Ein kurzer Urlaub (Originaltitel Una breve vacanza) ist ein italienischer Spielfilm aus dem Jahr 1973. Es ist der vorletzte Film, den Vittorio De Sica gedreht hat. Thematisch schließt der Film an De Sicas frühe Sozialdramen an.

Handlung Clara Mataro ist eine Mailänder Fabrikarbeiterin. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder. Ihr Ehemann ist Sizilianer, ein Tyrann und Choleriker, der massiv seine patriarchalen Vorstellungen in seiner Familie durchzudrücken versucht. Unterstützt wird er von seiner Mutter und seinem Bruder, die Clara unter ständiger Kontrolle halten. Nachdem Clara während ihrer Schicht zusammengebrochen ist, wird bei ihr eine Tuberkulose diagnostiziert. Gegen den Willen der Familie nimmt sie ein Angebot ihrer Firma für einen von der Krankenkasse finanzierten Sanatoriumsaufenthalt an.

Als der Ehemann sie in der Klinik besucht, muss er entdecken, dass seine Frau dort lesen gelernt hat. Dank der Ruhe und der guten Pflege blüht sie auf. Ihre Mitpatientinnen sagen ihr, wie hübsch sie eigentlich ist. Sie solle etwas für ihre Haare, ihre Fingernägel, ihre Körperhaltung tun, und Clara entwickelt ein neues Selbstbewusstsein. Als sie sich in einen Mitpatienten, einen jungen Fabrikarbeiter aus Mailand, verliebt, wird ihr der Gedanke, wieder in ihr elendes Leben zurückzukehren, immer unerträglicher. Der junge Mann versucht, sie zu einer Flucht nach Deutschland zu überreden, um von dort aus die Scheidung einzureichen. Wie sie sich entscheiden wird, lässt der Film offen. mini|Bormio und das ehemalige Sanatorio Eugenio Morelli

Produktion und Veröffentlichung Am Drehbuch des Films waren außer De Sicas langjährigem Drehbuchschreiber Cesare Zavattini die Autoren Rafael J. Salvia und Rodolfo Sonego beteiligt. Kameramann war Ennio Guarnieri, mit dem De Sica erstmals 1970 in seinem Oscar-gekrönten Spielfilm Der Garten der Finzi Contini zusammengearbeitet hat.

Der Film wurde im November 1972 in Mailand, in Soldano im Ospedale Eugenio Morelli und in Bormio auf der Piazza Cavour gedreht.Una breva vacanze, 1973 davinotti.com, abgerufen am 22. Juli 2026

Premiere in Italien war am 28. Juli 1973 auf dem Taormina Filmfestival, Premiere in Westdeutschland am 17. Oktober 1975. 2003 veröffentlichte Home Vision Entertainment eine DVD in italienischer Sprache mit englischen Untertiteln.

Rezeption Der Film gewann 5 Filmpreise und wurde für einen weiteren nominiert.

2025 gab es anlässlich der Triennale di Milano im polnischen Pavillon eine Ausstellung unter dem Titel A Brief Vacation, die von Katarzyna Roj kuratiert wurde, und die u. a. von De Sicas Film inspiriert wurde.'A Brief Vacation': Polish Pavilion at the 24th Triennale Milano International Exhibition culture.pl, abgerufen am 23. Juli 2026 2026 wurde die Ausstellung unter demselben Titel, aber in einer modifizierten Fassung in Berlin in der Galerie des Polish Institute gezeigt.Marta Sadurska: “A Brief Vacation” exhibition returns in a new Berlin edition Adam Mickiewicz Institute, 11. März 2026, abgerufen am 23. Juli 2026

Kritik Das Filmportal Cinema schreibt zu dem Film, ein Jahr vor seinem Tod kehre Vittorio De Sica hier zu seinen Wurzeln, dem neorealistischen Kino, zurück und gibt dem Film fünf Sterne. „Bolkans anrührende Darstellung und die sichere Hand des Altmeisters sorgen dafür, dass aus dieser Geschichte einer Selbstfindung kein Sozialkitsch wird, sondern ein von Sympathie und Mitgefühl getragenes Porträt einer von der Gesellschaft benachteiligten Frau.“Ein kurzer Urlaub cinema.de, abgerufen am 22. Juli 2026

Auch Roger Ebert schreibt 1975 in seiner ausführlichen Filmkritik, De Sica kehre in seinem „letzten Film“ zu seinen Anfängen mit Themen der Arbeiterklasse zurück. Er nennt den Film „A Woman’s Picture“' der neuen Art, ein Film über Frauen, und zwar nicht im Sinne aktueller Frauenfilme, sondern über Frauen, die ihren eigenen Weg gehen und ihre eigenen Fehler machen. Auf Claras Kur reagiere die Familie gemein und neidisch, unausgesprochen der Subtext „ihre Plicht als Mutter und Ehefrau [ist es] in Mailand zu bleiben und zu sterben“. „De Sica […] war einer der großen Regisseure des italienische Nachkriegs-Neorealismus, der einen lautstarken und fundamentalen Bruch mit dem Hollywood-Kino bedeutete, und vom dem Leben handelte, wie es außerhalb der Filmstudions(sound stages) existiert.“A Brief Vacation Rogerebert.com, 1. Januar 1975, abgerufen am 23. Juli 2026

Literatur Stanley Kauffmann: Films: "A Brief Vacation", in: The New Republic, Vol. 172, Nr. 10, 8. März 1975. S. 22.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1973 Kategorie:Italienischer Film Kategorie:Spanischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Milieustudie (Film)