Die Andy Warhol Foundation for the Visual Arts ist eine gemeinnützige US-amerikanische Stiftung mit Sitz in New York City. Sie wurde 1987 nach dem Tod des Pop-Art-Künstlers Andy Warhol auf Grundlage seines Testaments errichtet. Die Stiftung verwaltet den Nachlass des Künstlers und fördert zeitgenössische bildende Kunst durch Fördermittel, Ausstellungen, Publikationen und weitere Initiativen mit einem Schwerpunkt auf experimentellen und innovativen künstlerischen Ausdrucksformen.

Die Stiftung zählt zu den größten Förderorganisationen für bildende Kunst in den Vereinigten Staaten. Sie betreut zudem die Herausgabe des Werkverzeichnisses The Andy Warhol Catalogue Raisonné und hat dem Andy Warhol Museum in Pittsburgh mehrere tausend Werke Warhols übereignet.

Geschichte Andy Warhols Testament sah vor, dass sein gesamter Nachlass, abgesehen von kleineren Vermächtnissen an seinen Geschäftsmanager Fred Hughes und seine beiden Brüder John und Paul Warhola, für die Errichtung einer Stiftung zur Förderung der bildenden Kunst verwendet werden sollte. Nach seinem Tod im Februar 1987 wurde die Andy Warhol Foundation for the Visual Arts gegründet, um Warhols Nachlass zu verwalten und innovative künstlerische Ausdrucksformen sowie den kreativen Prozess zu fördern, insbesondere herausfordernde und experimentelle Kunst.

1988 versteigerte Sotheby’s über einen Zeitraum von zehn Tagen Objekte aus Warhols privater Sammlung und erzielte dabei rund 25,3 Millionen US-Dollar zugunsten der Stiftung.

1995 richtete die Stiftung das Andy Warhol Art Authentication Board ein, ein Gremium zur Prüfung und Feststellung der Echtheit von Werken, die Warhol zugeschrieben werden. Das Gremium wurde Gegenstand mehrerer Klagen von Sammlern, die seine Entscheidungen anfochten. Obwohl die Stiftung in den Verfahren obsiegte, beliefen sich die Prozesskosten Berichten zufolge auf insgesamt rund 10 Millionen US-Dollar. 2012 wurde das Gremium aufgelöst. Stiftungspräsident Joel Wachs erklärte, die Entscheidung ermögliche es der Organisation, ihre Mittel auf die Unterstützung von Künstlern statt auf Rechtsstreitigkeiten zu konzentrieren.

Aktivitäten Die Andy Warhol Foundation unterstützt Museen, Kunstorganisationen, Kuratoren und Künstler in den Vereinigten Staaten und international durch Fördermittel. Sie gilt als einer der größten privaten Förderer zeitgenössischer bildender Kunst in den Vereinigten Staaten.

Zum 20-jährigen Bestehen veröffentlichte die Stiftung 2007 einen dreibändigen Bericht, der ihre Geschichte, Förderungen, Ausstellungen und Nachlassprogramme dokumentiert: Vol. I, 1987–2007, Vol. II, Grants & Exhibitions und Vol. III, Legacy Program.

Die Stiftung hat dem Andy Warhol Museum in Pittsburgh, das die weltweit größte Sammlung von Warhols Kunstwerken und Archivmaterialien beherbergt, mehr als 3000 Kunstwerke und Archivalien übereignet.

