Chung Do Kwan (koreanisch ) auch Tang Soo Do Cheongdogwan (kor. Hanja ) ist eine der fünf ursprünglichen Kwans (Kampfsportschulen, auch Kampfkunstschulen) des Taekwondo in Korea, die 1944 von Lee Won-Guk () gegründet wurde. Chung Do bedeutet „Blaue Wellen“ und symbolisiert die Kraft des Wassers, die, wenn sie auf eine lebende oder leblose Form auf der Erde trifft, siegreich hervorgeht. Chung Do Kwan lehrt Tang Soo Doo und Taekwondo.

Chung Do Kwan existiert bis heute in Korea als eine Art Bruderschaft fort, die das Kukkiwon-Kampfsportsystem befürwortet und World Taekwondo unterstützt.

Geschichte Der Koreaner Lee Won-Guk zog 1926 im Alter von 19 Jahren nach Japan. Dort studierte er Jura an der Chūō-Universität in Tokio und trainierte gemeinsam mit Ro Byung-Jik, dem späteren Gründer der Song Moo Kwan bei Funakoshi Gichin, welcher das Shōtōkan Karate lehrte.

Nach seiner Rückkehr aus Japan versuchte er eine Kampfkunstschule zu gründen, bekam aber eine Absage. Erst der dritte Versuch war dank seiner guten Beziehungen zu Abe Nobuyuki, dem japanischen Generalgouverneur von Korea (jap. Chōsen Sōtokufu) erfolgreich. Der Nachweis, dass er den 4. Dan bei Funakoshi Gichin erworben hatte, half ihm dabei. So eröffnete er im September 1944 das „Tang Soo Do Cheong Do Kwan“ in einem Saal der Young Shin High School (영신고등학교) in Seoul, Südkorea.

Aufgrund seines juristischen Hintergrunds wurde Lee Won-Guk als Ausbilder an die koreanische Polizeiakademie berufen, und viele seiner ersten Schüler waren Polizisten. Viele Mitglieder des Chung Do Kwan sagten, dass das Chung Do Kwan als das „Polizei-Kwan“ galt. Lee bekleidete eindeutig zumindest eine untergeordnete Regierungsfunktion und hatte einen Rang inne, der dem eines Oberst bei der Polizei der koreanischen Provinzregierung entsprach. Der zweite Kwanjang (Leiter) war Son Deok-Seong (auch Son Duk-sung). Son gehörte zur ersten Schülergeneration des Chung Do Kwan und fungierte als Cheftrainer der koreanischen Armee.

Nach seiner Wahl im Jahre 1948 bot Präsident Rhee Syng-man Lee Won-Guk das Amt des Innenministers an. Doch dieser lehnte höflich ab. So wurden Lee Won-Guk und Son Deok-Seong, verhaftet. 3 Monate vor Beginn des Koreakrieges (25. Juni 1950) wurden beide wieder freigelassen. Während der Invasion floh Lee Won-Guk zusammen mit seiner Familie zunächst gemeinsam mit Son Deok-Seong nach Busan und setzte von dort aus mit der Fähre nach Shimonoseki (Japan) über. Während Son Deok-Seong in Busan blieb.

Vor seiner Abreise ernannte Lee Won-Guk seinen Schüler Yoo Ung-Jun zu seinem Nachfolger. Yoo Ung-Jun sympathisierte jedoch mit Nordkorea, sodass diesem die Leitung wieder genommen wurde. Lee Won-Guk wollte daraufhin Choi Hong-Hi, welcher zu der Zeit die Offiziersschule in Busan besuchte, als neuen Kwanjang – „Leiter einer Kampfkunstschule“. Da Choi Militäroffizier war, durfte er keine zivilen Positionen bekleiden und konnte somit nicht – wie von Lee erhofft – die Leitung des Chung Do Kwan übernehmen. Stattdessen schlug Choi vor, Son Deok-Seong, der sich gemeinsam mit ihm in Busan aufhielt, mit der Führung des Chung Do Kwan zu betrauen, Lee stimmte dem zu und somit wurde 1951 Son Deok-Seong der neue Kwanjang.

Während des Krieges beschlossen einige Kampfkunst-Vertreter, die in der provisorischen Hauptstadt Busan Zuflucht gesucht hatten, sich in einem Verband zu organisieren. So wurde am 25. Mai 1953 die Korean Kong Soo Do Association in Busan aus 5 Kwans (Song Moo Kwan, Chung Do Kwan, Yun Moo Kwan/Ji Do Kwan, Chang Moo Kwan und Moo Duk Kwan) gegründet. Doch nach einem Monat verließen Moo Duk Kwan und Chung Do Kwan den Verband und dieser löste sich wieder auf.

Am 11. April 1955 wurde der Name „Taekwon-Do“ der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Damit wurden die bis dahin gebräuchlichen Namen zu einem einzigen Namen, Taekwondo, vereinigt.

Son Deok-Seong entwickelte das Chung Do Kwan sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich weiter. Aufgrund von Konflikten mit seinen Schülern, und Choi Hong-hi, wird er jedoch von der Gründung des Koreanischen Taekwondo-Verbandes ausgeschlossen und zieht wegen politischen Spannungen 1963 in die USA

Im Jahr 1959 folgte diesem Uhm Woon-Kyu (auch Eom Un-Gyu) als Präsident des Chung Do Kwan.

