mini|Ein Weingarten mit Pinot-noir-Rebstöcken mini|Junge Blätter und Geschein des Pinot noir
Pinot noir (Spätburgunder, Pinot nero, Blauburgunder, Schwarzburgunder und zahlreiche weitere Synonyme) ist eine bedeutende und meist als hochwertig geltende Rotweinsorte. Sie hat weltweite Verbreitung und Bedeutung erlangt. Der Wein wird gelegentlich als König der Rotweine bezeichnet. Pinot noir ist eine klassische Rotweinqualitätssorte der kühleren Weinbaugebiete wie des Burgunds, der Ahr, der Pfalz usw. Er ist ferner ein wichtiger Verschnittpartner für die Champagner-Erzeugung.
Abstammung, Herkunft Bei Pinot noir handelt es sich um eine sehr alte Sorte, die es möglicherweise seit 2000 Jahren gibt. Als Heimat der Pinotsorten wird das Gebiet zwischen Genfersee (Schweiz) und dem Rhônetal (Frankreich) vermutet. Carole Meredith nennt als möglichen Entstehungsort auch den Südwesten Deutschlands. mit Carole Meredith geführt mit David Graves von Saintsbury Vineyards. Die Analysen zeigen eine grundsätzliche Verschiedenheit zu den im Süden Frankreichs vorherrschenden Sorten, die vermutlich von den Griechen ins Land gebracht wurden.
Die Abstammung von Pinot noir ist noch ungeklärt und wird in der Wissenschaft unterschiedlich diskutiert. Eine Quelle spricht von einer natürlichen Kreuzung von Schwarzriesling mit Traminer.Ferdinand Regner, Karel Hanak, Cornelia Eisenheld: Verzeichnis der österreichischen Qualitätsweinrebsorten und deren Klone, 2. Auflage 2015, HBL und BA für WB, Klosterneuburg. Eine weitere Quelle sagt aus, dass Pinot noir wahrscheinlich in direkter Linie von der Wildrebe abstammt. Nach umfangreichen Genanalysen, die in den 1990er-Jahren durchgeführt wurden, ist dies nicht ausgeschlossen. Tatsächlich wuchsen bis zur Reblauskatastrophe Ende des 19. Jahrhunderts auch Wildreben bis in den äußersten Norden Frankreichs.
Verbreitung im Mittelalter Pinot noir zählt zu den klassischen fränkischen Sorten und könnte mit dem Traminer während der Zeit des Frankenreichs verbreitet worden sein. So soll er erstmals im Jahr 884 durch Kaiser Karl III. als „Clävner“ in Deutschland eingeführt worden sein.https://traubenshow.de/informationen-zu-rebsorten/ertragsrebsorten-auswahl-in-deutschland-a-z/107-s/spaetburgunder, abgerufen am 11. April 2023. Dafür, dass Mönche, die 1136 aus Clairvaux in den Rheingau kamen, Reben des Spätburgunders mitbrachten, liegen jedoch keine sicheren Belege vor.Otto Volk: Weinbau und Weinabsatz im späten Mittelalter. Forschungsstand und Forschungsprobleme, abgerufen am 11. April 2023. Belegt ist, dass er vom Orden der Zisterzienser 1335 aus Burgund auf den Steinberg des Klosters Eberbach im Rheingau gebracht wurde, von wo er auch auf den Aßmannshäuser Höllenberg kam.Kurt Hoffmann et al.: Baden und seine Burgunder, 1981, Verlag Rombach, Freiburg, ISBN 3-7930-0273-X, S. 10. Der erste urkundliche Nachweis von Spätburgunder im Rheingau stammt aus dem Jahr 1470 und ist gleichzeitig der erste Nachweis von Rotweinanbau im Rheingau. Das Rheingauer Synonym war über Jahrhunderte „Klebrot“. In Salem pflanzte man 1318 ebenfalls Spätburgunder an.Gebhard Spahr: Geschichte des Weinbaus im Bodenseeraum, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 99/100. Jg. 1981/82, S. 202 (Digitalisat).
In Burgund wurde der Anbau des Pinot noirs durch die Zisterzienser vorangetrieben. Der burgundische Herzog Philipp der Kühne erließ 1395 ein Dekret, nach dem sämtliche Reben des Gamay durch Pinot noir ersetzt werden sollten.https://www.faessle.de/wein/rebsorte/blauer-spaetburgunder.html, abgerufen am 11. April 2023.
Als zuverlässige Jahresangaben für den Anbau der Rebe gelten für Frankreich 1283 (Moreillon) und 1375 (Pinot Vermeil), für Deutschland 1470 (Clebroit = Klebroth) in Hattenheim im Rheingau, für die Schweiz 1766 (Cortaillod) und für Österreich, Ungarn und Italien das 18. Jahrhundert.
