mini|200px|Ali Aref Bourhan (1971) Ali Aref Bourhan (; * 1934 in Tadjoura, Französisch-Somaliland; † 15. Dezember 2025) war ein dschibutischer Politiker, der unter anderem von 1960 bis 1966 Vizepräsident des Regierungsrates der französischen Kolonie Französisch-Somaliland beziehungsweise zwischen 1967 und 1976 Präsident des Regierungsrates des Französischen Afar- und Issa-Territoriums war.
Leben Ali Aref Bourhan, Sohn von Aref Bourhan bey Aboubakar, war ein Angehöriger des Nomadenvolkes Afar und trat nach dem Besuch der Grundschule in Dschibuti sowie weiterer Kurse in die Verwaltung der Kolonie ein. Im Juni 1957 wurde er für den Dankalie-Jugendclub CJD (Club de la jeunesse dankalie) Mitglied sowie im November 1958 Vizepräsident der Territorialversammlung (Assemblée territoriale). Als Nachfolger von Ahmed Dini Ahmed übernahm er im Juni 1960 den Posten als Vizepräsident des Regierungsrates der französischen Kolonie Französisch-Somaliland, der damals noch vom französischen Gouverneur Jacques Compain beziehungsweise ab dem 16. November 1962 von René Tirant geleitet wurde und bekleidete dieses Amt bis August 1966, woraufhin Abdallah Mohamed Kamil seine Nachfolge antrat. 1963 gewann er mit seiner Demokratischen Union der Afar UDA (Union démocratique afar) die Wahlen zur Territorialversammlung und war 1963 und zwischen 1964 und 1969 auch Mitglied des Wirtschafts- und Sozialrates CES (Conseil économique et social) in Paris gewesen.
1967 stimmten in einem umstrittenen Referendum (22.024 Afar und nur 14.689 Issa waren zur Wahl zugelassen) 22.555 für und 14.666 gegen einen Verbleib bei Frankreich, worauf ein besonderes Statut für das Französischen Afar- und Issa-Territoriums (Territoire français des Afars et Issas) erlassen mit weitgehender innerer Autonomie wurde.Der Große Ploetz, S. 1915 Aref Bourhan wurde daraufhin zunächst Vizepräsident sowie am 7. Juli 1967 als Nachfolger von Abdallah Mohamed Kamil Präsident des Regierungsrates (Président du Conseil de gouvernement du Territoire français des Afars et des Issas) und damit Ministerpräsident. Seit Anfang der 1970er Jahre hat sich die Kritik an der Fortdauer der französischen Herrschaft verstärkt ebenso wie an der einseitigen Politik der Begünstigung der Afar. Auch die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Territoriums wurden weithin als unbefriedigend empfunden. Eine im Oktober 1972 vom französischen Parlament beschlossene Verfassungsänderung sah den Ausbau der Selbstverwaltung vor.Der Große Ploetz, S. 1915 Am 5. Dezember 1975 forderten die Vereinten Nationen Frankreich erneut auf, dem Afar- und Issa-Territorium die Unabhängigkeit zu gewähren, worauf Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing zur Jahreswende mitteilte, dass nach einem weiteren Referendum die Entlassung in die Unabhängigkeit erfolgen werde. Dabei zeigten die Vertreter seiner damals regierenden Union innerhalb Frankreichs UEF (Union dans l’ensemble français), die 1975 in Nationale Union für Unabhängigkeit UNI (Union nationale pour l’indépendance) umbenannt wurde, in wenig Begeisterung, weil das Gebiet auch weiterhin auf französische Hilfe entscheidend angewiesen war und kein Interesse daran bestand, von den Nachbarn Äthiopien oder Somalia vereinnahmt zu werden. Am 5. Dezember 1975 scheiterte ein auf ihn verübtes Attentat.
