Artemis ist ein Science-Fiction-Roman des US-amerikanischen Schriftstellers Andy Weir. Die englische Ausgabe wurde am 14. November 2017 von der Crown Publishing Group veröffentlicht. Die deutsche Ausgabe wurde am 5. März 2018 vom Heyne Verlag mit einer Hörbuchfassung von Random House Audio veröffentlicht. Die Übersetzung stammt von Jürgen Langowski.
Artemis mini|Landestelle von Apollo 11, aufgenommen vom Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) im März 2012 Artemis, benannt nach der gleichnamigen griechischen Göttin, ist im Roman die fiktive erste und bislang einzige Stadt auf dem Mond. Artemis besteht aus den fünf Wohnkuppeln Armstrong, der ersten, und den darumliegenden Aldrin, Conrad, Bean und Shepard, benannt nach den ersten fünf Menschen auf dem Mond. Einen Kilometer entfernt und mit einer Zugstrecke verbunden, stehen die Reaktoren der Firma Sanchez Aluminium, welche das beim Bau der Wohnkuppeln verwendete Aluminium aus dem Anorthit des Mondes herstellen. Dabei werden auch Sauerstoff und Silicium als Nebenprodukte hergestellt, wobei Artemis den Sauerstoff für kostenlose Energieversorgung ebenso kostenlos bekommt.
Vierzig Kilometer entfernt und ebenfalls mit einer Zugstrecke verbunden ist die Landestelle von Apollo 11, um die ein Besuchszentrum errichtet wurde. Mehrere Karten zu Beginn des Romans zeigen die Anordnungen und Lage auf dem Mond. In der Stadt herrscht eine eigene Kultur: Wöchentlich verkehrende Raumschiffe mit Touristen werden „Fleischdosen“ genannt. Das lokale Essen, nämlich mit künstlichem Geschmack versetzte Algen, wird „Gunk“ genannt. Die lokale Währung, eine Mond-Transporteinheit (MOTE) für den Transport eines Kilogramms von der Erde zum Mond, wird „Motte“ genannt. Zudem weist das Leben dort eine Reihe von Eigenarten auf: Da ein Tag auf dem Mond insgesamt einen Monat dauert, wird stattdessen die lokale Ortszeit von Nairobi in Kenia verwendet, wo in Äquatorlage der Artemis versorgende Raumhafen steht. Ähnlich wie schon beim Apollo-Programm ist die Atmosphäre in Artemis nicht die irdische mit einem Fünftel an Sauerstoff, sondern stattdessen reiner Sauerstoff unter einem Fünftel des irdischen Drucks. In der irdischen Atmosphäre ist zudem Argon das häufigste Edelgas, welches dort daher zum Schweißen verwendet wird. Wird der Transport nach Artemis eingerechnet ist dort jedoch das viel leichtere Neon billiger.
Handlung Jasmine „Jazz“ Bashara lebt in Artemis und verdient sich ein spärliches Gehalt als sogenannte Trägerin, eine Auslieferin von Paketen. Ein möglicher Aufstieg zu einer EVA-Führerin für Touristen wurde ihr durch eine vermasselte Prüfung verhindert. Jazz, die in einem kleinen Raum wohnt, in dem sie nicht einmal stehen kann, von ihr „Sarg“ genannt, sehnt sich jedoch sehr nach besseren Lebensumständen. Dazu muss sie aus unbekannten Gründen noch unbedingt 416.922 Motten verdienen, während ihr Kontostand gerade noch knapp den fünfstelligen Bereich erreicht. Zur Aufbesserung ihres Verdienstes betätigt sich Jazz mit ihrem Brieffreund Kelvin Otieno, einem Packer der Transportboxen in Nairobi, an der Kleinkriminalität. Beide schmuggeln vor allem Zigaretten, Zigarren oder reines Ethanol (mit dem Rum- oder Whisky-Destillate wieder aufgegossen werden), die aufgrund von Brennbarkeit verboten sind, an Kunden mit genügend Sicherheitsvorkehrungen.
