Raphael Schäfer (polnisch Rafał Szaefer; * 30. Januar 1979 in Kędzierzyn-Koźle, Polen) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler auf der Position des Torwarts.
Biografie Kindheit und Jugend Raphael Schäfer wurde 1979 als Angehöriger der deutschen Minderheit im oberschlesischen Kędzierzyn-Koźle geboren und kam 1986 mit seinem Vater als Aussiedler nach Norddeutschland. Im Jahr 1987 begann er beim SC Drispenstedt aus dem Hildesheimer Stadtteil Drispenstedt mit dem Fußballspielen. Mit zwölf Jahren holte ihn Hannover 96 in die Jugendmannschaft des damaligen Zweitligisten.
Verein Zur Saison 1996/97 rückte der 17-jährige Schäfer in den Kader der ersten Mannschaft von Hannover 96, die in der Regionalliga spielte. In den folgenden beiden Spielzeiten, nach denen die Mannschaft wieder in die zweite Liga aufstieg, schaffte er es jedoch nicht in die Stammformation. So entschied er sich zur Saison 1998/99, zum VfB Lübeck zurück in die Regionalliga Nord zu wechseln. Nach acht Einsätzen in der Saison 1998/99 entwickelte er sich in der Folgesaison zum Stammtorhüter und absolvierte 33 Ligaspiele. 2000/01 war er in 35 Meisterschaftsspielen im Einsatz. Drei Jahre lang erreichte der VfB nur den Platz unmittelbar hinter den Aufstiegsrängen zur 2. Bundesliga.
1. FC Nürnberg mini|links|Kapitän Schäfer reckt den DFB-Pokal 2007 in die Höhe, den er in seinem letzten Spiel der ersten Nürnberger Zeit gewann.
Im Sommer 2001 wechselte Schäfer zum 1. FC Nürnberg, der gerade in die 1. Bundesliga aufgestiegen war. Hier musste er sich mit dem Posten des Ersatzkeepers hinter Darius Kampa zufriedengeben und gab dennoch am 16. März 2002 sein Erstligadebüt gegen Borussia Mönchengladbach. Trotz einer guten Leistung musste er zum nächsten Spiel wieder ins zweite Glied zurücktreten. Dort verbrachte er auch die folgende Saison, sodass er bis zum Zeitpunkt des Abstiegs der Nürnberger im Sommer 2003 lediglich drei Bundesligaspiele absolviert hatte.
Mit dem Beginn der Zweitligasaison 2003/04 änderte sich die Situation im Nürnberger Tor. Auch weil die Vereinsführung um den damals in Doppelfunktion (Trainer und Manager) tätigen Wolfgang Wolf auf einen gewinnbringenden Verkauf Kampas spekulierte, wurde Schäfer zur Nummer 1 ernannt. Als Kampa im Verein blieb und nicht verkauft wurde, verteidigte Schäfer seinen Posten als Stammtorwart und absolvierte 33 Spiele für den 1. FC Nürnberg.
Auch nach dem Wiederaufstieg zu Beginn der Saison 2004/05 setzte sich Schäfer im Duell um den Platz zwischen den Pfosten durch, diesmal gegen Daniel Klewer. Nach überstandener Verletzung trug er in der Rückrunde zum Klassenerhalt bei, sodass seine Position als Stammkeeper beim 1. FC Nürnberg zu Beginn der Saison 2005/06 zum ersten Mal nahezu unumstritten war. Er absolvierte alle 34 Bundesligaspiele und wurde einmal verletzungsbedingt ausgewechselt.
Zur Saison 2006/07 wurde Schäfer zum Mannschaftskapitän gewählt. Die Fans wählten ihn in der Winterpause über Internetabstimmung zum Cluberer der Hinrunde.Cluberer der Hinrunde: Raphael Schäfer, 4. Januar 2007 In seinem vorerst letzten Pflichtspiel für Nürnberg traf Mannschaftskapitän Schäfer im Finale des DFB-Pokals 2006/07 auf seinen zukünftigen Verein, den amtierenden Deutschen Meister VfB Stuttgart. Das Spiel endete 3:2 nach Verlängerung für den Club.
