Klaus-Martin Wolf (* 4. Juli 1935 in Burg; † 15. Februar 2019 in Hildesheim) war ein deutscher Schriftsteller, der vor allem als Lyriker und Liedtexter sowie Dramatiker und Fernsehspielautor in der DDR bekannt wurde.

Leben und Wirken Klaus-Martin Wolf war der Sohn einer Lehrerin für Hauswirtschaft und eines Schriftstellers und Feuilletonredakteurs. Bis zu seinem achten Lebensjahr, als der Vater starb, wuchs er in Burg auf.

Nach dem Tod des Vaters zog die hinterbliebene Familie nach Thüringen, wo Klaus Wolf bis zur 10. Klasse verschiedene Internatsschulen besuchte. Anschließend begann er eine Ausbildung an der Seeoffiziersschule in Stralsund, die er 1953 infolge einer schweren Lungenkrankheit verlassen musste. Danach übte er verschiedene Tätigkeiten in Berlin aus, u. a. als Dramaturgieassistent am Maxim Gorki Theater und als Lektoratsassistent beim Militärverlag.

1957/58 studierte Klaus Wolf am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Ab 1958 arbeitete er überwiegend freischaffend, veröffentlichte vor allem journalistische Arbeiten und Gedichte für die Presse sowie Texte für das Kabarett; 1961 erschien sein Roman Marathon ohne Medaille. Seine Einsätze und Mitarbeit in der „sozialistischen Produktion“ verarbeitete er in dem Gedichtzyklus Fragmente aus dem Kesselhaus (abgedruckt in der Zeitschrift Neue deutsche LiteraturFragmente aus dem Kesselhaus. In: Neue deutsche Literatur. Band 16, März 1968 (zotero.org).).

1964 übersiedelte Wolf nach Magdeburg, wo er zunächst als Kulturredakteur und Reporter bei der Magdeburger Volksstimme arbeitete und den Zirkel schreibender Arbeiter des VE Schwermaschinenbaukombinats „Ernst Thälmann“ leitete. 1968 wurde sein Fernsehspiel König Karl (Regie: Gerhard Respondek) im Fernsehen der DDR gesendet; später arbeitete er es zu einer Bühnenfassung um, die 1971 auf den Landesbühnen Sachsen in Radebeul zur Aufführung kam. 1969 hatte sein Stück Lagerfeuer am Hans Otto Theater in Potsdam Premiere (Regie Peter Kupke), 1970 folgte dessen Produktion im Maxim Gorki Theater in Berlin (mit Jutta Hoffmann und Dieter Wien, unter der Regie von Achim Hübner). Seine ursprünglich für das Theater geschriebene Komödie Ostern auf dem Lande wurde 1973 als Fernsehfilm Ich war in Honolulu – wetten? ausgestrahlt (mit Petra Barthel und Henry Hübchen in den Hauptrollen, unter der Regie von Celino Bleiweiß).

1969 trat Klaus Wolf die Nachfolge von Christa Johannsen beim Vorsitz des Schriftstellerverbandes im Bezirk Magdeburg an, bis Martin Selber diesen 1971 übernahm.

Wolf schrieb darüber hinaus Lied- und Chanson-Texte; am engsten arbeitete er mit der Schauspielerin und Sängerin Jessy Rameik zusammen (1978 erschien bei Amiga die LP Herz, mein Herz…, auf der Rameik Lieder mit seinen Texten singt).

Im Frühjahr 1977 wurde das mit dem Komponisten Klaus-Dieter Kopf erschaffene Magdeburger Oratorium uraufgeführt. Es war vom Rat der Stadt in Auftrag gegeben worden, um am Gedenktag der Zerstörung Magdeburgs kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs jährlich wiederaufgeführt zu werden. Nachdem Wolf sich allerdings geweigert hatte, politisch unliebsame Textzeilen zu entfernen, wurde es nach der zweiten Aufführung abgesetzt.

