Das Nederlands Instituut in Turkije (NIT), vormals Nederlands Historisch-Archaeologisch Instituut (NHAI), ist ein 1958 aus dem Nederlands Instituut voor het Nabije Oosten (NINO) hervorgegangenes wissenschaftliches Forschungsinstitut mit Sitz in Istanbul. Es widmet sich der Erforschung der historischen Kulturen und Gesellschaften Anatoliens, der Türkei und angrenzender Regionen, betreibt historische und archäologische Forschungen und verfolgt das Ziel, akademische Studien in der Türkei durch Studenten und Wissenschaftler aus den Niederlanden sowie aus anderen Ländern anzuregen und zu fördern. Zugleich dient es als Plattform für wissenschaftlichen Austausch und internationale Zusammenarbeit.

Aufgaben und Forschungsschwerpunkte Im Zentrum der Tätigkeit des NIT steht die Erforschung der historischen Gesellschaften, Kulturlandschaften und materiellen Hinterlassenschaften Anatoliens, der Türkei und angrenzender Regionen. Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei archäologische Forschungen ein, die seit den späten 1970er Jahren durch eigene Feldprojekte und langfristige Grabungsvorhaben in verschiedenen Regionen der Türkei geprägt sind. Darüber hinaus widmet sich das Institut der Erforschung von Kulturerbe, historischen Landschaften sowie der Stadt- und Architekturgeschichte. Ergänzend untersucht das NIT sozial- und kulturgeschichtliche Fragestellungen, insbesondere die vielfältigen historischen Verflechtungen Anatoliens mit den angrenzenden Regionen. Neben der Durchführung eigener Forschungsprojekte versteht sich das Institut als Ort wissenschaftlicher Vernetzung und fördert den akademischen Austausch durch Tagungen, Vorträge und Workshops. Darüber hinaus bietet das NIT Sommerkurse an, die sich speziell an Studenten richten und koordiniert im Auftrag der Universität Leiden das Türkische Studienprogramm in Istanbul.die Vorstellungsseite des Instituts. nit-istanbul.org; abgerufen am 22. Juli 2026. Vorstellungsseite des Instituts. anamed.ku.edu.tr, Website des RCAC; abgerufen am 22. Juli 2026.

Trägerschaft und Organisation Träger des Instituts ist die in Leiden ansässige Netherlands Institute in Turkey Foundation. Über eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Stiftung und der Universität Leiden ist das Institut seit 2022 in das Leiden Institute for Area Studies eingebunden, das an der dortigen Fakultät für Geisteswissenschaften angesiedelt ist; schon zuvor hatte eine enge Zusammenarbeit bestanden. Vor Ort in der Türkei nimmt die lokale Vertretung der Stiftung die institutionellen Aufgaben wahr; ein kleines Team in Istanbul ist für den laufenden Betrieb und die organisatorische Betreuung des Instituts zuständig.die Vorstellungsseite des Instituts. nit-istanbul.org; abgerufen am 22. Juli 2026.

Institutsgeschichte Das NHAI wurde Ende März 1958 als Zweiginstitut des Nederlands Instituut voor het Nabije Oosten (NINO) gegründet, nachdem dieses 1955 die Pflege der kulturellen Beziehungen zwischen den Niederlanden und dem Nahen Osten satzungsgemäß verankert hatte. Die feierliche Eröffnung nahm Prinz Bernhard vor; als erster Direktor fungierte der Orientalist Anton A. Cense, zuvor u. a. Sekretär des Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde (KITLV). Das Institut bezog den linken Flügel des Palais de Hollande, des Gebäudes des niederländischen Generalkonsulats und ehemaligen Botschaftssitzes an der İstiklal Caddesi in Istanbul, wo auch eine wissenschaftliche Spezialbibliothek entstand; dieser Standort blieb bis 2005 Sitz des Instituts.

Nach Censes Ausscheiden 1964 übernahm Arie A. Kampman zunächst kommissarisch, dann als Direktor die Institutsleitung und intensivierte die wissenschaftlichen Kontakte zu türkischen Forschungseinrichtungen bei gleichzeitiger Schärfung des archäologischen Profils. Es folgten Pauline Donceel-Voûte (1974–1978), der Prähistoriker J.J. Roodenberg (1978–1994) und der Arabist und Archäologe H.E. Lagro (1994–2003), wobei Roodenberg das Institut maßgeblich durch langjährige Ausgrabungsprojekte in Nordwestanatolien sowie den Ausbau der Zeitschrift Anatolica zu einem international anerkannten Fachorgan prägte.

