mini|Die Villa Malpensata als Sitz des Museo delle Culture (2021) Die Villa Malpensata (früher auch Villa Caccia) ist ein klassizistisches Gebäude in Lugano. Ab 1912 wurde sie für Kunstausstellungen genutzt. Seit 2017 ist sie Sitz des Museo delle Culture.

Geschichte mini|Die Villa Malpensata als Sitz des Kunstmuseums (2012) Die Villa geht auf den Landsitz der Familie Maderni zurück, den diese im 17. Jahrhundert errichten liess. 1815 wurde er von Giuseppe Foppa zu einer klassizistischen Villa umgebaut. 1845 ging das Gut an die Familie Caccia über. Bei seinem Tod 1893 vermachte Antonio Caccia der Jüngere der Stadt Lugano seine Kunstsammlung sowie die Villa, um daraus den Sitz eines Kunstmuseums zu machen. Zu diesem Zwecke wurde 1904 die «Caccia-Stiftung» (Fondazione Caccia) gegründet. Unter der Leitung von Pietro Anastasio wurden die Werke der Sammlung 1906 erstmals in einem Schulhaus gezeigt. 1912 eröffnete in der Villa Malpensata schliesslich das «Städtische Kunstmuseum» (Museo civico di belle arti), auch «Caccia-Museum» (Museo Caccia) genannt. Die Direktion übernahmen Luigi Rossi und Luigi Vassalli, unter denen die Sammlung erheblich erweitert wurde; ausserdem stellte der Bund dem Museum zahlreiche Werke als Leihgaben zur Verfügung. Das Kunstmuseum wurde 1933 in die Villa Ciani verlegt, worauf in der Villa Malpensata nur noch temporäre Ausstellungen stattfanden.

Das Gebäude wurde 1973 unter der Leitung des Architekten Gianfranco Rossi tiefgreifend umgebaut und fungierte fortan als Hauptsitz der temporären städtischen Kunstausstellungen. Ab 1992 lautete der offizielle Name «Museum für moderne Kunst» (Museo d’Arte Moderna), ab 2008 Museo d’Arte. 2014, ein Jahr vor der Zusammenführung des städtischen und des kantonalen Kunstmuseums im neu gegründeten Museo d’arte della Svizzera italiana, wurde das Museum geschlossen.

Seit 2017 ist das Museo delle Culture in der Villa Malpensata untergebracht.

Gedenktafeln In die Fassade der Villa Malpensata sind vier Gedenktafeln eingemauert, die an das italienische Risorgimento erinnern.

Gedenktafel für Giuseppe Mazzini mini|Gedenktafel für Mazzini, 1897 Die Gedenktafel für den italienischen Freiheitskämpfer Giuseppe Mazzini wurde 1897 von Freimaurern an der Villa Tanzina angebracht, wo Mazzini von Abbondio Chialiva in seinem Exil beherbergt worden war.Pietro Montorfani: Abbondio Chialiva (1800–1870). Vita e processi di un esule piemontese a Lugano. Città di Lugano, Lugano 2016, ISBN 978-88-7777-059-2. Vermutlich wurde sie beim Abbruch des Gebäudes 1907 zur Villa Malpensata transferiert. Es handelt sich um eine rechteckige Marmortafel mit sockelartiger Basis, die auf einer Volutenkonsole ruht. Auf dem Sockel liegt ein stilisierter Zweig mit Blättern. Die Inschrift lautet:

Darunter liess die Stadt Lugano 2005 anlässlich des zweihundertsten Geburtstags Mazzinis eine weitere Tafel anbringen. Die Inschrift lautet:

Gedenktafel für die Tessiner Freiwilligen mini|Gedenktafel für die Freiwilligen, 1911 Anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums der italienischen Einigung veranstalteten die im Luganese wohnhaften Italiener am 10. September 1911 in Lugano ein grosses Fest, mit dem der Tessiner gedacht wurde, die als Freiwillige an den italienischen Unabhängigkeitskriegen teilgenommen hatten. Im Beisein des Staatsrats Evaristo Garbani-Nerini, des italienischen Generalkonsuls Graf Marazzi, des Vizebürgermeisters Gaggini und Carlo Censis wurde dabei die Gedenktafel an der Villa Malpensata enthüllt.La grande manifestazione d'ieri pro Ticinesi che combatterono per l'Italia. In: Gazzetta Ticinese. 11. September 1911, S. 1 f. (online). Die Marmortafel wurde von Leone Pandolfi nach einer Skizze von Francesco Allera ausgeführt. Die Inschrift stammt von Emilio Baragiola (1852–1916), dem Gründer des internationalen Knabeninstituts in Riva San Vitale und Mitbegründer der Società Dante Alighieri,C. T.: Baragiola. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 1: A – Basel. Neuenburg 1921, S. 564. der auch die Festrede hielt. Die Platte wird von einem Fries mit Medaillons mit Girlanden und Wappen zu beiden Seiten und Waffen und Trophäen in der Mitte bekrönt. Darin ist folgende Inschrift zu lesen:

