Der BŻ-1 GIL war der erste Hubschrauber, der in Polen gebaut wurde. Es wurde nur ein Exemplar gebaut; er kam somit über die Prototypenphase nicht hinaus.

Entwicklungsgeschichte Der Hubschrauber wurde in den Versuchswerken des Hauptinstituts für Luftfahrt (Głównego Instytutu Lotnictwa kurz GIL) in Warschau auf Initiative von Zbigniew Brzoska, dem damaligen Leiter der Abteilung für Festigkeitslehre und Konstruktion, entwickelt. Die Konstruktionsarbeit in der Abteilung und später im Werk für Festigkeitslehre des Instituts für Luftfahrt konzentrierte sich hauptsächlich auf unkonventionelle Konstruktionen oder Lösungen, die in Polen eine Premiere darstellten. Die polnische Luftfahrtindustrie war nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört. Erst 1947 fand das Institut seinen Sitz in den renovierten Räumlichkeiten der WS-1-Werke in Okęcie, einem Stadtteil von Warschau. Der Direktor des Instituts, Władysław Fiszdon, war der einzige Konstrukteur, der zuvor einen Hubschrauber gesehen hatte (eine Sikorsky R-4 in England). Die Arbeiten begannen Mitte Januar 1948, wo ein dreiköpfiges Team gebildet wurde. Hauptkonstrukteur war Bronisław Żurakowski (Bruder von Janusz Żurakowski), der den Haupt- und Heckrotor mit Holzrotorblättern und das Steuerungssystem entwarf. Die Struktur des Rumpfes, des Heckauslegers, des Heckruders mit variabler Steigung und des Fahrwerks entwarf Tadeusz Chyliński, während der Antrieb und das Hauptgetriebe von Zbigniew Brzoska entwickelt wurden. Bei der Konstruktion wurden einige nach dem Krieg übrig gebliebene deutsche Teile verwendet, darunter ein Motor Hirth HM 504 und die Räder vom Startwagens des Segelflugzeugs DFS Kranich. Der Rumpf bestand aus einer Fachwerkkonstruktion aus Stahlrohren, die in einen Heckausleger aus Sperrholz übergeht. Die Pilotenkanzel ist offen. mini|Wiktor Pełka, Bronisław Żurakowski, Ryszard Witkowski vor de BZ-1 im Jahr 1991 (von links nach rechts) Der Hubschrauber hatte zunächst keinen offiziellen Namen, sondern lediglich das Kennzeichen SP-GIL (abgeleitet von der Abkürzung des Institutsnamens). Aufgrund dieses Kennzeichens erhielt er später den Namen „Gil“ sowie die Bezeichnung „BŻ-1“, abgeleitet von den Initialen des Konstrukteurs Bronisław Żurakowski (BZ). Der Hubschrauber war als Zweisitzer konzipiert, hob jedoch nur wenige Male mit einem Passagier ab, darunter auch Versuche, bei denen der Passagier auf dem Fahrwerk stand. Den Bau des Prototyps leitete der damalige Leiter der GIL-Werkstatt, Ingenieur Roman Berkowski.

Der Hubschrauber wurde 1949 fertiggestellt, der erste erfolgreiche Flug fand am 4. April 1950 statt. Bei den ersten Flügen steuerte der Konstrukteur Bronisław Żurakowski den Hubschrauber selbst. Es traten die typischen „Kinderkrankheiten“ auf – Vibrationen und ein unpräzises Steuersystem. Der Hubschrauber hatte mehrere kleinere Unfälle, bei denen er zahlreiche Schäden davontrug. In der Anfangsphase der Testflüge hob er einmal (unbeabsichtigt) drei Personen in die Luft – den Piloten Bronisław Żurakowski und die assistierenden Ingenieure Chyliński und Fiszdon. Nach dem Austausch des Hauptrotors und der Wechsel der biegsamen Rotorblätter gegen starre sowie dem Einbau eines neuen Fahrwerks mit sehr großem Radstand begann der Hubschrauber eine neue Flugphase. Die verringerten Schwingungen und das verbesserte kinematische Steuersystem führten zu einer deutlichen Verbesserung der Flugeigenschaften. Die Testflüge führte Wiktor Pełka durch, ein Testpilot des Instituts für Luftfahrt, der zugleich Kapitän bei der Fluggesellschaft PLL LOT war.

