölgemälde „Gallia schützt Bavaria“. Das Bild zeigt eine mädchenhafte, zierliche Allegorie des Landes in weiß-blauem Gewand, die sich vor dem drohenden Sturm in die Arme der herangleitenden Gallia flüchtet, derweil der Bayerische Löwe sich dem Unheil entgegenwirft. In der Darstellung spiegelt sich die Allianz zwischen Bayern und Frankreich in jener Zeit.Haus der Bayerischen Geschichte: Gallia schützt Bavaria, Katalog der Landesausstellung 1999 „Bayern und Preussen“ Der Habsburger-Kaiser Franz hatte gedroht: „Ich werde Bayern nicht nehmen, ich werde es verschlingen.“
mini|links|Fresko in den Münchner Hofgartenarkaden
Rund ein Vierteljahrhundert später schuf Peter von Cornelius zusammen mit weiteren an der Ausgestaltung der Münchner Hofgartenarkaden beteiligten Künstlern eine wesentlich selbstbewusstere Allegorie Bayerns als Fresko: Diese friedliche, aber wehrhafte Bavaria trägt einen Brustharnisch und eine Mauerkrone, mit der rechten Hand hält sie einen umgekehrten Speer als Friedenszeichen, in der Linken einen Schild mit dem Motto König Ludwigs I. „Gerecht und beharrlich“. Mit dem Bayerischen Löwen zu ihrer Seite sitzt sie vor einer Landschaft mit Bergen und Flusstälern.Peter von Cornelius u. a. (1829): „Allegorie der Bavaria“ (PDF-Datei; 4,69 MB) Holger Schulten
mini|links|Die Bavaria auf einer Schützenscheibe von 1851
Dem unbekannten Maler einer Tölzer Schützenscheibe von 1851 dürfte die Kolossalplastik Schwanthalers mit ziemlicher Sicherheit aus der Presse oder sogar aus eigener Anschauung bekannt gewesen sein: Zwar frei interpretiert, zeigt seine Darstellung der Bavaria diese doch mit den gleichen Attributen Bavaria an der Theresienwiese. Die Kleidung ist abweichend, doch die Postierung auf dem Sockel, das Schwert in der Rechten und der Siegeskranz in der Linken lassen das Vorbild deutlich erkennen. Allerdings setzte der Künstler die Allegorie hier vor eine Alpenlandschaft mit einer Stadtansicht von Bad Tölz im Hintergrund und fügte im Vordergrund ein Stadtwappen hinzu.
Von 2011 bis 2018 hielt die Bavaria, dargestellt von der Schauspielerin Luise Kinseher, die Fastenpredigt beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Nationale Personifikation Kategorie:Nationales Symbol (Bayern) Kategorie:Fiktive Person (weiblich) Kategorie:Namensgeber für einen Asteroiden