Am 3. September 1959 fand im Konferenzraum der Korean Amateur Sports Association (KASA) die Gründung der Korean Taekwondo Association (KTA) statt, in der alle 9 Kwans, einschließlich der Chung do Kwan durch Um Woon-Kyu vertreten waren.

Am 5. August 1965 begannen alle Dojangs, den Namen „Taekwondo“ zu verwenden.

Nachdem das Rhee-Regime schließlich von der Regierung unter Park Chung-hee abgelöst worden war, durfte Lee Won-Guk 1968 wieder nach Südkorea einreisen. Anschließend wanderte Lee Won-Guk 1976 auf Bitten von Rhee Joon-Goo in die USA aus.

Im Jahr 1971 erklärte die südkoreanische Regierung Taekwondo offiziell zur koreanischen Nationalsportart.

1972 gründeten die KTA und das südkoreanische Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus das Kukkiwon als neue nationale Akademie für Taekwondo.

Im Jahr 1973 unterstützten die KTA und das Kukkiwon die Gründung der World Taekwondo Federation (WTF), die sich 2017 in „World Taekwondo“ (WT) umbenannte.

Bis 1974 fasste die KTA die damaligen 40 Kwan zu 9 Kwan zusammen.

Am 20. Mai 1976 strich die KTA die Namen der Kwans und ersetzte sie durch Nummern. Am 7. August 1978 gab es folgende Kwans:

Kwan Nr. 1: Song Moo Kwan Kwan Nr. 2: Han Moo Kwan Kwan Nr. 3: Chang Moo Kwan Kwan Nr. 4: Moo Duk Kwan Kwan Nr. 5: Oh Do Kwan Kwan Nr. 6: Kang Duk Won Kwan Nr. 7: Jung Do Kwan Kwan Nr. 8: Ji Do Kwan Kwan Nr. 9: Chung Do Kwan Kwan Nr. 10: Kwan Ri Kwan (administrative Kwan)

Schulen, die aus dem Chung Do Kwan hervorgingen

Kuk Mu Kwan, gegründet am 10. August 1953, Leiter Kang Suh-chong Jung Do Kwan in Seodaemun-gu, Seoul, gegründet 1954, Leiter Lee Yong-woo Chung Ryong Kwan in Gwangju, Leiter Ko Jae-Chun Oh Do Kwan, gegründet Ende 1953, auf dem Stützpunkt der 3. Armee in Yongdae-ri, Inje-gun, Provinz Gangwon-do, Leiter Choi Hong-hi.

Leiter (Kwanjang) des Chung Do Kwan Lee Won-Guk, Gründer und Leiter von 1944 bis kurz vor 25. Juni 1950 (Koreakrieg). Flüchtete mit der Familie nach Japan. 1968 kehrte er zurück, zog aber 1976 mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten. Dort lehrte er bis zu seinem frühen Tod am 2. Februar 2003 Kampfsport und praktizierte Kalligrafie sowie Akupunktur. Yoo Ung-Jun, Leiter vor 25. Juni 1950 bis 1951, führt die Kampfkunst in Nordkorea ein und wird ausgeschlossen. Man hörte nichts mehr von ihm. Son Deok-Seong, Leiter von 1951 bis 1959, zieht wegen politischen Spannungen 1963 in die USA. 1966 gründet er die World Tae Kwon Do Association (WTA) und wird deren Präsident. Am 29. März 2011 verstirbt er im Newport Hospital in Newport, Rhode Island (USA). Uhm Woon-Kyu (auch Eom Un-Gyu), Leiter ab 1959, er war der zweite Präsident des Kukkiwon und Nachfolger von Kim Un-Yong. Im Februar 2011 trat er von seinen Ämtern als Leiter des Chung Do Kwan und Präsident des Kukkiwon zurück und verlieh seinem Schüler Meister Kim Yong Ho (9. Dan) den Titel Kwanjang. Am 10. Juni 2017 verstirbt er in Korea.

Gegenwart Das Chung do Kwan existiert noch heute in Korea und fungiert in der neuen Zeit eher als ein Klub für Brüderlichkeit und Freundschaft. Dan und Gup Graduierungen werden vom Kukkiwon und der World Taekwondo Federation (WTF) voll anerkannt und Graduierungen über diese Verbände auch verliehen, bzw. geprüft.

Es gibt folgende Verbände des Chung do Kwan:

World Taekwondo Chungdokwan Federation (World Chung Do Kwan Association) in Seoul, Präsident GM Park, Hae-Man.

Chung Do Kwan International, Präsident GM Park, Sung-Jae.

Weblinks

Anmerkung Der koreanische Begriff kwanjang (koreanisch , Hanja ) bedeutet wörtlich der „Kwan-Leiter“, also etwa der „Leiter einer Institution oder eines Gebäudes“. Hier in dem Kontext also der „Leiter einer Schule für Kampfkunst“.

Einzelnachweise

Kategorie:Taekwondo (Südkorea) Kategorie:Koreanische Kampfkunst Kategorie:Verbandsgründung 1944