Im Schweizer Kanton Wallis wird der Pinot noir als traditionelle Rebsorte betrachtet.Artikel 32 Traditionelle Rebsorten der (PDF) Verordnung über den Rebbau und den Wein (VRW, 916.142), Sitten 17. März 2004.
Pinot noir ist die erste Sorte, von der 2007 die DNA des Genoms vollständig sequenziert wurde.Grape genome unpicked: Vintage sequence could lead to improved pest resistance and new wine flavours, 26. August 2007.
In De re rustica beschreibt der altrömische Schreiber Columella eine Rebsorte, die dem heutigen Spätburgunder zugeordnet werden könnte. Meredith Carole, Bowers, J.M. Boursiquot und Andere.
Herleitung des Namens Der französische Begriff „Pinot“ leitet sich wahrscheinlich von der lang gezogenen Form der Pinot-Trauben ab, die dem Zapfen einer Kiefer (frz. „pin“) recht ähnlich sind. Die im deutschsprachigen Raum übliche Bezeichnung „Burgunder“ soll auf einer Einfuhr von Reben von Burgund an die Ahr im 18. Jahrhundert beruhen.Fritz Schumann: Weingeschichte, abgerufen am 11. April 2023.
Ampelografische Sortenmerkmale Die Triebspitze ist offen, weißlich, hellgrün und stark behaart. Die Jungblätter sind anfangs spinnwebig behaart, um später beinahe unbehaart zu sein. Der Triebwuchs ist mittelstark. Das Blatt ist mittelgroß, wenig gebuchtet und hat eine blasige Oberfläche. Die Blattform ist wie ein gleichseitiges Fünfeck; drei- bis fünflappig und fein gezähnt. Die Stielbucht ist V-förmig offen.
Die walzenförmige Traube ist selten geschultert, mittelgroß und dichtbeerig. Die rundlichen bis ovalen Beeren sind klein bis mittelgroß und sind dunkelblau bis violettblau gefärbt. Die Schale der Beere ist dünn und daher sehr empfindlich. Das Fruchtfleisch ist sehr saftreich.
Erst wenn sich die Beeren verfärben (August), ist es möglich Pinot noir vom Pinot gris und Pinot blanc zu unterscheiden.
Reife: mittelspät
Ansprüche Die Sorte benötigt frühe und gute Lagen mit tiefgründigen, warmen, mittelschweren und fruchtbaren Böden mit guter Wasserversorgung. Schwere Böden sind nicht geeignet. Die besten Weine werden von Reben auf kalksteinhaltigen Hanglagen in kühlem Weinbauklima gewonnen. Der Anbau des Spätburgunder gilt weltweit als schwierig und die Sorte entwickelte sich wahrscheinlich aus einer Jahrhunderte währenden Anpassung an die Bedingungen des Burgund. Die dünnhäutigen Früchte verlangen eine sehr feinfühlige Bearbeitung, da durch Verletzungen der Schale ihr Saft zu früh freigesetzt wird. Außerdem reagieren sie stark auf Klimaschwankungen (Hitze/Kälte). Saure, lehmhaltige Böden ergeben lediglich Weine bescheidener Qualität.
Aufgrund des frühen Austriebs sind die Triebspitzen spätfrostgefährdet. Daher sollte der Spätburgunder in spätfrostgefährdeten Gebieten nicht in der Ebene oder im unteren Bereich von Hanglagen angepflanzt werden. Die Rebsorte reift – auch wenn es ihr deutscher Name anders suggeriert – im internationalen Vergleich sehr früh und kann daher auch in nördlichen Anbaugebieten mit verkürzten Vegetationsperioden voll ausreifen.
Ertrag Pinot noir bringt regelmäßige, mittelhohe bis hohe Erträge. Es gibt aber eine große Anzahl an Klonen, die sich im Ertrag, der Beerengröße und der Lockerbeerigkeit unterscheiden.
Wein Traditionell waren die Pinot-noir-Weine nicht sehr farbintensiv, mild, gerbstoffarm und von eher rostroter Farbe. Neben diesem klassischen Typ besitzen die heutigen Pinot-noir-Weine ein kräftiges Rubinrot mit violetten Nuancen und gelten verbreitet als samtige und vollmundige Rotweine mit langer Lagerfähigkeit, aber mit geringer Farbintensität. Die Weine oxidieren leicht (besonders nach einem Beerenbotrytisbefall) und zeigen dann einen bräunlich roten Farbton. Pinot noir besitzt ein eigenständiges, typisches Bukett, das besonders durch die Fruchtigkeit geprägt ist. Bei Jungweinen kann die Frucht des Weines an Brombeeren erinnern, im Alter erinnern sie mehr an Nüsse mit einer zarten Bitterkeit (Bittermandeln).
