Der BŻ-4 Żuk (), auch bekannt als GIL-4, war ein polnischer viersitziger Leichthubschrauber, der in den 1950er Jahren gebaut wurde. Obwohl er mit einem neuartigen Rotor- und Getriebesystem Pionierarbeit leistete, ging er nie in Serienproduktion.

Entwicklungsgeschichte Der Hubschrauber BŻ-4 „Żuk“ ist einer der wenigen (konstruktiv gesehen) vollständig in Polen entwickelten Hubschrauber. Hauptkonstrukteur war Bronisław Żurakowski, Konstrukteur und Berechnungsingenieur bei der vor dem Krieg bestehenden DWL (Doświadczalne Warsztaty Lotnicze, deutsch Werkstatt zur experimentellen Luftfahrt) bei RWD. Konstrukteur des Motors sowie des Getriebes war Wiktor Narkiewicz.

Im Jahr 1954 wurde am Institut für Luftfahrt das Büro für Hubschrauberkonstruktion gegründet. Dessen Aufgabe war es, einen Einrotorhubschrauber zu entwickeln, der als Modifizierung des Hiller-Systems mit einem zusätzlichen Steuerrotor geplant wurde. Vorgesehen war der Bau einer zweisitzigen Transportversion für die Militärluftfahrt sowie einer viersitzigen Passagier-, Sanitäts-, Landwirtschafts- und Schulflugversion für die Zivilluftfahrt.

Im Sommer 1956 wurde der Bau des Prototyps abgeschlossen, der am 25. August in Okęcie, einem Stadtteil von Warschau, im Rahmen der Ausstellungen zum polnischen Luftfahrtfest vorgestellt wurde. Am 15. Oktober fand der erste Startversuch des im Hubschrauber eingebauten Triebwerks statt, der mit einer Beschädigung des Heckrotors endete. Nach der Reparatur zeigten weitere, im Dezember durchgeführte Versuche, dass die Befestigung des Hauptgetriebes im Rumpf zu locker war, was dazu führte, dass die Schwingungen des Rotors auf den Rumpf übertragen wurden. Am 2. Januar 1957 wurden beim Schleppen des Hubschraubers zur Startposition der Rumpfträger und das Motorkühlsystem beschädigt. Die Maschine musste erneut repariert und strukturell verstärkt werden. Der erste Flug (noch im Schlepp) fand am 10. Februar 1959 über dem Flughafen Okęcie statt. Am Steuer dieser Maschine saß der Testpilot des Instituts für Luftfahrt, Ryszard Witkowski. Am 10. Februar absolvierte Ryszard Witkowski mit diesem Hubschrauber den ersten freien Flug. Am 12. Februar kam es bei einer Beschädigung des Mechanismus zur Azimutverstellung der Rotorblätter, was weitere Reparaturen erforderlich machte. Nach deren Durchführung führte Stanisław Wielgus die weiteren Flüge durch. Am 29. August 1959 kam es bei der Landung zu einer schweren Beschädigung der Hubschrauberkonstruktion.