Am 20. Juli 1952 wurde die Maschine bei einer Vorführung in Okęcie der Öffentlichkeit präsentiert. Am 16. November 1953 ereignete sich ein schwerer Unfall, als Wiktor Pełka, Andrzej Abłamowicz mit diesem Hubschrauber abstürzten. Dies stoppte das Testprogramm vorübergehend. Die Maschine absolvierte bis dahin 169 Flüge mit einer Gesamtflugzeit von 20 Stunden und 21 Minuten.

In den Jahren 1954 bis 1955 war die Maschine als Ausstellungsstück im Warschauer Arsenal zu sehen.

Der BŻ-1 wurde 1956 repariert und für Test- und Vergleichsflüge eingesetzt, die von Testpiloten durchgeführt wurden, die zuvor bereits im Umgang mit dem Hubschrauber SM-1 ausgebildet worden waren. Insgesamt flogen folgende Piloten damit: Wiktor Pełka, Andrzej Abłamowicz, Ryszard Witkowski und Antoni Śmigiel. Bei einigen Flügen befanden sich zwei Personen an Bord des Hubschraubers. mini|BZ-1 GIL im polnischen Luftfahrtmuseum in Krakau (2023) Der Hubschrauber hatte nur geringe Steuerkräfte und war sowohl im Flug als auch im Schwebeflug sehr stabil. Aufgrund der geringen Motorleistung hingen seine Flugleistungen stark von den Umgebungsbedingungen (Lufttemperatur) ab. Am 28. Juni 1957 brach das Getriebe im Heck des Hubschraubers, welches ursprünglich aus einem Zündapp-Motorrad aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammte. Dieses erwies sich als unersetzbar bzw. es konnte kein Ersatz aufgetrieben werden. Dies wiederum sorgte dafür, dass der Einsatz des Hubschraubers endgültig beendet wurde. In den Jahren 1956–1957 absolvierte er 185 Flüge mit einer Gesamtflugzeit von 12,5 Stunden.

Ende Oktober 1960 wurde der Hubschrauber aus dem polnischen Luftfahrzeugregister gestrichen und zunächst an das Technikmuseum in Warschau, anschließend an das Luftfahrtmuseum in Krakau übergeben. Aufgrund der schlechten Lagerbedingungen wurde der Hubschrauber schwer beschädigt; zudem fehlten zahlreiche Teile.

Im Jahr 1987 entstand auf Initiative des SIMP-Kreises am Institut für Luftfahrt die Idee, den Hubschrauber zu restaurieren. Diese wurde von der Versuchsabteilung des Instituts für Luftfahrt umgesetzt. Am 29. April 1989 erfolgte die Übergabe des Hubschraubers an das Museum in Krakau.

Technische Daten Kenngröße Daten Besatzung 1 Gesamtlänge 18,79 m Rumpflänge 8,60 m Hauptrotordurchmesser 8,80 m Höhe 3 m Leermasse 510 kg max. Startmasse 610 kg Antrieb 1 × 4-Zylinder-Reihenmotor Typ Hirth HM 504 A2 Leistung Höchstgeschwindigkeit 140 km/h Reisegeschwindigkeit 120 km/h Reichweite 50 min Flugzeit max. Einsatzflughöhe 2000 m Anfangssteiggeschwindigkeit 4,5 m/s

Literatur Janusz Babiejczuk, Jerzy Grzegorzewski: Polski przemysł lotniczy 1945–1973. Warszawa: Wydawnictwo MON, 1974 Jerzy Grzegorzewski: Polski Przemysł Lotniczy 1944–1989. Warszawa: Wydawnictwo Naukowe Instytutu Lotnictwa, 2018, s. 378–379. ISBN 978-83-63539-44-3 Problemy rozwoju śmigłowca BŻ-1 Gil. In: Polska Technika Lotnicza. Materiały historyczne. 7/2004, s. 1–19, 2004. Warszawa: SMIL. Wiesław Górnicki: Polski śmigłowiec lata nad Warszawą. In: Skrzydlata Polska. 1/1952, s. 8–10, styczeń 1952. Warszawa: Wydawnictwa Komunikacji i Łączności. ISSN 0137-866X. Andrzej Glass: Śmigłowiec BŻ-1 GIL In: Lotnictwo, 2(47)/2005. ISSN 1732-5323. Leonard Bridgman (Hrsg.): Jane’s All The World’s Aircraft – 1950–51, Samson Low, Marston & Company, Ltd., London 1950, S. 164c.

Weblinks

BZ GIL im Polnischen Luftfahrtmuseum

Einzelnachweise

Kategorie:Hubschrauber Kategorie:Erstflug 1950