Pinot noir ist eine der wenigen Rebsorten, die meist sortenrein ausgebaut wird. Die Stilistik, Aroma und Geschmack reichen im Pinot noir von fast streng, über sauer, tanninschwer, bis zu unübertrefflich weich, samtig und aromatisch komplex. Der typische Pinot noir hat einen leicht süßlichen Duft nach Früchten, von Kirschen, Brombeeren, Erdbeeren, Pflaumen, bis hin zu Schwarzen Johannisbeeren, dazu Anklänge von Mandeln sowie Blumen wie Veilchen. Mit Ausbau im Barrique kommen oft noch Anklänge von Vanille und Zimt hinzu. Güte und Geschmack eines Pinot-noir-Weins hängen stark vom Terroir ab. Weil er empfindlich auf Unterschiede von Bodentyp und Mikroklima reagiert, ist Pinot noir besonders geeignet, das spezifische Terroir zu vermitteln.
Nicht nur im Weingarten, sondern auch im Keller ist Pinot noir eine schwierige Sorte. Sie erfordert eine möglichst schonende Extraktion ihrer dünnschaligen Beeren, denen man möglichst viel Farb-, Geschmacks- und Aromastoffe entziehen möchte, ohne zu viel bittere Gerbstoffe zu extrahieren. Es ist neben der Herkunft tatsächlich vor allem die fordernde Weinbereitung, die das Bild des Pinot Noir prägt. So vergärt man entweder mit oder ohne Stiele, also abgebeert oder nicht. Das eine Extrem ist die Kaltmazeration und Kaltgärung, bei der man möglichst viel Frucht und Farbtiefe ohne zu viele Gerbstoffe gewinnen möchte. Beim entgegengesetzten Extrem – der Vorgehensweise der Traditionalisten – wird ohne Eingriffe warm vergoren, wodurch relativ hellfarbige Weine entstehen.
Bedeutung haben ebenso Schaumweine aus Pinot-noir-Wein, Roséwein (Weißherbst, Gleichgepresster) und Blanc de Noirs („Weißer aus Schwarzen“ ist die französische Bezeichnung für einen aus Rotweinsorten gekelterten weißen Wein). Pinot noir zählt auch zu den drei Rebsorten zur Erzeugung von Champagner und gibt dem Schaumwein die Fülle.
Eigenschaften Es handelt sich um eine weinbaulich eher schwierige Rebsorte.
Vorteile Die Sorte liefert hochwertige Rotweine und hat eine ausreichende Winterfrostwiderstandsfähigkeit.
Nachteile mini|300px|Blattrandschaden durch die Saugtätigkeit der Rebzikade Nachteilig ist, dass die Sorte hohe Ansprüche an Lage und Boden stellt, stiel- und beerenfäuleanfällig sowie spätfrostempfindlich ist und die Weine eine schwache Farbdeckung besitzen. Die dünnhäutigen Beerenschalen verlangen eine sehr sorgsame Pflege. Außerdem reagieren sie stark auf Temperaturschwankungen (Hitze/Kälte). Durch Klonselektion konnten einige dieser Probleme reduziert werden. So haben neuere Klone weniger Probleme mit Stiel- und Beerenfäule, da die Schale der Beeren etwas stärker ist. Die aus ihnen gewonnenen Weine weisen aber auch etwas andere sensorische Eigenschaften auf. Die Rebsorte ist anfällig gegen den Echten Mehltau, Falschen Mehltau, Botrytis, Rebzikaden und Viruskrankheiten (besonders die Reisigkrankheit). Des Weiteren neigt sie zu Chlorose.
Verbreitung Anbauflächen von Pinot noir auf der Welt 2016. Die 20 Länder mit den größten Anbauflächen für Pinot noir hatten zusammen 97,5 % der Gesamtfläche weltweit. Land Rebfläche ha 2016K. Anderson, N. R. Aryal: Database of National, Regional and Global Winegrapes Bearing areas by Variety, 1960 to 2016, Format: xlsx, (englisch), 30. August 2020. 31.602 22.998 11.184 5.514 5.057 4.806 4.209 4.402 2.366 1.930 1.866 1.153 1.092 969 918 697 639 633 640 546 Weltanbaufläche 2016 105.480
Aufgrund seiner geschmacklichen Qualität und seines feinen Duftes findet der Pinot noir trotz der Probleme beim Anbau wieder zunehmend Beachtung. Die weltweite Anbaufläche hat sich von 1960 mit nur 10.375 ha über 1990 (41.539 ha) und 2000 (68.742 ha) auf 105.480 ha im Jahr 2016 vergrößert. Sie belegt damit im weltweiten Rebsortenranking den Rang 10.
Frankreich mini|Pinot noir-Reben im Gebiet Côte chalonnaise