Mitte 1960 wurden die technischen Unterlagen zum „Żuk“ zusammen mit einem vollständigen Satz an Werkstattzeichnungen an PZL Świdnik übergeben. Im Jahr 1962 wurde der zweite Prototyp des Hubschraubers fertiggestellt und auf der Ausstellung „Hubschrauber“ in Warschau präsentiert. Im Vergleich zum ersten Prototyp wurden beim zweiten Änderungen an der Verglasung des vorderen Rumpfteils vorgenommen, der zu öffnende Bereich im vorderen Rumpfteil, der zum Einladen von Krankentragen diente, wurde entfernt und die Möglichkeit zum Einklappen der Rotorblätter eingeführt. Der Hubschrauber stieß weder beim Militär noch in der Industrie auf Interesse, da man zu der Zeit schon mit der Lizenzproduktion der Mil Mi-1 begonnen hatte. So wurde beschlossen, die Arbeiten an diesem Projekt einzustellen. Bis dahin wurden insgesamt 17 Flüge mit einer Gesamtdauer von 3 Stunden und 40 Minuten durchgeführt. mini|BZ-4 Zuk im Polnischen Luftfahrtmuseum in Krakau (2013) Es war weder der erste noch ein in seiner Konzeption außergewöhnlicher Hubschrauber. Das Konzept der Maschine selbst stammte aus dem Jahr 1953. Als man nach einer Reihe erfolgreicher Flüge des ersten polnischen Hubschraubers BŻ-1 GIL darüber nachdachte, die gewonnenen Erfahrungen für eine voll einsatzfähige, mehrsitzige Maschine zu nutzen, entschied sich Bronisław Żurakowski gegen eine Fortsetzung der bewährten Linie mit dem Zweiblattrotor. Der Konstrukteur befürchtete starke Vibrationen und Probleme, wie sie beim Hubschrauber BŻ-1 GIL aufgetreten waren. Möglicherweise spielten auch Hillers Patente für einen zweiblättrigen Rotor eine gewisse Rolle. Bronisław Żurakowski konstruierte einen neuen, dreiblättrigen Hauptrotor zusammen mit einem Steuerrotor, der eine stabilisierende Funktion hatte und die Kräfte am Steuerknüppel des Piloten reduzierte. Der Hubschrauber wurde angetrieben von einem eigenentwickelten 237 kW (320 PS) Narkiewicz WN-4-Kolbenmotor in einem Rumpf aus Stahlrohrrahmen. Er verfügte über eine hintere Heckauslegerkonstruktion mit offenem Rahmen und ein starres Vierradfahrwerk. Der Hauptrotor war untypisch, da er einen kleineren oberen Steuerrotor aufwies und mit einem automatischen Stabilisierungssystem nach dem Hiller-Prinzip ausgestattet war. Die Kabine verfügte über vier Türen mit zwei Vordersitzen und einer Rückbank. Es gab zwei Treibstofftanks mit einem Gesamtvolumen von 220 l.

Insgesamt gab es drei Prototypen, von denen einer flog, und zwei weitere, die nicht fertig gestellt wurden. Der Geflogene wurde, beschädigt und unvollständig, an das Polnischen Luftfahrtmuseum in Krakau übergeben und ausgestellt.

Technische Daten Kenngröße DatenLeonard Bridgman (Hrsg.): Jane’s All The World's Aircraft – 1959–60, 1959, S. 199. Besatzung 1 + 3 Passagiere Länge 10,55 m (Rumpf), 12,75 m (über alles) Hauptrotordurchmesser 12 m Heckrotordurchmesser 2,4 m Höhe 2,6 m Leermasse 1050 kg max. Startmasse 1500 kg Antrieb 1 × 7-Zylinder-Sternmotor Narkiewicz WN-4 mit Höchstgeschwindigkeit 156 km/h (geschätzt) Reisegeschwindigkeit 125 km/h (geschätzt) Größte Schwebehöhe 600 m Dienstgipfelhöhe 3000 m Reichweite 260 km

Literatur Janusz Babiejczuk, Jerzy Grzegorzewski: Polski Przemysł Lotniczy 1945–1973. Wydawnictwo MON, Warschau 1974. (polnisch) J. B. Cynk: Pictorial Museum of Polish Aviation. In: Air Progress. Fall 1959. Marian Krzyżan: Samoloty w Muzeach Polskich. Wydawnictwa Komunikacji i Łącznośc, Warschau 1983, ISBN 83-206-0432-X. William Green, Gerald Pollinger: The Observer’s Book of Aircraft, 1958 edition. Fredrick Warne & Co., London 1958. Paul Lambermont: Helicopters and Autogyros of the World. Cassell, London 1958.

Weblinks

BZ-4 Zuk auf all-aero.com BZ-4 Zuk auf Website des polnischen Institut für Luftfahrt BZ-4 Zuk auf der Website des polnischen Luftfahrtmuseums

Einzelnachweise

Kategorie:Hubschrauber Kategorie:Erstflug 1959