Andreas von Deimling (* 20. November 1959 in Freiburg im Breisgau) ist ein deutscher Neuropathologe und Hochschullehrer.
Leben Andreas von Deimling studierte Humanmedizin an der Universität Freiburg. Forschungsaufenthalte führten ihn an das Mary Lyon Centre Harwell in Didcot bei Oxford, Großbritannien, sowie an die National Institutes of Health in Bethesda, Maryland, USA. 1987 erhielt er die Approbation, 1988 wurde er an der Universität Freiburg zum Dr. med. promoviert.
Seine Ausbildung in der Neuropathologie absolvierte von Deimling am Universitätsspital Zürich, am Massachusetts General Hospital in Boston und am Universitätsklinikum Bonn. 1994 wurde er als Facharzt anerkannt, 1995 habilitierte er sich bei Otmar D. Wiestler an der Universität Bonn im Fach Neuropathologie. Im selben Jahr verlieh ihm der Stifterverband eine Schilling-Professur. 1998 wurde er zum Direktor des Instituts für Neuropathologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin berufen.
Im Jahre 2007 folgte von Deimling einem Ruf an die Universität Heidelberg und übernahm am Universitätsklinikum Heidelberg die Leitung der Abteilung für Neuropathologie. Ebenfalls 2007 wurde er zum Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Neuropathologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ernannt, die er weiterhin führt. Seit 2026 ist er am Institut für Neuropathologie als Senior-Direktor tätig.
Forschung Von Deimlings forscht zur Diagnostik von Hirntumoren, zur genetischen Heterogenität maligner Gliome und zur systematischen molekularen Analyse von Hirntumoren. In den 1990er-Jahren war er an der Entwicklung und Etablierung charakteristischer molekularer Signaturen beteiligt, darunter der 1p/19q-Signatur als wichtigem Merkmal oligodendroglialer Tumoren.
Als weiteren Schwerpunkt seiner Forschung entwickelte von Deimling mutationsspezifische Antikörper, etwa gegen IDH1-R132H und BRAF-V600E, die er auch in die klinische Diagnostik einführte. Diese Werkzeuge trugen damals dazu bei, den Mutationsstatus von Tumoren schneller, robuster und breiter verfügbar in die Routinediagnostik einzubeziehen. Dadurch entstanden neue diagnostische Pfade, in denen der IDH-Status zu einem zentralen Parameter, um maligne Gliome zu klassifizieren.
Deimling forscht zur methylierungs-basierten Diagnostik. Diese verfeinert die Klassifikation von Hirntumoren – später auch von Sarkomen – anhand epigenetischer Profile und ordnet viele Fälle neu ein. Außerdem arbeitet er an KI-gestützten Verfahren der Bildanalyse für die Diagnostik von Hirntumoren.
Von Deimling gehört zu den Herausgebern mehrerer Ausgaben der WHO-Klassifikation von Tumoren des Zentralnervensystems, insbesondere der Ausgaben von 1997, 2000, 2007, 2016, 2021 sowie 2027. Er hat mehr als 900 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht.
Auszeichnungen 2025: Alfons-Maria-Jakob-Preis/Medaille der Deutschen Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie 2021: International Prize for Translational Neuroscience (Gertrud-Reemtsma-Stiftung/Max-Planck-Gesellschaft) 2019: Neuro-Oncology Scientific Award (American Academy of Neurology) 2017: Mitglied (Fellow) der Leopoldina, Nationale Akademie der Wissenschaften 2017: Fred W. Stewart Award (Memorial Sloan Kettering Cancer Center) 2016: Deutscher Krebspreis (Kategorie Translational) 2012: Dorothy Russell Medal (British Neuropathology Society) 2009: Fellow der European Academy of Cancer Sciences 1995: Schäfersnolte-Preis (NRW) 1995–1998: Hermann-und-Lilly-Schilling-Professur 1983–1988: Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes
Weblinks Mitgliedseintrag von Andreas von Deimling bei der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina Liste von Publikationen bei Pubmed Kurzlebenslauf auf der Seite der Universität Heidelberg
Einzelnachweise
Kategorie:Neuropathologe Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Charité) Kategorie:Hochschullehrer (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (21. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1959 Kategorie:Mann