Karl Ostertag (1. Oktober 1903 in Ulm – 26. Dezember 1979 in München) war ein deutscher Opernsänger der Stimmlage Tenor.
Leben und Karriere Karl Ostertag absolvierte sein Gesangsstudium bei Anna Henneberg in München. Er begann seine Bühnenlaufbahn in der Spielzeit 1928/29 mit einem zweijährigen Erstengagement am Landestheater Neustrelitz.Karl Ostertag. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1929. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 40. Jg., Berlin 1929, S. 555 und S. 836 (Register). Es folgten Engagements am Opernhaus Zürich (1930–1932) und am Stadttheater Bremen (1932–1936).
1936Karl Ostertag. Nachruf. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1981. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 89. Jg., Hamburg 1981, S. 762 (Biographisches). wurde Ostertag von Clemens Krauss als „Jugendlicher Heldentenor“ an die Bayerische Staatsoper berufen, wo er bis Kriegsende im Ensemble blieb. Er wirkte in München in den Uraufführungen Der Mond von Carl Orff (1929) und Friedenstag von Richard Strauss (1938) mit.
Mit dem Münchner Ensemble gastierte er 1938 an der Mailänder Scala. Solistische Gastverpflichtungen führten ihn an die Stuttgarter Oper. Im April 1939 debütierte er als Gustav III. in Un ballo in maschera an der Wiener Staatsoper.Un ballo in maschera. Besetzungszettel vom 5. April 1939. Vorstellungsarchiv der Wiener Staatsoper. Abgerufen am 21. Juli 2026. 1942 war er in Wien unter der musikalischen Leitung von Hans Knappertsbusch als Erik in Der fliegende Holländer zu hören.Der fliegende Holländer. Besetzungszettel vom 28. Juni 1942. Vorstellungsarchiv der Wiener Staatsoper. Abgerufen am 21. Juli 2026. In den Jahren 1943 und 1944 gastierte er bei den Salzburger Festspielen, 1943 als Erster Geharnischter in einer Neuinszenierung der Oper Die Zauberflöte und 1944 als Pollux in der Öffentlichen Generalprobe der Oper Die Liebe der Danae von Richard Strauss.Die Zauberflöte. Besetzungen vom August 1943. Vorstellungsarchiv der Salzburger Festspiele. Abgerufen am 21. Juli 2026.Vor einem ausgewählten Publikum wurde „Die Liebe der Danae“ zum ersten Mal am 16. August 1944 in folgender Besetzung aufgeführt: Jupiter – Hans Hotter / Merkur – Franz Klarwein / Pollux – Karl Ostertag / Danae – Viorica Ursuleac / Xanthe – Irma Handler / Midas – Horst Taubmann / Semele – Maud Cunitz / Europa – Stefania Fratniková / Alkmene – Maria Cornelius / Leda – Anka Jelačić / Vier Könige – Walter Carnuth, Jozsi Trojan-Regar, Theo Reuter und Georg Wieter. Clemens Krauss dirigierte am Pult der Wiener Philharmoniker diese einzige Vorstellung in der Ausstattung von Emil Praetorius und mit der Regie von Rudolf Hartmann. Ein Tondokument der Aufführung ist nicht nachweisbar.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sang er zunächst am Opernhaus Düsseldorf (1947–1949) und am Staatstheater Kassel (1949–1950).Karl Ostertag. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1945/48. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 56. Jg., Berlin 1948, S. 174 und S. 577 (Register).Karl Ostertag. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1949. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 57. Jg., Berlin 1949, S. 178 und S. 658 (Register).Karl Ostertag. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1950. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 58. Jg., Berlin 1950, S. 186 und S. 472 (Register).
Ab der Spielzeit 1951/52Karl Ostertag. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1952. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 60. Jg., Hamburg 1952, S. 230 und S. 434 (Register). gehörte Ostertag wieder zum Ensemble der Bayerischen Staatsoper, wo er bis zu seinem Bühnenabschied bis 1969 engagiert blieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselte er ins Charakterfach. 1956 gastierte er mit dem Ensemble der Bayerischen Staatsoper am Royal Opera House Covent Garden. Gegen Ende seiner Laufbahn übernahm er in München Comprimario-Rollen.
