Die Markgräfin ist ein historischer Mittelalterroman der deutschen Schriftstellerin Sabine Weigand aus dem Jahr 2004 über das Leben von Barbara von Brandenburg.

Entstehungsgeschichte Sabine Weigand wurde als Historikerin durch ihre Dissertation Die Plassenburg. Residenzfunktion und Hofleben bis 1604 auf das Schicksal der Markgräfin Barbara aufmerksam. Sie erarbeite sich dabei die Reformationszeit an der Wende zwischen Mittelalter und Neuzeit, insbesondere die Haltung gegenüber Frauen und ihrer Rolle zur damaligen Zeit, bei der sich die Frage nach individueller Freiheit oder Entfaltung nicht stellte, sondern die Personen dieses Geschlechts eher Mittel zum Zweck der Macht- oder finanzieller Ressourcengewinnung unter Adligen waren. Weigand nutzte ihre Kenntnisse und verarbeitete in ihrem historischen Roman thematisch die Lebensgeschichte der Markgräfin Barbara von Brandenburg-Ansbach, Herzogin von Groß-Glogau und Crossen, Königin von Böhmen, und rekonstruierte diese Zeit anhand von historischen Zeugnissen und Originalbriefen, wobei sie gleichzeitig versuchte, in dichterischer Freiheit die Protagonistin fiktional unterfüttert zum Leben zu erwecken.

Der historische Roman Die Markgräfin wurde 2004 als erster Roman von Sabine Weigand veröffentlicht, wurde 13 Mal aufgelegt (Stand: 2026)Siehe: jeder beliebige Buchhandel. und gilt als nationaler Bestseller, was man aus der hohen Auflagenzahl schließen kann.Die Verlage geben die Verkaufszahlen nicht bekannt.

Inhalt Der Roman gliedert sich formal in mehrere Teile: Nach dem Vorwort (mit dem Hinweis auf die historische Barbara, die mit zehn Jahren verheiratet wurde und historisch verbrieft ist) folgen erstes, zweites und drittes Buch mit zeitlichen Wechseln zwischen erster Hälfte bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts und der Jahrtausendwende um das 21. Jahrhundert herum in den Kapiteln. Beide Geschichten werden in abwechselnden Kapiteln erzählt. Die eine Geschichte ist die eines neuzeitlichen Forscherteams und die andere die der mittelalterlichen Gesellschaft um Barbara herum. Es folgen der Schluss (im Jahr 2003 mit der Erklärung, dass Barbara und ihr Pfarrer auf Wunsch Barbaras gemeinsam beerdigt sind und mit dem Ausgang, dass zwei der Forscherfreunde gemeinsam auf das Ende ihrer Untersuchungen anstoßen), der Zeitungsbericht von 2003 (mit der Aufklärung der Kinderknochen als Kind des historischen Pfarrers) und das Nachwort (mit Informationen zur Plassenburg, zum Vorgehen der Autorin – wie die Zeitversetzung um 50 Jahre – und zu weiteren dichterischen Freiheiten, zur historischen Barbara und zu Personen ihrer Zeit).

Im gesamten Roman wechseln sich Erzähltexte mit zahlreichen Dialogen und Briefen ab.

Im neuzeitlichen Teil finden Handwerker bei Renovierungsarbeiten auf der Kulmbacher Plassenburg im Dezember 2001 in einer Mauerlücke ein wertvolles Kästchen aus dem 16. Jahrhundert. Es enthält Knochen eines unbekannten Säuglings. Es wird geschätzt, dass die Knochen 400 bis 500 Jahre alt sind. Kastellan Haubold und ein Team aus Freizeitforschern, bestehend aus dessen Freunden, einem Pfarrer, einem Lehrer und einem Archivar, wollen die Herkunft des Kindes und die ungewöhnliche Bestattungsart klären. Es zeichnet sich ab, dass es um einen historischen Kriminalfall geht.