VfB Stuttgart Am 23. Januar 2007 einigten sich der 1. FC Nürnberg und der VfB Stuttgart auf einen Transfer von Schäfer zur Saison 2007/08. Zwar wäre sein Vertrag am Saisonende ausgelaufen, jedoch nutzte der 1. FC Nürnberg eine Option auf Verlängerung. Somit zahlte der VfB eine Ablösesumme, da er ihn sofort als Ersatz für den ins Ausland gewechselten Stammtorhüter Timo Hildebrand verpflichten wollte. Schäfer einigte sich mit den Stuttgartern auf einen bis 2011 gültigen Vierjahresvertrag. Sein erstes Ligaspiel für die Schwaben bestritt er am 10. August 2007 beim Saisoneröffnungsspiel gegen den FC Schalke 04 (2:2). Außerdem spielte er erstmals im Europapokal: Mit dem VfB Stuttgart hatte er sechs Einsätze in der Champions League 2007/08, nach der Vorrunde kam jedoch das Ausscheiden mit nur drei Punkten. Schäfer hatte von Anfang an bei einigen Fans einen schlechten Stand, weil er im DFB-Pokalfinale 2007 als Kapitän des 1. FC Nürnberg eine rote Karte für den Stuttgarter Cacau gefordert hatte. Nach der Auswärtsniederlage am 18. Spieltag im Rückspiel gegen Schalke erhielt sein Konkurrent Sven Ulreich in den kommenden zehn Bundesligaspielen den Vorzug. Am 29. Spieltag gab Schäfer schließlich beim Heimsieg (3:0) gegen seinen ehemaligen Verein, den 1. FC Nürnberg, sein Comeback zwischen den Pfosten beim VfB. Vor dem letzten Saisonspiel daheim gegen Arminia Bielefeld boten Trainer Armin Veh und Manager Horst Heldt Schäfer an, bis zum Saisonende freigestellt zu werden, um ihn vor dem Unmut einiger Fans zu schützen. Schäfer entschied sich für die Freistellung. Am 25. Juni 2008 wurde sein Vertrag beim VfB aufgelöst; der Verein hatte Jens Lehmann als neuen Torhüter verpflichtet.
Wieder in Nürnberg mini|hochkant|Raphael Schäfer in seiner Rückkehr-Saison 2008
Zur Saison 2008/09 kehrte Schäfer zum 1. FC Nürnberg zurück, der zwischenzeitlich in die Zweite Bundesliga abgestiegen war. Er war laut Internetabstimmung der Neuzugang, auf den sich die Fans am meisten freuten.Umfrage auf fcn.de Er wurde sofort wieder Stammtorhüter mit Rückennummer 1. Zur Winterpause wurde er vom Kicker-Sportmagazin zum besten Torhüter der Zweiten Bundesliga gekürt,Meister und Lehrling als Spitzenduo, 23. Dezember 2008 auch wenn der Verein mit dem achten Platz hinter den eigenen Anforderungen zurücklag. Am 13. Mai 2009 blieb er im Spiel gegen den VfL Osnabrück zum neunten Mal in Folge in einem Heimspiel ohne Gegentor. Damit übertraf Nürnberg den bisherigen Zweitligarekord des KSV Hessen Kassel, der in der Saison 1980/81 784 Heimspiel-Minuten ohne Gegentor geblieben war. Bereits im vorherigen Heimspiel hatte Nürnberg den Rekord für die eingleisige Zweite Bundesliga gebrochen.Vidosic avanciert zum Sieggaranten, (kicker online, 4. Mai 2009) Im folgenden Heimspiel am letzten Spieltag gegen 1860 München endete die Serie nach 945 Minuten,Clubmagazin zum Relegations-Rückspiel als Schäfer in der 83. Minute ein Tor kassierte.„Mit Euch pack mer's!“, 24. Mai 2009 Außerdem war der 1. FC Nürnberg vom 24. bis zum 28. Spieltag in fünf Spielen ohne Gegentor geblieben, was einen neuen Vereinsrekord im Profifußball bedeutete. Schäfer hatte am Ende der Saison in allen 34 Ligaspielen, zwei Pokalspielen und einem Relegationsspiel durchgespielt. In der 87. Minute des zweiten Relegationsspiels gegen Energie Cottbus am 31. Mai 2009 bekam die Nummer 2, Daniel Klewer, noch einen Saisoneinsatz, nachdem die Entscheidung um den Aufstieg bereits gefallen war.Wir waren nur mal kurz weg, 31. Mai 2009 Schäfer hatte zudem den Großteil der Saison die Kapitänsbinde getragen, da der eigentliche Kapitän Andreas Wolf wegen zwei schwerer Verletzungen nur zu sieben Einsätzen gekommen war. Auch nach der Rückrunde wählte ihn der Kicker wieder zum besten Ligatorhüter.Schäfer: Sicher und souverän (kicker online, 8. Juni 2009) Da er zudem in 16 Spielen ohne Gegentor geblieben war, erhielt er vom DSF die Auszeichnung „Weiße Weste“.Raphaels weiße Weste: Jetzt auf CLUBtv, 17. August 2009
