mini|Havka Folman und Jitzhak Zuckerman (1945) Havka Folman Raban (; geboren 19. April 1924 in Kielce, Polen; gestorben 9. Januar 2014 in Lochamej haGeta’ot, Israel) war eine polnische Widerstandskämpferin und Kasharit, die als Kurierin Informationen zwischen den von den deutschen Besatzern errichteten Ghettos übermittelt hat.
Leben Havka Folman wurde am 19. April 1924 in Kielce in eine konservative jüdische Familie geboren, die zionistische Ideale vertrat. Sie war die Tochter von Rozalia (Shoshana), geborene Kacengold, und Abraham Beniamin Folman und hatte zwei ältere Brüder, Wolf (* 1914) und Mordechaj (* 1916).
mini|Havka Folman und ihre Mutter (1949) Die Familie zog 1925 nach Warschau. Dort arbeitete Abraham Beniamin Folman als Hausverwalter und kümmerte sich um die Buchführung, den Mieteinzug, die Überwachung von Reparaturen und Ähnliches. Die Familie konnte davon gut leben und war wohlhabend. Ein Bruder ihres Vaters war zu der Zeit bereits nach Palästina ausgewandert. Auch die Großmutter Hinda und ein weiterer Bruder des Vaters wanderten 1933 dorthin aus. Ihre Brüder besuchten das Gymnasium in Warschau und studierten. Wolf wurde Architekt, er heiratete und bekam einen Sohn. Mordechaj wurde Ingenieur. Havka Folman besuchte das hebräische Gymnasium und schloss dort 1939 die dritte Klasse ab.
Zweiter Weltkrieg – Widerstand und KZ-Lagerhaft In Warschau erlebte die Familie den Kriegsbeginn, den Einmarsch der deutschen Truppen und die Besatzung. Nach einigen Monaten schloss sich Havka Folman der zionistischen Jugendorganisation Dror an. Sie besuchte den Unterricht an einer illegalen weiterführenden Schule und beteiligte sich an einer von Jizchak Katzenelson geleiteten Theatergruppe. Sie zog schließlich dauerhaft in die Zentrale der Dror.
Havka Folman sprach exzellent Polnisch und war sehr attraktiv. So wurde sie zu einer Kurierin, die unter dem falschen Namen Emma Marcianiak zwischen den Ghettos des Generalgouvernements reiste. Sie überbrachte dabei Informationen und falsche Dokumente, half anderen Juden zur Flucht aus dem Ghetto und versorgte die Menschen auch mit Waffen. Dabei reiste sie mit dem Zug durch Polen und sammelte Informationen, indem sie den Gesprächen der anderen Reisenden lauschte. Dies war nicht ungefährlich, denn es gab auch unter den Polen viele Antisemiten und für eine Kurierin bestand immer die Gefahr, enttarnt zu werden. Sie beteiligte sich auch an Angriffen der Volksgarde und der Jüdischen Kampforganisation. So war sie neben Jitzhak Zuckerman am 22. Dezember 1942 am Angriff auf das Café „Cyganeria“ in Krakau beteiligt. Das Lokal war nur für Deutsche zugänglich. Bei dem Angriff sollen elf Deutsche getötet worden sein, auch wenn zeitgenössische Quellen von zwei Toten sprachen. Über ein Dutzend weitere wurden verletzt. Danach wurde sie von der Gestapo verhaftet und im Gefängnis Montelupich brutal verhört. Dabei rückte sie nicht von ihrer „arischen“ Identität ab.
Danach wurde sie in das KZ Auschwitz-Birkenau überstellt. Dort wurde ihr die Häftlingsnummer 32291 eintätowiert. Sie bekam KZ-Häftlingskleidung und Holzschuhe und wurde zu schwerer körperlicher Arbeit gezwungen. Im Lager musste sie Steine schleppen. Später musste sie im Effektenlager „Kanada“ Kleidung und persönliche Gegenstände von den Juden sortieren, die in den Gaskammern ermordet worden waren. Ihre Mutter konnte ihr durch Kontakte im Untergrund Briefe zusenden und auch Pakete schicken. Auch wurde ein Plan zu ihrer Befreiung aus Auschwitz ausgearbeitet, der jedoch aufgrund des Aufstandes im Warschauer Ghetto aufgegeben wurde. Etwas später wurde sie in die Geflügelfarm Harmense verlegt. Dort waren die Bedingungen für die Inhaftierten besser, und sie arbeitete unter anderem bei der Viehfütterung. Schließlich überlebte sie im Januar 1945 einen Todesmarsch in das KZ Ravensbrück. In einer Rettungsaktion wurde sie im April 1945 durch das Schwedische Rote Kreuz mit den Weißen Bussen aus Ravensbrück zur medizinischen Behandlung nach Schweden gebracht. In Schweden erfuhr sie von der Niederlage Deutschlands und dem Ende des Kriegs. Nach einigen Monaten in Schweden machten Freunde sie dort ausfindig und brachten sie zurück nach Warschau.
Emigration nach Israel mini|Havka Folman Raban mit Ehemann und Tochter (1952) Zurück in Warschau erfuhr sie, dass ihr Vater und ihre beiden Brüder von den Nazis ermordet worden waren. Ihre Mutter Rozalia und die Frau ihres Bruders, Rena, sowie deren kleiner Sohn Rafael hatten jedoch die Nazi-Herrschaft überlebt. Havka Folman schloss sich der Organisation Brichah an, die jüdische Überlebende auf die Auswanderung nach Palästina vorbereitete, und im Oktober 1947 reiste sie nach Palästina und ließ sich im Kibbuz Yagur nieder. Dort arbeitete sie in der Landwirtschaft. Mit Freunden gründete sie am 19. April 1949 das Kibbuz Lohamei HaGeta'ot, das Kibbuz der Ghettokämpfer.
Havka Folman heiratete 1948 Icchak Raban (Rabinowicz), gebürtig aus Slonim, der vor dem Zweiten Weltkrieg illegal nach Palästina ausgewandert war. Sie lebten und arbeiteten im Kibbuz Lohamei HaGeta'ot, bauten dort die Bibliothek und später das Bildungszentrum auf und bekamen zwei Töchter. Havka Folman Raban begleitete oft Gruppen israelischer Jugendlicher auf ihren Polenreisen. Dabei war es ihr wichtig, diesen Polen nicht nur als Ort zu zeigen, wo der Holocaust stattgefunden hat, sondern auch als Land, in dem Juden gelebt und gearbeitet haben.
mini|Havka Folman Raban und ihre Enkelin (1997) Im Jahr 2000 veröffentlichte sie ihre Erinnerungen auf Polnisch unter dem Titel Nie rozstałam się z nimi… (dt.: Ich habe mich nicht von ihnen getrennt…). Ein letztes Mal reiste sie im April 2013 nach Polen. Dort gedachte sie des 70. Jahrestages des Aufstands im Warschauer Ghetto.
Havka Folman Raban starb am 9. Januar 2014 in Israel, im Kibbuz der Ghettokämpfer.
Weblinks
Havka Folman Raban auf Yad Vasehem
Einzelnachweise
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