Die frühen 2000er Jahre markierten eine tiefgreifende Zäsur: Raumknappheit im Palais de Hollande, verschärft durch notwendige Renovierungsarbeiten, mangelnde Kooperation sowie eine Erkrankung Lagros gefährdeten zeitweise den Fortbestand des Instituts. Unter der kommissarischen Leitung Machiel Kiels, Spezialist für die osmanische Architektur des Balkans, wurde daraufhin eine Kooperation mit der renommierten, privaten Koç University vereinbart; im Zuge dieser Neuorganisation erhielt das Institut 2005 den Namen Nederlands Instituut in Turkije (NIT) und bezog 2006 neue Räumlichkeiten im Research Center for Anatolian Civilizations (RCAC) der Koç University. Die Umbenennung berührte das wissenschaftliche Profil nicht. Seit 2006 leitet Fokke Gerritsen das Institut.Zum NINO vgl.: Carolien van Zoest, Sebastiaan Berntsen: 75 jaar NINO – Geschiedenis van het Instituut in hoofdlijnen. In: Olaf E. Kaper, Jan Gerrit Dercksen (Hrsg.): Waar de geschiedenis begon. Nederlandse onderzoekersin de ban van spijkerschrift, hiërogliefen en aardewerk. Uitgave naar aanleiding van het 75-jarig bestaan van hetNederlands Instituut voor het Nabije Oosten, 1939–2014. Leiden 2014, S. 3–30, hier: S. 18 ff. Vorstellungsseite des Instituts. nit-istanbul.org; abgerufen am 22. Juli 2026.

Institutssitz und Bibliothek Das Institut befindet sich seit dem Umzug 2005 im Istanbuler Stadtteil Beyoğlu, einem zentral gelegenen historischen Viertel der Stadt. Seit 2006 ist das Institut im Merkez Han untergebracht, einem Gebäudekomplex der Koç University. Dort befindet sich auch das Research Center for Anatolian Civilizations (RCAC) sowie weitere wissenschaftliche Einrichtungen.Carolien van Zoest, Sebastiaan Berntsen: 75 jaar NINO – Geschiedenis van het Instituut in hoofdlijnen. In: Olaf E. Kaper, Jan Gerrit Dercksen (Hrsg.): Waar de geschiedenis begon. Nederlandse onderzoekersin de ban van spijkerschrift, hiërogliefen en aardewerk. Uitgave naar aanleiding van het 75-jarig bestaan van hetNederlands Instituut voor het Nabije Oosten, 1939–2014. Leiden 2014, S. 3–30, hier: S. 20. Vorstellungsseite des Instituts. nit-istanbul.org; abgerufen am 22. Juli 2026.

Die Bibliothek des NIT umfasst rund 15.000 Bücher und 9.000 Zeitschriftenbände. Ihre Schwerpunkte liegen auf der Archäologie und Architekturgeschichte Anatoliens, des Nahen Ostens und des Balkans, der Geschichte und den Sprachen Anatoliens und des Alten Orients, der Kulturgeschichte Istanbuls sowie der Kunstgeschichte der Niederlande. Gastforscher haben rund um die Uhr Zugang zur Bibliothek. Die Bibliothek ist Teil des Bibliotheksnetzwerks BiblioPera.deren Vorstellungsseite. nit-istanbul.org; abgerufen am 22. Juli 2026.

Publikationen Gemeinsam mit dem NINO gibt das Institut mehrere wissenschaftliche Publikationsreihen heraus. Dazu zählen die seit 1956 erscheinende Monographienreihe Uitgaven van het NHAI bzw. Publications de l’Institut Historique et Archéologique Néerlandais de Stamboul (PIHANS) sowie die seit 1967 veröffentlichte Fachzeitschrift Anatolica.Carolien van Zoest, Sebastiaan Berntsen: 75 jaar NINO – Geschiedenis van het Instituut in hoofdlijnen. In: Olaf E. Kaper, Jan Gerrit Dercksen (Hrsg.): Waar de geschiedenis begon. Nederlandse onderzoekersin de ban van spijkerschrift, hiërogliefen en aardewerk. Uitgave naar aanleiding van het 75-jarig bestaan van hetNederlands Instituut voor het Nabije Oosten, 1939–2014. Leiden 2014, S. 3–30, hier: S. 20 f. Vorstellungsseite des Instituts. nit-istanbul.org; abgerufen am 22. Juli 2026.

Liste der Direktoren Die Leitung des Instituts lag seit seiner Gründung bei folgenden Direktoren:Übersicht: Vorstellungsseite des NIT. nit-istanbul.org; abgerufen am 22. Juli 2026. 1958–1964 Anton A. Cense 1965–1972 Arie A. Kampman 1974–1978 Pauline H.E. Donceel-Voûte 1978–1994 Jacob J. Roodenberg 1994–2003 Henricus Eduard Lagro 2003–2005 Machiel Kiel seit 2006 Fokke A. Gerritsen

Weblinks Website des NIT. Vorstellung des Instituts. Website des RCAC.

Anmerkungen

Kategorie:Organisation (Istanbul) Kategorie:Gegründet 1958 Kategorie:Niederländisch-türkische Beziehungen Kategorie:Archäologie