Werkverzeichnisse Die Andy Warhol Foundation betreut die Herausgabe von The Andy Warhol Catalogue Raisonné: Paintings, Sculptures, and Drawings, einem mehrbändigen wissenschaftlichen Werkverzeichnis, das Warhols Gemälde und Skulpturen dokumentiert. Das Projekt wurde 1977 noch zu Lebzeiten Warhols von dem Schweizer Kunsthändler Thomas Ammann initiiert. Nach Ammanns Tod im Jahr 1993 führte seine Schwester Doris Ammann das Projekt in Zusammenarbeit mit der Andy Warhol Foundation und dem Verlag Phaidon Press fort. 2002 erschien der Band Paintings and Sculptures 1961–1963, 2004 folgte Paintings and Sculptures 1964–1969. Seitdem hat die Stiftung die Verantwortung für das Werkverzeichnis vollständig übernommen und setzt die Veröffentlichung weiterer Bände gemeinsam mit Phaidon fort. Der sechste Band erschien 2024; ein siebter ist in Vorbereitung, drei weitere Bände zu Warhols Werk der 1980er Jahre sind geplant.

Bisher erschienene und angekündigte Bände:

Volume 1: Paintings and Sculpture 1961–1963 Volume 2: Paintings and Sculptures 1964–1969 Volume 3: Paintings and Sculptures 1970–1974 Volume 4: Paintings late 1974–1976 Volume 5: Paintings 1976–1978 Volume 6: Paintings and Sculptures mid-1977–1980 Volume 7: Paintings late 1979–1981

Darüber hinaus hat die Stiftung mehrere bedeutende Warhol-Referenzwerke finanziell unterstützt, darunter Andy Warhol Prints: A Catalogue Raisonné 1962–1987 (2003), Andy Warhol Screen Tests: The Films of Andy Warhol Catalogue Raisonné, Volume 1 (2006) und The Films of Andy Warhol Catalogue Raisonné: Volume 2, 1963–1965 (2021).

Urheberrecht und Bildrechte Die Artists Rights Society vertritt die Andy Warhol Foundation in den Vereinigten Staaten urheberrechtlich für die meisten Werke Warhols. Die Rechte an Standbildern aus Warhols Filmen verwaltet das Andy Warhol Museum.

Darüber hinaus hat die Stiftung Vereinbarungen über die Lizenzierung von Warhol-Bildmaterial und Archivalien getroffen. Digitale Abbildungen wurden über Vereinbarungen mit Corbis verwaltet, Diapositive über die Agentur Art Resource.

Rechtsstreit Andy Warhol Foundation v. Goldsmith Die Stiftung war Partei des Verfahrens Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. v. Goldsmith vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, in dem es um die urheberrechtliche Doktrin des Fair Use ging. Ausgangspunkt des Rechtsstreits waren Warhols Siebdruck-Porträts des Musikers Prince aus dem Jahr 1984, die auf einer 1981 entstandenen Fotografie der Fotografin Lynn Goldsmith basierten.

Nach dem Tod von Prince im Jahr 2016 lizenzierte die Stiftung eines von Warhols Prince-Porträts an das Magazin Vanity Fair für das Titelbild einer Gedenkausgabe. Goldsmith machte daraufhin geltend, dass diese Nutzung ihr Urheberrecht verletze. Die Stiftung erhob eine Feststellungsklage mit dem Ziel, Warhols Werke als Fair Use einstufen zu lassen; Goldsmith erhob Widerklage wegen Urheberrechtsverletzung.

2019 entschied der United States District Court for the Southern District of New York zugunsten der Stiftung und stufte Warhols Werke als transformativ und damit als Fair Use ein. Diese Entscheidung hob der United States Court of Appeals for the Second Circuit 2021 auf: Die Werke seien nicht hinreichend transformativ, um unter den Fair-Use-Schutz zu fallen.

Am 18. Mai 2023 entschied der Oberste Gerichtshof mit sieben zu zwei Stimmen gegen die Stiftung. Die kommerzielle Lizenzierung von Warhols Bild an ein Magazin sei kein Fair Use, da sie im Wesentlichen denselben kommerziellen Zweck verfolge wie Goldsmiths Originalfotografie. Das Urteil wurde weithin als richtungsweisend für die Appropriation Art und die Anwendung des Fair-Use-Prinzips in der zeitgenössischen Kunst angesehen.

Weblinks warholfoundation.org – offizielle Website der Stiftung (englisch)

Einzelnachweise

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