Darunter sind in zwei Spalten die Namen von 119 Freiwilligen eingehauen, unter anderem Antonio Arcioni, Carlo Battaglini, Costantino Bernasconi, Ambrogio Bertoni, Augusto Fogliardi, Antonio Gabrini, Emilio Morosini, Filippo Pagnamenta, Domenico Pedrazzi, Giovanni Battista Ramelli, Alessandro Repetti, Alessandro Rossi, Vincenzo Vela, Natale Vicari und Benigno Zaccheo.

Drei Wochen nach der Enthüllung der Gedenktafel wurde in Capolago aus demselben Anlass das Tipografia-Elvetica-Denkmal eingeweiht.

Gedenktafel für die Gebrüder Salvioni mini|Gedenktafel für die Gebrüder Salvioni, 1919 Die jüngste Gedenktafel ist den beiden Söhnen des aus Bellinzona gebürtigen und ab 1885 in Italien dozierenden Sprachwissenschaftlers Carlo Salvioni gewidmet: Ferruccio war 1893 in Bellinzona, Enrico 1895 in Pavia geboren worden. Beide wuchsen in Italien auf und nahmen auf italienischer Seite am Ersten Weltkrieg teil. Enrico fiel am 12. Mai 1916 bei Cortina d’Ampezzo, Ferruccio zwei Wochen später, am 29. Mai, bei Gorizia.Ottavio Lurati: Da Salvioni a oggi: che ci dicono i nomi dei luoghi? In: Michele Loporcaro, Franco Lurà, Max Pfister (Hrsg.): Carlo Salvioni e la dialettologia in Svizzera e in Italia. Centro di dialettologia e di etnografia, Bellinzona 2010, S. 39–55, hier 53 (PDF). Sie gelangten zu posthumem Ruhm, als 1918 in Mailand ihre Feldpostbriefe mit einem Vorwort von Vittorio Rossi herausgegeben wurden. Das Werk war der italienischen Jugend gewidmet, die sich am Beispiel der «zwei Tessiner Brüder, die für ihr und unser Italien gefallen sind», erbauen sollte.Lettere dalla guerra di Ferruccio ed Enrico Salvioni, con proemio di Vittorio Rossi. Fratelli Treves, Mailand 1918 (PDF). Die Zeitung Der Bund tat den Kult um die Gebrüder Salvioni später als irredentistische italienische Propaganda ab.Keine Schweizer mehr. In: Der Bund. Abend-Ausgabe. Nr. 196, 29. April 1931, S. 6 (online).

Die Initiative für die Luganer Gedenktafel ging von den Tessiner Studentenverbindungen (goliardischen Orden) aus. Sie wurde am 21. April 1919 nach Verklingen der Schweizer und der italienischen Hymne feierlich enthüllt. Sodann sprachen der 22-jährige Student Bixio Bossi, Sohn von Emilio Bossi sowie künftiger National- und Ständerat, und Dr. Carpi im Namen der italienischen Kolonie. Ebenfalls anwesend waren der italienische Generalkonsul Graf Marazzi und Francesco Chiesa.L'inaugurazione della lapide ai fratelli Salvioni. In: Popolo e Libertà. 22. April 1919, S. 2 (online).

Die Tafel ist ein Werk von Giuseppe Chiattone. Im oberen Bereich befindet sich ein Büstenrelief der Athene im Profil, an den Seiten sind dekorative Jugendstil-Motive angebracht. Die Inschrift lautet:

Die Tafel ist unten rechts mit «CHIATTONE» signiert.

Literatur Giuseppe Grassi: Lugano et ses environs avec un plan de la ville et un petit indicateur commercial. Lugano 1883, S. 45. Francesco Chiesa: La casa borghese nella Svizzera. Cantone Ticino. Band 26: Il Sottoceneri. Zürich 1934. Giorgio Galli: Lugano nella cronaca del tempo (1875-1924). Porza 1980, S. 122–187.

Siehe auch Liste der Kulturgüter in Lugano

Weblinks

Villa Malpensata auf Lugano Cultura

Einzelnachweise

Kategorie:Villa in der Schweiz Kategorie:Kulturgut von regionaler Bedeutung im Kanton Tessin Villa Malpensata Kategorie:Klassizistisches Bauwerk in der Schweiz Kategorie:Erbaut 1815