Im Mittelalterteil, der um 50 Jahre zeitlich nach hinten verschoben wird, um die markgräflichen Kriege des Bruders Albert (historisch korrekt war er der Großneffe) mit einzubinden, wird die Protagonistin Barbara mit 10 Jahren mit Heinrich, dem letzten Herzog von Groß-Glogau und Crossen verheiratet. Zu Beginn findet sie sich nicht gut am herzoglichen Hof zurecht. Allmählich wird sich das Ehepaar vertrauter und Barbara mag ihren Ehemann. Dieser stirbt kurz darauf. Sie ist zu dem Zeitpunkt zwölf Jahre alt. Barbara kehrt als Witwe auf die Plassenburg zurück und wird erneut, mit 15 Jahren, vermählt, diesmal mit König Wladislaw von Böhmen (in dessen Abwesenheit) per Fernhochzeit durch einen böhmischen Gesandten. Barbara bleibt aber auf der Plassenburg, da Wladislaw sie aus politischen Gründen nicht benötigt, sondern nur die reiche Mitgift und das Witwengut. Barbara erlebt, wie ihre Brüder daraus Kapital schlagen wollen und wie sie sie zu manipulieren versuchen. Barbara verliebt sich in einen – ständisch gesehen – unpassenden Ritter Konrad von Heickeck und versucht, die nicht vollzogene Ehe mit Wladislaw nach Jahren beim Papst annullieren zu lassen, weshalb ihre Brüder Georg und Albert sie auf der Plassenburg einsperren. Barbaras Bruder Georg sucht den Ritter auf, der Schulden bei ihm hat und bringt ihn dazu, auf Barbara aus finanziellen Nöten heraus zu verzichten. Barbara findet einen Weg, ihr Schicksal auszuhalten und beugt sich nicht, sondern trotzt diesem Schicksal so gut wie möglich. Bei der Messe, zu der sie die Erlaubnis hat, regelmäßig zu gehen, sieht sie den neuen Kaplan Jakob Tiefenthaler, der allein von ihrem Anblick beim ersten Blick kurzzeitig aus dem Konzept seiner Predigt gebracht wird. Durch seine besondere Rolle als Pfarrer treffen sich Barbara und er und schlafen miteinander. Barbara wird schwanger mit Zwillingen, von denen einer ihrem Bruder Albert zum Opfer fällt und flieht vor ihrem Bruder Albert mit dem überlebenden Kind nach Venedig, um dieses und sich zu retten. Dies schreibt sie ihrem vertrauten Pfarrer und bittet um die Vernichtung der Briefes nach der Lektüre, was das Ende der mittelalterlichen Geschichte im Jahr 1554 darstellt.

Durch den Wechsel der Zeiten zwischen Mittelalter und Neuzeit wird die Geschichte Barbaras auch aus heutiger Sicht reflektiert und der Leser bekommt wiederholt Gelegenheit, zwischen Nähe (Mittelalter) und Distanz (Neuzeit) zu der aus heutiger Sicht unfreien Lebensgeschichte der Protagonistin zu wechseln. So kehrt der Leser wieder zu Kastellan Haubold und seinen Forscherfreunden zurück, in der die Handlung spannend ist, weil die Forscher einem ihnen unbekannten Rätsel auf der Spur sind, aber das Element des unausweichlichen und unerbittlichen Schicksals der Protagonistin in diesem Buchteil nicht existiert.

Rezensionen Die Markgräfin wird von lovelybooks.de mit 4,1 von 5 Sternen (bei 178 Bewertungen, Stand: Juli 2026) bewertet und beispielsweise positiv hervorgehoben, dass neben der historischen Aufarbeitung in fiktionalem Gewand auch die gegenwärtige Forschung mit einbezogen wird, die Figuren gut gezeichnet sind, der Schreibstil flüssig lesbar ist (Thommy28, 2024) und das Buch spannend und vielschichtig durch die zwei Zeitebenen bleibt (Tilman_Schneider, 2023).

Bei goodreads.com erhält das Buch 3,95 von 5 Sternen (bei 92 Stimmen) wegen der zu starken Durchmischung der beiden Zeitstränge, die teilweise als sperrig (Dezember 2025) und für die historische Geschichte selbst eher als hinderlich gesehen wird (November 2020).

Bettina Weiß von histo-couch.de sieht den Roman als wunderbaren an, findet das Buch leicht und flüssig zu lesen, lobt die nicht zu moderne Sprache im historischen Teil, die zwar die Atmosphäre aufnimmt, aber dabei nicht altertümlich wirkt. Sie findet den Inhalt spannend und gleichzeitig realistisch beschrieben mit einer sympathischen Heldin, so dass sie davon ausgeht, dass potentielle Leser unterhaltsame Stunden haben werden.

Hörbuch Die Hörbuchfassung ist leicht gekürzt, ohne den Inhalt unverständlich zu machen. Sie wird vom ehemaligen Radio- und Fernsehsprecher Philipp Schepmann mit Schauspielausbildung gesprochen. Zu Beginn und am Ende wird der Roman musikalisch umrahmt.

Ausgaben

Die Markgräfin. (Dreizehnte Auflage.) Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2005, ISBN 978-3-5961-5935-2 (Taschenbuch) Die Markgräfin. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2010, ISBN 978-3-1040-0844-8. (E-Book. 4,72 MB) Die Markgräfin. (Gesprochen von Philipp Schepman) Audio Lübbe Verlag, Köln 2004, ISBN 3-7857-3039-X (6 Audio-CDs. 450 Minuten gekürzte Fassung)

Weblink

Fakten zur historischen Barbara, Markgräfin von Brandenburg auf: Bavarikon

Siehe auch

Barbara von Brandenburg (1464–1515) für die historisch verbriefte Person.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Historischer Roman Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literarisches Werk