Ab 1980 verschwand Wolf zunehmend aus dem öffentlichen literarischen Leben der DDR (nach eigener Darstellung „mundtot“), floh in ein Dorf in der Magdeburger Börde, lebte von Gemüseanbau, Schafzucht und der Mitarbeit an DEFA-Synchronisationen (hier verfasste er ca. 30 Film-Dialoge). Dass dieses Verschwinden auf Maßnahmen des DDR-Staatssicherheitsdienstes zurückzuführen war (nachdem er eine kurzzeitige Zusammenarbeit als „Gesellschaftlicher Mitarbeiter Sicherheit“ 1976 beendet hatte), erfuhr er Ende der 1990er Jahre durch Akteneinsicht beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU). Die dabei gewonnenen Erkenntnisse über die Strukturen und Arbeitsweisen des DDR-Staatssicherheitsdienstes und die Konsequenzen für seine schriftstellerische Arbeit verarbeitete er in dem Text Das Komplott.

Ab Mitte der 1990er Jahre lebte Wolf in Hildesheim und arbeitete eng mit Göttinger Autoren und der Göttinger Literarischen Gesellschaft zusammen, u. a. an einer Anthologie mit polnischen Schriftstellern der Partnerstadt Toruń.

Bis zu seinem Tod, der 2019 einer langjährigen Krankheit folgte, arbeitete er an Romanen, Erzählungen, Gedichten und Essays. Sein Nachlass, der neben den publizierten Werken die unveröffentlichten Texte enthält, ist im Literaturhaus Magdeburg einzusehen.

Auszeichnungen

1971: Erich-Weinert-Preis der Stadt Magdeburg 1969: Förderpreis für Gegenwartsdramatik des Ministeriums für Kultur der DDR 1986: Literaturpreis des Albert-Schweitzer-Komitees der DDR (für die Novelle Katschmarek im Kosmos)

Werke/Schriften

Epische und dramatische Texte

Marathon ohne Medaille. Roman, Sportverlag Berlin, 1961 und Verlag Neues Leben Berlin, 1963. König Karl. Fernsehspiel 1968, Schauspiel 1971. Lagerfeuer. Schauspiel 1969. Ich war in Honolulu – wetten? Fernsehfilm 1973. Magdeburger Oratorium. Komposition: Klaus-Dieter Kopf, 1977.

Lyrik und Liedtexte

Hoffnung. In: Deutsche Liebesgedichte von Walther von der Vogelweide bis zur Gegenwart. Verlag neues Leben Berlin, 1964. Fragmente aus dem Kesselhaus. In: Neue deutsche Literatur. Band 16, 3/1968, S. 13–24, und im Almanach Manuskripte. Mitteldeutscher Verlag Halle. Lehre, Der alte Franz, Zur Frühschicht. In: Lyrik der DDR (zusammengestellt von Uwe Berger und Günther Deicke), Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1974, S. 344–345. Kalenderlied, Liebeserklärung, Solange du lebst. In: Neue deutsche Literatur 3/69, S. 74–77. Gute Nacht nun, mein Kind. Komposition Johannes Brahms (LP Herz, mein Herz… mit Jessy Rameik, Amiga, 1978). Das ist kein Leben. Komposition und Text J. Revaux, C. Francois, deutscher Text: Klaus Wolf (LP Herz, mein Herz… mit Jessy Rameik, Amiga, 1978). Vormittagsmonolog. Komposition: Henry Krtschil (LP Herz, mein Herz…, Amiga mit Jessy Rameik, 1978). Am Tag nach dem Konzert. Komposition: Manfred Nitschke (LP Herz, mein Herz… mit Jessy Rameik, Amiga, 1978). Lied vom Haben und Sein. Komposition: Peter Gotthardt, 1987. Lied von der alten Erwartung. Komposition: Peter Gotthardt, 1989.

