Das am 21. September 1989 gegründete Nationale Naturreservat Puinawai (Reserva Nacional Natural Puinawai, RNN Puinawai) im Departamento de Guainía umfasst eine Fläche von 1.092.500 Hektar und ist damit das zweitgrößte Schutzgebiet des kolumbianischen Nationalparksystems.

Allgemeines Beschreibung Mit einer Fläche von 1.092.500 Hektar ist die Reserva Nacional Natural Puinawai das zweitgrößte Schutzgebiet Kolumbiens nach dem Parque Nacional Natural Chiribiquete.

Die Amazonas-Ebene prägt das gesamte Schutzgebiet, mit Ausnahme der Granitformationen der Serranía de Caranacoa, bei denen es sich höchstwahrscheinlich um die Überreste ehemaliger Gebirgsketten handelt, die durch Erosion abgetragen wurden (sogenannte Inselberge).Andrés Etter: Puinawai y Nukak: Caracterización ecológica general de dos reservas naturales de la amazonía colombiana; IDEADE, Bogotá, 2001 (spanisch).

Puinawai besteht aus Regenwald und Savannen. Dies ist vor allem auf die Nähe zu den Tepuis der Maimachí-Formation und die Bewässerung durch die Flüsse der Region zurückzuführen. Die Maimachi-Formation entstand in einer deltaischen Umgebung. Dort wechselten sich Ablagerungen aus Gezeitenebenen mit Sedimenten mäandrierender Flüsse ab. Zusätzlich traten verzweigte Flusssysteme auf, die von Schwemmkegeln ausgehend grobkörnige Sedimente transportierten.

Der Name Puinawai leitet sich von der Sprache der Puinave ab, eines indigenen Volkes des Departamento Guainía.

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Das Nationalreservat liegt vollständig im Departamento Guainía im Osten Kolumbiens zwischen 1°43′14″ und 2°58′22″ nördlicher Breite sowie zwischen 68°41′04″ und 69°55′56″ westlicher Länge. Das Reservat nimmt etwa 15 % der Fläche des Departamentos ein. Die Grenzen werden im Norden durch den Fluss Inírida gebildet, im Osten durch die Nebengewässer Nabuquén und Aguacate und im Süden, flussabwärts des Cuiarí, durch die Grenzlinie zwischen Kolumbien und Brasilien. Schließlich verläuft die Grenze über einen kleinen Teil des Einzugsgebiets des Flusses Isana und folgt einem seiner Zuflüsse, dem Bach Pacú. Diese westliche Grenze umfasst zudem den Bach Lutra sowie die Wasserläufe Rayado und Chucutú. Das Nationalreservat überschneidet sich vollständig mit den indigenen Reservaten des mittleren und oberen Inírida-Flussbeckens (369.578 Hektar), des oberen Guainía-Flussbeckens (267.352 Hektar), des Cuiari- und Isana-Reservats (419.507 Hektar) und des Tonina-Sejal-San José-Reservats und verschiedenen anderen Reservaten (40.024 Hektar). Diese Schutzgebiete werden aufgrund ihrer Gesamtfläche von schätzungsweise 4.550.144 Hektar auch als Pufferzone für das Naturschutzgebiet Puinawai betrachtet. Innerhalb und angrenzend an das Naturschutzgebiet Puinawai nutzen 44 Gemeinden das Schutzgebiet. Im Süden grenzt das Naturschutzgebiet Puinawai auf einer Länge von etwa 112 Kilometern an Brasilien.

Klima Das Klima in Guainía ist tropisch, warm und feucht mit einer ausgeprägten, aber milden Trockenzeit. Klimadaten liegen hauptsächlich von der Station am Flughafen Puerto Inírida vor, etwa 200 km nordöstlich des Nationalreservats. Aufgrund der geringen Reliefunterschiede sind größere regionale Abweichungen wahrscheinlich gering.

Die Region gehört zu den niederschlagsreichsten Gebieten des nordöstlichen kolumbianischen Amazonasraums. Im Bereich San Felipe am Río Negro werden jährlich etwa 3.500 bis 4.000 mm Niederschlag erreicht, in Puerto Inírida etwa 3.000 bis 3.500 mm. Die Jahresmitteltemperatur beträgt rund 26 °C, mit geringen jahreszeitlichen Schwankungen. Die täglichen Temperaturschwankungen sind dagegen deutlich größer und reichen etwa von 18 bis 38 °C.

Die höchsten Niederschläge fallen zwischen Mai und Juli, während Januar und Februar die trockensten Monate sind. In dieser Zeit kann die Verdunstung den Niederschlag übersteigen, wodurch insbesondere auf sandigen Böden zeitweise Wasserdefizite entstehen. Das Niederschlagsmuster weist ein Maximum während des nördlichen Sommers auf.

Geologie Puinawai liegt auf dem westlichsten freiliegenden Teil des präkambrischen Guayana-Schildes. Es werden vier Landschaftstypen unterschieden, die überwiegend durch Erosions-, Verwitterungs- und Sedimentationsprozesse entstanden sind. Diese umfassen die alluvialen Ebenen, die Abtragungsebenen des Guayana-Schildes, die sedimentären Ebenen sowie die Serranías (Bergzüge). Die Landschaftseinheiten unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihrer Böden als auch ihrer ökologischen Eigenschaften. Die Böden Puinawais sind nährstoffarm und weisen eine geringe natürliche Fruchtbarkeit auf. Dies ist vor allem auf ihren hohen Sandgehalt sowie die intensive Auswaschung und den Materialabtransport durch die wasserreichen Flüsse zurückzuführen, die den Guayana-Schild in diesem Teil des Amazonasbeckens durchqueren.

