mini| Ein Strauchroder, auch Strauchzwinge genannt, ist ein Forstwerkzeug zum manuellen Roden von kleinen Sträuchern und Bäumen. Es wird überwiegend im Naturschutz und in der Landschaftspflege eingesetzt, um tiefwurzelnde invasive Gehölze mit starkem Stockausschlagsvermögen mitsamt ihren Wurzeln aus dem Boden zu hebeln. Auch zur Biotoppflege von Offenlandschaften kann es angewandt werden.

Bauweise und Wirkprinzip Ein Strauchroder wird aus Stahl hergestellt und funktioniert nach dem physikalischen Prinzip eines Winkelhebels: Der kurze Lastarm greift mit zwei parallelen Backen die Sprossachse des zu rodenden Gehölzes an ihrem unteren Ende direkt über dem Erdboden. Der Kraftarm hat je nach Hersteller und Modell eine Länge zwischen 1,1 m und 1,6 m (typisch 1,3 m); das Hebelverhältnis beträgt üblicherweise etwa 8:1. Der maximal greifbare Stammdurchmesser liegt je nach Modell meistens zwischen 3 und 6 Zentimetern, wobei die Backenöffnung bei einigen Modellen stufenweise einstellbar ist oder sich ansonsten automatisch an den jeweiligen Stammdurchmesser anpasst.

Drehpunkt im Sinne des Hebelgesetzes ist der Auflagepunkt des Strauchroders auf dem Erdboden. Damit das Werkzeug bestmöglich seine Wirksamkeit entfalten kann, sorgen eine Querstange oder eine Grundplatte für die nötige Abstützung auf dem Erdboden; teilweise bieten die Hersteller Zubehörteile als zusätzliche Sicherung gegen Einsinken und Verkanten an.

Geschichte Als Erfinder des Strauchroders gilt Tom Ness, der 1988 bei seiner Arbeit in einem Habitat-Renaturierungsteam in der kalifornischen Golden Gate National Recreation Area beobachtete, wie mühevoll die Teammitglieder invasive Gehölze ausrodeten. Er ersann daraufhin ein manuell zu bedienendes Rodungswerkzeug und brachte nach Tests verschiedener Versuchsmodelle im August 1988 ein Prototypenmodell erfolgreich in den Praxiseinsatz, das er „Weed Wrench“ (engl. für Unkraut und Maulschlüssel) nannte, sich patentieren und als Wortmarke schützen ließ. Er baute dazu eine Manufaktur-Fertigung auf, und Ende 1989 waren USA-weit bereits über 100 Exemplare seines Werkzeugs im Einsatz.

Jahrelang versorgte Tom Ness mit seiner Weed Wrench Company Naturschützer, Forstämter und Freiwilligenteams in ganz Nordamerika mit „Weed Wrenches“; der Produktname entwickelte sich dabei schnell zu einem Deonym. 2014 übernahm Curtis Pearce den Geschäftsbetrieb, der zuvor drei Jahre Mitarbeiter in der Weed Wrench Company war. Curtis Pearce verbesserte das Werkzeug in einigen Details und brachte es 2014 unter dem Namen „Uprooter“ auf den Markt, das ebenfalls marken- und patentrechtlich geschützt ist; mittlerweile wird es aber auch wieder unter dem traditionellen Namen vertrieben.

Seit den 1990er-Jahren gehören Strauchroder in Nordamerika zur Standardausrüstung zahlreicher Naturschutzinitiativen und Forstdienststellen. In den USA können sich Privatleute mit sporadischem Nutzungsbedarf die Werkzeuge häufig kostenlos oder gegen eine geringe Kaution z. B. bei den lokalen Service-Centern des Natural Resources Conservation Service (NRCS), in gemeinnützigen oder kommunalen Werkzeugbibliotheken (Tool Lending Libraries) oder in Agrar-Beratungsstellen der Universitäten (Cooperative Extension Offices) ausleihen.

Der große Erfolg dieser Modelle in den USA führte dazu, dass in verschiedenen anderen Ländern sehr ähnliche Strauchroder entwickelt wurden. Aktuell sind insbesondere die folgenden Marken, Modelle und Hersteller bekannt: Kanada: „Extractigator“ (Exclusive Mechanical Systems Ltd.) Kanada: „Pullerbear“ (ProQuo Services Canada Ltd.) Südafrika: „TreePopper“ des gleichnamigen Herstellers; vielfach auch in Australien, Neuseeland sowie in den USA im Einsatz Schweden: „Slydragare“ (Byström) Frankreich: Modelle in drei Größen ohne spezielle Modellnamen (Terrateck) Deutschland: „TreeXtractor“ (tradinio GmbH, sensenwerk.de)

Beschaffung, Ausleihe Alle zuvor genannten Modelle funktionieren nach demselben physikalischen Prinzip, unterscheiden sich aber in ihren mechanischen Abmessungen und insbesondere in der Ausgestaltung und Funktionsweise des Werkzeugfußes, sodass es deutliche Unterschiede beim Greifen des Gehölzstammes gibt. Bei einigen Modellen lässt sich auch der Antriebsarm für einen leichteren Transport knicken oder sein „Anstellwinkel“ zum Lastarm variieren.

Strauchroder gehören damit zu den Werkzeugen, die sich im Hinblick auf Gebrauchstauglichkeit für den individuellen Verwendungszweck nur schwerlich nach Kataloginformationen auswählen lassen. Da sie ein ausgesprochenes Nischenprodukt darstellen, sind keine herstellerunabhängigen Produktvergleiche durch die klassischen Warentest-Institutionen verfügbar und auch nicht erwartbar. Auch von Forstverwaltungen oder Prüfeinrichtungen wie dem Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) sind derzeit keine Tests und Vergleiche bekannt. Bei den im Internet auffindbaren Webseiten und Videos mit rudimentären Vergleichen handelt es sich in der Regel um vergleichende Werbung von Herstellern.

Wer mit Leihmodellen auf eine eigene Anschaffung verzichten oder eine Kaufentscheidung durch persönliche praktische Erprobungen absichern möchte, findet innerhalb des deutschsprachigen Raums in der Schweiz die besten Bedingungen vor: Zahlreiche Kantone, Forstbehörden und Kommunen bieten Strauchroder zur (meist kostenlosen) Ausleihe an. Fast alle vorhergehend genannten Modelle sind zumindest über internationalen Versand auch im deutschsprachigen Raum erhältlich.

Anwendung Hersteller und Erfahrungsberichte von Anwendern empfehlen übereinstimmend den Einsatz von Strauchrodern bei sehr gut durchgefeuchtetem, aber oberflächlich abgetrocknetem Boden, da die Wurzeln der Gehölze dann am besten „loslassen“. Andererseits drücken sich die Werkzeugfüße bei solchen Bodenverhältnissen aber auch leichter ein als bei trockenen Böden, denn sie leiten bei jedem Rodungsvorgang ungefähr die achtfache Kraft des Anwenders über eine modellabhängig mehr oder minder große Stützfläche auf den Boden ab. Vielen Erfahrungsberichten kann daher der Ratschlag entnommen werden, dass für ein effizientes Arbeiten ggf. zum Modell angebotene Zubehörteile des Herstellers zur Vergrößerung der Abstützfläche in Anspruch genommen werden sollten. Vielfach wird auch empfohlen, durch ein untergelegtes Brett die Flächenpressung besser zu verteilen.

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