Am dritten Spieltag der Saison 2009/10 absolvierte Schäfer bei der 0:2-Heimniederlage gegen Hannover 96 sein 100. Erstligaspiel für den 1. FC Nürnberg.Nichts Zählbares gegen Hannover, 22. August 2009 Am 13. Spieltag sorgte er während eines 3:2-Sieges beim Meister VfL Wolfsburg für Aufsehen, als er dem früheren Nürnberger Zvjezdan Misimović zwischen die Beine trat.Schäfer-Urteil erst am Donnerstag (kicker online, 25. September 2009) Der Schiedsrichter ahndete dies nicht, das DFB-Sportgericht bezeichnete es jedoch am 26. November als „krass sportwidriges Verhalten in der Form einer Tätlichkeit gegen den Gegner nach einer zuvor an ihm begangenen sportwidrigen Handlung“ und sperrte den Torhüter für vier Ligaspiele. Der 1. FC Nürnberg legte zwar Einspruch ein und argumentierte, der Schiedsrichter habe die Situation sehen müssen, weshalb die Tatsachenentscheidung gelten müsse,Schäfer wehrt sich vehement (kicker online, 26. September 2009) nach einer mündlichen Verhandlung in Frankfurt wurde die Sperre jedoch bestätigt.DFB bestätigt Schäfer-Sperre, 27. November 2009 Schäfer wurde schließlich von Alexander Stephan vertreten, der dadurch zu seinem Profi-Debüt kam. In der Rückrunde zeigte Schäfer wieder stabile Leistungen und musste nur einmal ausgewechselt werden, als er eine Verletzung erlitt. Der Verein beendete die Saison auf dem Relegationsplatz. In den folgenden Spielen gegen den FC Augsburg blieb Schäfer wieder ohne Gegentor und der Klassenerhalt gelang. Am Ende der Saison wählten ihn über 25.000 Fans zum Cluberer der Saison.Raphael Schäfer ist „Cluberer der Saison 2009/10“, 1. Juni 2010
In der Spielzeit 2010/11 stand Schäfer bei allen 34 Ligaspielen in der Startelf und musste nur einmal ausgewechselt werden. Am Ende belegte der FCN den sechsten Rang.
mini|links|hochkant|Raphael Schäfer bei einer Autogrammstunde 2011 Am dritten Spieltag der Saison 2011/12 konnte Schäfer verletzungsbedingt nicht antreten und wurde erstmals von Patrick Rakovsky vertreten, der danach für mehrere Jahre als möglicher Nachfolger als Stammtorwart gehandelt wurde. Allerdings war auch dieser nach nur zwei Spielen nicht mehr einsatzfähig, wodurch wieder Stephan spielte, bis Schäfer am zwölften Spieltag zurückkehrte und den Rest der Saison durchspielte.
2012/13 kam Schäfer zu 31 Spielen, am achten Spieltag musste er gegen Rakovsky ausgewechselt werden, der auch in den folgenden drei Partien zwischen den Pfosten stand.
mini|hochkant|Raphael Schäfer 2013 2013/14 war Schäfer ebenfalls Stammspieler. Nur am 24. Spieltag musste er ausgewechselt werden und am letzten Spieltag, an dem der Abstieg theoretisch noch hätte verhindert werden können, konnte er nicht antreten. Wieder war in beiden Fällen Rakovsky der Ersatzspieler.
Nach dem Abstieg war Schäfer zunächst auch in der zweiten Liga 2014/15 Stammtorhüter des Clubs. Im Laufe der Hinrunde konnte ihm jedoch Patrick Rakovsky den Rang als Nummer eins im Tor ablaufen, Schäfer musste sich sogar mit Position drei zufriedengeben. Nach einigen Fehlern von Rakovsky gab Trainer René Weiler allerdings wieder Schäfer den Vorzug. Insgesamt hatte Schäfer 14 und Rakovsky 21 Einsätze zu verzeichnen. Der Verein war mit Platz neun deutlich hinter den eigenen Anforderungen zurückgeblieben.