Essays

Überlegungen zu den Möglichkeiten sozialistischer Dramatik der Gegenwart. In: Theater der Zeit 9/69, S. 34–38. Städte und Stationen. In: Neue deutsche Literatur. 10/1969, S. 97–106. Pometheus an jeder Geige. Notizen zur Verständigung über einige Möglichkeiten der Poesie auf dem sozialistischen Theater. In: Theater der Zeit. 4/1970, S. 43–47. Theater über Theater. In: Neue deutsche Literatur. 6/1970, S. 65–77.

Unveröffentlichte Texte (Auswahl) Gedichtsammlungen

Blätter von den Tagebüchern. Autobiographische Gedichte, 2017. Liederpostille. Für Leute, Kinder, Schauspielerinnen. 2018.

Dramatische Texte

Haderlump Ostern auf dem Lande Legende Trapp. Tragödie, letzter Akt unvollendet.

Novellen, Romane

Wechselfälle des Trotzes. Vom Leben eines Schriftstellers in der DDR. Roman, 2019. Geschichte eines längst verlorenen Tages. Fragment, 2009. Rose von Magdeburg. Chronik einer Ersten Liebe. Vers-Erzählung, 2013. Das Komplott. Erfahrungen mit dem geheimen Staatssicherheitsdienst gegen Literatur und Volk der DDR. Ein Abriss mit dokumentarischen Erzählungen, 2016. Ania Motylka. Novelle einer Liebe in Warszawa, Kraków und Ost-Berlin, Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, 2014. Wendungen. Bilder aus dem intellektuellen Heldenleben. Erzählungen aus den zwei deutschen Staaten, 1975 bis 1995: Vor Wende: Die Exkursion; Katschmarek im Kosmos; Geschichte von der Straße; Staub und Welt; Männergeschichte; Kasperltheater; Makrelen, Bananen Nach Wende: Juli 90; Besichtigung der Eingeweide; Dame mit Araber; Untergrund Kindheit. Romanfragment, 2019.

Essays

Der schwarze Schwan. Skizzen vom Leben der Dichterin Else Lasker-Schüler. Fragment, 1999. Form ist Wollust (Ernst Stadler). Briefe und Konspekte zum Gespräch über Inhaltsformen der epischen, dramatischen, lyrischen Poesie. Aus dem „Göttinger Poetik-Seminar“ 2000–2005. Zöglingsreport. Geschichte und Geschichten der deutschen Geistesbildung. FRAGMENTE: Damen und Herren Internatsschüler. Klassische Wurzeln der deutschen Bildungsnot. Goethes Schwebe zwischen Idealität und Realität (Einige Klarstellungen zur Wirkweise der deutschen Klassik; Zwielicht – Goethes Ankunft in Weimar; Iphigenie und Rekrutierung; Die Stein, der Stern. Goethes Steigbügelhalterin; Der Dichter als Erzieher – Ideal und Tatbestand); Die gespaltene Generation. Empfehlungen einer „Bibliothek der Eltern und Erzieher“.

Literatur

Günter Albrecht, Kurt Böttcher, Herbert Greiner-Mai, Paul Günther Krohn: Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 2: L–Z. 3. Auflage, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1975, S. 483. Wolf, Klaus-Martin. In: Deutsches Literatur-Lexikon, Biographisch-bibliographisches Handbuch. Begründet von Wilhelm Kosch. Band 35: Wolf–Worbs. 3. Auflage, Verlag De Gruyter, Berlin 2015, Sp. 211–212. Horst Haase, Hans Jürgen Geerdts, Erich Kühne, Walter Pallus (Hrsg.): Geschichte der deutschen Literatur. Band 11: Literatur der Deutschen Demokratischen Republik. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 1977, ISBN 3-06-102733-5, S. 685–686, 826, 856. Kürschners Deutscher Literaturkalender. Band 62, Teilband 2: R–Z, Anhänge. K. G. Saur Verlag, München / Leipzig 2001, ISBN 3-598-23582-8, S. 1214.

Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Person (Magdeburg) Kategorie:Lyrik Kategorie:Chanson Kategorie:Drehbuch Kategorie:Novelle Kategorie:Erzählung Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1935 Kategorie:Gestorben 2019 Kategorie:Mann