Hydrographie mini|Rio Inírida (2024) Die Flüsse und Bäche innerhalb des Reservats entwässern in zwei wichtige Flüsse des Landes: den Orinoco und den Amazonas. Die Flüsse Cuiarí, Isana und Guainía münden in das Amazonasbecken, während der Inírida in das Orinocobecken fließt. Darüber hinaus bildet das Reservat eine Übergangszone in einem komplexen Ökoton, in dem Regenwälder und Savannen aufeinandertreffen und sich hinsichtlich Größe und Dichte unterscheiden.

Tier- und Pflanzenwelt Vegetation und Flora Puinawai zeichnet sich vor allem durch einen hohen Anteil an Regenwäldern im südlichen Teil aus, während im nördlichen Teil eher strauchartige Vegetation vorherrscht. Die Kombination dieser beiden Vegetationstypen schafft trotz der relativen Gleichförmigkeit des Geländes eine große Vielfalt an Ökosystemen.

Das Naturschutzgebiet Puinawai verfügt über eine große Pflanzenvielfalt, die zum größten Teil aus dem Amazonasgebiet stammt. In dem Gebiet wurden insgesamt 688 Pflanzenarten identifiziert. Diese verteilen sich auf mehr als 311 Gattungen und 104 Familien. Die Arten gehören zu 1 Familie der Gymnospermen (Nacktsamer), 16 Familien der Monokotyledonen (Einkeimblättrigen), 73 Familien der Dikotyledonen (Zweikeimblättrigen) sowie fünf Gruppen kryptogamer Pflanzen, darunter Pteridophyta (Farne), Lycopodiaceae (Bärlappgewächse), Selaginellaceae, Bryophyten (Moose) und Flechten, die zusammen 14 Familien umfassen.

Die zehn artenreichsten Pflanzenfamilien sind:

Leguminosae (einschließlich Caesalpiniaceae, Fabaceae und Mimosaceae) mit 71 Arten (11 % aller Arten), Rubiaceae mit 51 Arten (7,4 %) Melastomataceae mit 36 Arten (5,2 %) Myrtaceae mit 33 Arten (4,8 %) Sapotaceae mit 25 Arten (3,6 %) Annonaceae mit 20 Arten (2,9 %) Apocynaceae, Clusiaceae und Lauraceae mit jeweils 18 Arten (2,8 %) Arecaceae mit 16 Arten (2,4 %)

Fauna Der Park beherbergt eine große Vielfalt an Vogel-, Säugetier-, Fisch- und Insektenarten. Insgesamt wurden 90 Arten von Vögeln erfasst. Zu den Säugetieren gehören u. a. Fledermäuse, Tapir, Hirsche, verschiedene Primaten, Beutelratten, Riesenotter und Amazonasdelfin.

Geschichte Die Verwaltung des Schutzgebiets durchlief vier Phasen: 1989–2001 zunächst mit geringer Präsenz vor Ort und anschließend mit einer aktiveren und kooperativeren Verwaltung in Zusammenarbeit mit indigenen Gemeinschaften und anderen Institutionen (2001–2012). Zwischen 2012 und 2014 kam es aufgrund von Sicherheitsbedrohungen für das Personal zu einer Phase ohne Präsenz der Nationalparkverwaltung im Reservat und seiner Umgebung. Die Region war in dieser Zeit unter anderem durch illegale Bergbauaktivitäten und die Präsenz bewaffneter Gruppen belastet. Darauf folgte ab 2016 ein Wiederbelebungsprozess, in dessen Rahmen Arbeitsvereinbarungen mit den indigenen Gemeinschaften sowie eine interinstitutionelle Koordination mit den regionalen Behörden erzielt wurden, um die territoriale Verwaltung und den Naturschutz in dem Gebiet zu stärken.

Illegaler Bergbau mini|Umweltschäden durch illegalen Bergbau in Pana Pana (2015) Nach einer 2024 veröffentlichten geospatialen Untersuchung von Mongabay Latam gingen innerhalb des Schutzgebiets bis 2022 rund 93 Hektar Wald durch illegalen Bergbau verloren. Insgesamt wurden für Kolumbien bis 2022 rund 106 Hektar durch illegalen Bergbau verursachter Waldverlust innerhalb von Schutzgebieten ermittelt. Die Bergbauaktivitäten betreffen insbesondere die Gewinnung von Gold und Coltan und führen zu schweren Umweltschäden. Die Verwaltung des Schutzgebiets wird durch die geringe staatliche Präsenz und die Sicherheitslage erschwert; Mitarbeiter der kolumbianischen Nationalparkverwaltung mussten wegen Bedrohungen durch illegale Bergleute zeitweise aus Puinawai abgezogen werden. Der illegale Bergbau wird durch die Guerillabewegungen FARC und ELN betrieben und findet vor allem an den Randgebieten des Naturreservats entlang der Flüsse Guainía und Inírida statt. Im Jahr 2022 wurden 3,5 Tonnen Coltan beschlagnahmt.

Literatur Puinawai y Nukak: Caracterización ecológica general de dos reservas naturales de la amazonía colombiana; Andrés Etter, IDEADE, Bogotá, 2001 (spanisch).

Weblinks Parques nacionales naturales de Colombia - R.N.N. Puinawai (spanisch) Colparques - R.N.N. Puinawai (spanisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Nationalpark in Kolumbien Kategorie:Amazonas Kategorie:Geographie (Departamento de Guainía) Kategorie:Schutzgebietsgründung 1989 Kategorie:Grenze zwischen Brasilien und Kolumbien