Karl Ostertag führte über alle Vorstellungen seiner Sängerlaufbahn minutiös Buch. Er trug Datum, Stücktitel, Dirigent und Partie in zwei vorgedruckte Kalendarien für Bühnendarsteller ein, vermerkte, wie oft er eine Partie gesungen hatte, erwähnte teilweise auch, welche Kollegen die Hauptpartien übernommen hatten. Diese Kompendien erwiesen sich als äußerst nützlich für ein Forschungsprojekt über die Bayerische Staatsoper.Oper & Tanz: Ein Kapitel der Geschichte, Ausgabe 2017/3
Karl Ostertag starb im Dezember 1979 im Alter von 76 Jahren.
Repertoire Karl Ostertag „vertrat den Typ des deutschen Zwischenfach-Tenors.“ Sein Repertoire reichte von Verdi, Wagner und Puccini bis zu zeitgenössischen Opern. Zu seinen Verdi-Rollen zählten Gabriele Adorno, Manrico, Riccardo/Gustavo III., Radames und Don Carlo, zu den Wagner-Partien Froh, Loge, David und Tannhäuser. Weitere wichtige Aufgaben fand er in der Titelpartie von Alessandro Stradella, als Don José in Carmen und als Cavaradossi in Tosca.
Ostertag sang auch viele Richard-Strauss-Rollen – Kaiser, Graf Elemer, Bacchus, Ägisth, Herodes und Baron Lummer in Intermezzo.
Weiters war er als Tambourmajor und Hauptmann in Wozzeck, als Amandus in Die Zaubergeige und als Bischof von Budoja in Palestrina besetzt. In den Opern Friedemann Bach von Paul Graener und Der Corregidor von Hugo Wolf übernahm er jeweils die Titelpartie.
Laut Kutsch/Riemens hatte er auch eine bedeutende Karriere als Konzertsänger.
Tondokumente Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg erschien eine Solo-Schallplatte bei Polydor. 1944 sang Ostertag unter der musikalischen Leitung von Clemens Krauss in einer historischen Gesamtaufnahme, die „an seine große Zeit [als Sänger] erinnert“, den Erik in Der Fliegende Holländer.Der fliegende Holländer - München 1944 - Clemens Krauss. Besetzungsliste und Produktionsdetails. Abgerufen am 21. Juli 2026. 1949 stand er als Gringoire auf der Besetzungsliste der Gesamtaufnahme von Notre Dame von Franz Schmidt mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.Notre Dame. Besetzungsliste (1949). Abgerufen am 21. Juli 2026. 1954 sang er den Goro in einer deutschsprachigen Rundfunkgesamtaufnahme der Oper Madame Butterfly an der Seite von Elisabeth Lindermeier, Hertha Töpper und Richard Holm. Weiters findet sich bei Melodram eine Neuausgabe der Oper Feuersnot von Richard Strauss aus dem Jahre 1958.Karl Ostertag. Aufnahmen bei dem Label ORFEO. Abgerufen am 21. Juli 2026.
Weiters ist er als SteuermannDer fliegende Holländer - Stuttgart 1936 - Carl Leonhardt. Besetzungsliste und Produktionsdetails. Abgerufen am 21. Juli 2026. (bei Preiser/Naxos) in Der Fliegende Holländer (Rundfunkaufnahme des Reichssenders Stuttgart 1936), sowie als Fangauf in Die Zaubergeige (1954) und als Augustin Moser in Die Meistersinger von Nürnberg (1963) zu hören.Die Zaubergeige. CD-Kritik. Abgerufen am 21. Juli 2026.Die Meistersinger von Nürnberg. Besetzungsliste und Produktionsdetails. Abgerufen am 21. Juli 2026.
Auszeichnung 1969: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
Literatur Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Band 5: Menni–Rappold. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. München 2003, ISBN 3-598-11598-9, S. 3471f.
Quellen und Weblinks
Karl Ostertag. Biografie bei Historical Tenors (engl.) Karl Ostertag. Biografie bei Forgotten Opera Singers (engl.)
Einzelnachweise
Kategorie:Opernsänger Kategorie:Tenor Kategorie:Person (Salzburger Festspiele) Kategorie:Person (Wiener Staatsoper) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1979 Kategorie:Mann