Trond Landvik, ein reicher Stammkunde dominikanischer Zigarren, will Sanchez Aluminium erwerben und insbesondere deren Vertrag mit Artemis über den kostenlosen Tausch von Energie und Sauerstoff. Er bietet Jazz insgesamt eine Million Motten, wenn sie alle vier Sammler von Anorthit sabotiert, was die Herstellung komplett lahmlegt und ihm dadurch den Aufkauf ermöglicht. Artemis droht keine Gefahr, da er den billigen überschüssigen Sauerstoff länger aufgekauft hat und die Stadt damit ein Jahr versorgen kann. Ebenfalls anwesend ist Tronds jugendliche Tochter Lene und Jin Chu, ein Investor aus Hongkong und Star Trek-Fan, auf dessen Koffer die Abkürzung „DAGL“ steht. Jazz sagt zu und besorgt sich mit einem Niqab als angebliche saudische Touristin Nuha Nejem ein Gizmo, ein Gerät zur Verbindung mit dem lokalen Netzwerk, und leiht sich von einer alten Freundin ein HIB („hull-inspection bot“). Von ihrem Vater Ammar Bashara, einen aus Saudi-Arabien ausgewanderten Schweißer, von dem sie sich entfremdet hat, leiht sie sich unter Vorwand ein Schweißgerät sowie im Vakuum nicht benötigtes Neon, um keinen Verdacht zu erregen. Durch alte Briefe an Kelvin wird bekannt, dass Jazz vor zehn Jahren heimlich mit Freunden in seiner Werkstatt kiffte und diese dadurch in Brand setzte, was zwar alle in einem Feuerschutzraum überlebten, aber die gesamte Ausrüstung zerstörte. Jazz reist als Nuha Nejem zum Besuchszentrum und kann bei einer EVA in einem Hamsterball das HIB heimlich an der Außenhülle anbringen. Zurück in Artemis, wo ein Gerät ihres guten Freundes Martin Svoboda für ein Alibi ihr Gizmo in ihrem Sarg benutzte und etwa vorab verfasste Nachrichten verschickte, lenkt sie es zum Zug und anschließend zur Außenhülle von Artemis. Nun kann sie dort ohne menschliche Hilfe durch eine EVA nach draußen gelangen. Bei einem Ausflug in den frühen Morgenstunden, bringt Jazz mithilfe der Schweißausrüstung ihres Vaters einen Sammler durch Kurzschluss zur Explosion der Wasserstofftanks, wird jedoch durch Vibrationen zur Detektion von Geröllrutschen entdeckt. Als die EVA-Gilde zu ihr fährt, zerstört Jazz zwei weitere Sammler, scheitert jedoch am letzten. Bei der Flucht wird ihr klar, dass die EVA-Gilde nun alle Schleusen in Artemis überwacht, daher springt sie auf den ersten Zug zum Besuchszentrum und gelangt dort hinein. Dale Shapiro, ein ehemaliger Freund in der EVA-Gilde, ist jedoch mit demselben Zug angekommen und fängt sie ab. Dale bietet ihr an, nichts zu verraten, wäre Jazz bereit ihre Freundschaft neu aufzunehmen. Erneut wird durch alte Briefe an Kelvin bekannt, dass Dale schwul ist und Jazz einst ihren Freund wegnahm. Jazz sagt zu und kehrt nach Artemis zurück, wo Trond ihr schreibt, dass bei ihrer Lieferung ein Teil fehle. Jazz wird vom Polizisten Rudy DuBois konfrontiert, dem schon fast der ganze Fall klar ist: Etwa machte Jazz als Nuha Nejem wegen vorgeblicher Sprachbarriere eine Verbeugung, was eine gläubige Muslima nur vor Mohammed tun sollte. Jazz sucht anschließend Trond auf, findet ihn jedoch ermordet vor und informiert Rudy. Ihr wird klar, nun selbst in Gefahr zu sein, versteckt sich und rät dies auch ihrem Vater Ammar.