In weiteren Verhandlungen mit französischen Partnern vertrat Ali Aref Bourhan daher die Auffassung, dass auch nach Entlassung des Gebietes in die Unabhängigkeit eine militärische Präsenz Frankreichs erwünscht sei. Das wieder stieß auf Kritik aller oppositionellen Kräfte, die eine echte Unabhängigkeit anstreben. Um die Diskussion weiterzubringen kamen aus Somalia und Äthiopien beruhigende Erklärungen. Innerhalb der Regierungspartei UNI kam es dann im Juli 1976 zur Spaltung, bei der sich eine Gruppe um Senator Barkat Gourad Hamadou trennte sich von Aref Bourhan, der daraufhin im Parlament nur noch über 17 von 40 Sitzen verfügte. Er versuchte noch die Wählbarkeit des bisherigen Generalsekretärs der Regierung in Zweifel zu ziehen, doch wurde Abdallah Mohamed Kamil am 29. Juli 1976 zum Vorsitzenden des Regierungsrates gewählt, nachdem Aref Bourhan am 17. Juli 1976 zurückgetreten war. Kamil stellte nun die Regierung auf eine breitere Grundlage und nahm Politiker der Afrikanische Volksliga für Unabhängigkeit LPAI (Ligue populaire africaine pour l’indépendance) und der Befreiungsfront FLCS (Front de libération de la côte des Somalis) in sein Kabinett auf. Die radikaleren Gruppen Volksbefreiungsbewegung MPL (Mouvement populaire de libération), Dschibuti-Befreiungsbewegung MLD (Mouvement de libération de Djibouti) und die UNI blieben sowohl der Regierung als auch den nachfolgenden Verhandlungen fern. Anfang März wurde als Termin für Neuwahlen und ein Referendum über die Frage der Unabhängigkeit der 24. April 1977 und für die Proklamation der Unabhängigkeit die Zeit zwischen dem 20. und dem 30. Juni 1977 vereinbart. Die UNI erklärte dazu, dass sie die Rechte der Afars konsequent verteidigen und Vorkehrungen gegen Annexionsbestrebungen der kommunistischen Regime in Somalia und Äthiopien treffen werde. Die linke MPL kündigte für Mitte 1977 eine echte Volksopposition gegen die traditionellen Politiker, die als Vertreter Frankreichs und der Bourgeoisie galten, an.
Für das Referendum am 8. Mai 1977 über die Unabhängigkeit, mit dem auch die Wahl für die Verfassunggebende Versammlung verbunden worden war, gab die UNI zunächst eine Boykottparole aus, befürwortete dann aber doch die Stimmabgabe für die Unabhängigkeit. Bei 77,7 Prozent Wahlbeteiligung sprachen sich mehr als 98 Prozent für die Unabhängigkeit aus, wobei in den von den Afar dominierten Bezirken die Wahlbeteiligung deutlich niedriger lag und teilweise nur bei 50 Prozent lag. In der Verfassunggebenden Versammlung war die UNI nicht vertreten, da die von Hassan Gouled Aptidon eine Einheitsliste vorgelegt und sich durchgesetzt hatte, woraufhin 33 Abgeordnete Issa, 30 Afar und 2 Araber waren. Im Januar 1991 wurde er wegen eines versuchten Staatsstreiches gegen den nunmehrigen Staatspräsidenten Hassan Gouled Aptidon verhaftet und im Juli 1992 zu zehn Jahren Haft verurteilt, allerdings bereits am 15. Dezember 1994 begnadigt.
Ali Aref Bourhan, der auch Mitbesitzer der Pepsi-Cola-Abfüllanlage in Dschibuti war und für seine Verdienste zum Offizier der Ehrenlegion ernannt wurde, war seit 1971 mit der Französin Régine Soullé verheiratet.
Literatur Der Große Ploetz. Die Enzyklopädie der Weltgeschichte, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 35. Auflage, 2008, ISBN 978-3-525-32008-2
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Premierminister (Dschibuti) Kategorie:Politiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Offizier) Kategorie:Dschibutier Kategorie:Geboren 1934 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Mann