Zofia Jadwiga Szmydt (* 29. Juli 1923 in Warschau; † 26. November 2010 ebenda) war eine polnische Mathematikerin.

Leben Zofia Jadwiga Szmydt wurde am 29. Juli 1923 als Tochter von Józef Konstanty Szmydt (1885–1960) und Zofia Wanda Szmydtowa (geb. Gąsiorowska, 1893–1977) in Warschau geboren. Die Elternfamilie stammte ursprünglich aus der Vilnius-Region, einem Gebiet im heutigen Litauen und Belarus, doch die akademische Karriere der Mutter, sie wurde schließlich Professorin an der Warschauer Fakultät für Geschichte und polnische Literatur, führte die Familie nach Warschau. Zofia Jadwiga Szmydt hatte eine ältere Schwester, Maria Danuta Szmydt (1920–2011).

Nach der Schulzeit und dem Abschluss am Cecylia-Plater-Zyberk-Gymnasium bestand sie die Aufnahmeprüfung in Mathematik und Physik an der geheimen Universität Warschau. Da die Nazis nach dem Überfall auf Polen jede höhere Bildung für Polen zu unterbinden suchten, war das Studium nur im Untergrund möglich. Nach dem Warschauer Aufstand wurde die Familie vertrieben und ging nach Krakau. An der dortigen Jagiellonen-Universität studierte Szmydt nach dem Zweiten Weltkrieg 1945/46 weiter und erhielt mit der Arbeit „O pierwiastkach charakterystycznych macierzy“ (Über die Eigenwerte einer Matrix) ihren Master-Abschluss. Unter der Leitung von Tadeusz Ważewski begann sie die Arbeit an ihrer Dissertation „O całkach pierwszych równania różniczkowego“ (Über die ersten Integrale einer Differentialgleichung), mit der sie 1949 promoviert wurde. 1951 wurde sie an der Jagiellonen-Universität zur Assistenzprofessorin und 1954 zur Dozentin befördert. 1958 erfolgte ihre Habilitation mit der Dissertation „Problemy graniczne nowego typu dla równań różniczkowych cząstkowych hiperbolicznych“ (Ein neuer Typ von Grenzwertproblemen für partielle, hyperbolische Differentialgleichungen). Neben ihrer Anstellung an der Jagiellonen-Universität war sie seit 1949 auch am Krakauer Zweig in der Abteilung Differentialgleichungen des mathematischen Instituts der polnischen Akademie der Wissenschaften tätig. Dort wurde sie 1953 Oberassistentin und ab dem 1. August 1954 unabhängige Wissenschaftlerin. Seit diesem Jahr war sie auch am Mathematik-Lehrstuhl der chemischen Fakultät der Technischen Universität Warschau tätig. 1958/59 erhielt sie ein Stipendium für einen sechsmonatigen Forschungsaufenthalt in Italien und anschließend zwei italienische Stipendien 1960 und 1962. mini|Zofia Szmydts Grabstelle auf dem Powązki-Friedhof 1971 zog sie nach Warschau, um ihre erkrankte Mutter zu pflegen, und arbeitete bis zu ihrem Ruhestand 1993 an der Universität Warschau, wo sie ab 1984 den Rang einer ordentlichen Professorin innehatte. Zofia Jadwiga Szmydt starb am 26. November 2010 im Alter von 87 Jahren und wurde auf dem Powązki-Friedhof begraben.

Werk Szmydt befasste sich hauptsächlich mit gewöhnlichen Differentialgleichungen, hyperbolischen Systemen mit zwei unabhängigen Variablen, Integraltransformationen und Distributionstheorie. Sie hatte über 60 Veröffentlichungen, darunter drei Bücher, siehe unten. In ihrer Doktorarbeit befasste sie sich mit der Existenz nichttrivialer Lösungen von Differentialgleichungen auf offenen, einfach zusammenhängenden Mengen in der Ebene. Sie bewies, dass es zu jedem ein einfach zusammenhängendes Gebiet und darauf eine beliebig oft differenzierbare Funktion gibt, so dass jede Lösung der Gleichung ,

die auf alle Ableitungen bis zur Ordnung besitzt, notwendig konstant sein muss, was aber nicht für Funktionen mit Ableitungen bis zur Ordnung der Fall sein muss. In ihrer Warschauer Zeit arbeitete sie besonders mit Bogdan Ziemian (1953–1997), einem ihrer drei Doktoranden, zusammen und veröffentlichte mit ihm insgesamt 18 wissenschaftliche Artikel. Ihre Arbeiten umfassten unter anderem Differentialoperatoren mit speziellen polynomialen Koeffizienten und das Lösungsverhalten elliptischer Differentialgleichungen mit Singularitäten.

Szmydt ist Autorin bzw. Mitautorin folgender Lehrbücher:

Ehrungen 1956 erhielt Szmydt den Stefan-Banach-Preis der polnischen mathematischen Gesellschaft. 1973 wurde sie auf Vorschlag Bogdan Bojarskis hin mit dem Ritterkreuz des Ordens Polonia Restituta ausgezeichnet.

Einzelnachweise In der englischen Wikipedia und bei der Quelle MacTutor findet sich eine Fotografie.

Siehe Stefan-Banach-Preis und dortige Quellenangaben.

Kategorie:Mathematiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Ordens Polonia Restituta (Ritter) Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1923 Kategorie:Gestorben 2010 Kategorie:Frau