Jazz beschließt, bezüglich Jin Chu und DAGL nachzuforschen. In einem Hotel mit echten Gerichten aus Hongkong statt Gunk findet sie verkleidet als Prostituierte durch einen Trick mit einem Handspiegel dessen Zimmernummer heraus und verschafft sich Zugang mithilfe eines an ihr interessierten Hotelgastes. Dort wartet jedoch ein Attentäter mit einem bandagierten Arm, den sie nach einem Kampf aussperren und vom Sicherheitsdienst abführen lassen kann. Korrekt errät sie die Kombination 1701 des Safes aus Star Trek und findet darin den mit DAGL beschrifteten Koffer mit einem langen Kabel. Jazz bringt es zu Martin zur Untersuchung und lauert anschließend dem Attentäter mit ihrem Gizmo als Falle auf. Als der Attentäter tatsächlich auftaucht, wird ihr klar, dass er die Gizmos tracken kann, was eine Hilfe von ganz oben bedeutet, nämlich von Administratorin Fidelis Ngugi. Rudy findet Jazz dagegen direkt in ihrem Versteck, verfolgt dann jedoch den Attentäter. Jazz holt ihr Gizmo mit einer Nachricht von Jin Chu, sich persönlich zum Dank für die Rettung ihres Lebens treffen zu wollen. Zuvor erfährt sie von Martin, dass das Kabel ein Glasfaserkabel ohne jeden Signalverlust ist, ähnlich wie bei einem Supraleiter, und durch Kristallisation in der Schwerelosigkeit hergestellt wurde. Jazz wird klar, dass „DAGL“ für „dämfungsarme Glasfaserleitung“ steht und wohl in der geringeren Schwerkraft von Artemis auch hergestellt werden kann. Beim Treffen mit Jin Chu in der leeren Werkstatt ihres Vaters erscheint plötzlich wieder der Attentäter, dem Jin Chu bei Todesdrohung alles verriet. Jazz kann den Raum mit Neon fluten und sich in den Schutzraum retten, jedoch erstickt niemand durch den schnell eintreffenden Rudy.
Aufgrund der Beweise gegen sie erwartet Jazz nun die Abschiebung nach Saudi-Arabien, wo die Schwerkraft unerträglich für sie wäre. Fidelis ist unerwartet dagegen und verrät sich indirekt bei einer als hypothetischen Frage gestellten Falle. Als Jazz dies anspricht und mit einem Messer droht, holt Fidelis eine auf anderem Weg geschmuggelte Pistole hervor und bestätigt die Ankunft der neuen Glasfaserindustrie, welche auch das bei der Aluminiumherstellung als Nebenprodukt abgeworfe Silicium verwenden werden. Fidelis lässt Jazz jedoch unter Androhung einer Abschiebung gehen. Jazz erfährt anschließend, dass das brasilianische Syndikat O Palácio sowohl Sanchez Aluminium für Geldwäsche mit den weniger regulierten Motten im Griff hat und aus Rache den Attentäter Marcelo Álvarez schickte, dem nun wirklich die Abschiebung droht. Trond wollte in Wahrheit deren Glasfasergeschäft vorwegnehmen. Jazz sucht seine jugendliche Tochter Lene auf, die zwar erst mit Volljährigkeit sein Vermögen erben wird, wohl schon aber seine weniger regulierten Motten besitzt. Lene besteht darauf, Jazz ihre versprochenen eine Million Motten zu überweisen. Beide planen zudem, den nun drohenden Einfall von O Palácio zu verhindern, wobei schließlich auch Ammar, Bob und Dale helfen. Jazz gibt nun genau 416.922 Motten aus und ersetzt ihrem Vater damit endlich alles, was sie einst leichtsinnig zerstörte. Beide kommen sich wieder näher. Ammar schweißt eine kleine Luftschleuse zusammen, die Jazz anschließend an den Reaktoren von Sanchez Aluminium festschweißt und hintenherum eindringt. Am Ofen schweißt sie anschließend eine weitere Platte zur Erzeugung einer Überhitzung und anschließenden Explosion an. Bob hält derweil den Zug mit den eintreffenden Arbeitern an der Abfahrt. Jazz sieht die angereiste Lorena Sanchez jedoch unerwartet bei der Inspektion und entscheidet sich schließlich, sie zu warnen. Es kommt zum Kampf, den Jazz durch Erfahrung in der geringeren Schwerkraft durch Verletzung ihres Schienbeins wieder gewinnt. Nach der Evakuierung hält die provisorische Luftschleuse der Explosion stand, was sich nach Rückkehr nach Artemis jedoch als fatal herausstellt, da entstandenes Chloroform nun nach dort entweicht. Jazz holt das Gizmo des bewusstlosen Rudy und gewinnt einen weiteren Kampf gegen Marcelo, dessen Luftzufuhr sie mit einem Rohrbruchstück abschneidet. Mit dem Gizmo von Rudy kann sie die Lebenserhaltungssysteme zur Durchflutung mit frischem Sauerstoff anzapfen. Zwar reichen die Vorräte nicht, jedoch gibt es noch die von Trond. Jazz nimmt statt eines Raumanzugs, den sie wie in der verpatzten Prüfung nur zu langsam anziehen kann, einen Hamsterball. Als die noch nie geöffneten Ventile zu schwer zu öffnen sind, rammt sie das Rohrbruchstück als Hebel durch den Hamsterball und wird durch den Druckabfall ohne Schutz auf die Mondoberfläche geschleudert.