Die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen (GWDG) ist eine gemeinsame Einrichtung der Universität Göttingen und der Max-Planck-Gesellschaft. Gegründet 1970, ist die GWDG das Hochschulrechenzentrum der Universität Göttingen sowie ein Rechen- und IT-Kompetenzzentrum der Max-Planck-Gesellschaft. Die GWDG betreibt eigene Forschung im Bereich der praktischen und angewandten Informatik und ist an zahlreichen ForschungsprojektenGWDG: Forschungsprojekte, Forschungsprojekte beteiligt. Zudem ist sie Mitglied des Deutschen Forschungsnetzes.

Aufgaben und Struktur der GWDG Rechen- und IT-Kompetenzzentrum Die GWDG ist eine gemeinsame Einrichtung der Georg-August-Universität Göttingen – Stiftung Öffentlichen Rechts und der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. (MPG). Sie erfüllt die Funktion eines Rechen- und IT-Kompetenzzentrums für die Max-Planck-Gesellschaft und des Hochschulrechenzentrums für die Universität Göttingen. Ihre Forschungsaufgaben liegen im Bereich der Praktischen und Angewandten Informatik. Ferner fördert sie die Ausbildung von Fachkräften für Informationstechnologie.

Laut Gesellschaftsvertrag fördert die GWDG die Wissenschaft und Forschung, indem sie ein DV-Versorgungssystem für Forschungseinrichtungen und Universitäten betreibt, bei der wissenschaftlichen Gestaltung der IT/TK-Technologie für Forschungsprojekte und universitäre Lehre mitwirkt, für Forschungseinrichtungen und Universitäten als Forschungsförderungseinrichtung Leistungen erbringt, wissenschaftliche Anwender bei der Lösung von Problemen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie berät und bei der Umsetzung der Problemlösungen mitwirkt, wissenschaftliche und Anwender von Informations- und Kommunikationstechnologie aus- und weiterbildet, eigene Forschung auf dem Gebiet der Praktischen und Angewandten Informatik, insbesondere zur Methodik des Rechnereinsatzes, für die Lösung wissenschaftlicher Fragen betreibt. Das gesamte von der GWDG betreute DV-Versorgungssystem ist dabei Objekt der Untersuchung.

Zu den Aufgaben gehören insbesondere der Betrieb von Hochleistungsrechnern (Parallelrechner), die Bereitstellung von Spezialsystemen und die Betreuung des Übertragungsnetzes GÖNET, das die Göttinger Institute verbindet. Über die GWDG ist das GÖNET mit dem nationalen Wissenschaftsnetz X-WiN und dem Internet verbunden.

Als IT-Kompetenzzentrum berät und unterstützt die GWDG die von ihr betreuten Institute bei allen Fragen der wissenschaftlichen Datenverarbeitung.

Forschung im Bereich der Praktischen und Angewandten Informatik Die GWDG ist eine wissenschaftliche Einrichtung, die Fragestellungen aus der Praktischen und Angewandten Informatik, insbesondere zur Methodik des Rechnereinsatzes zur Lösung wissenschaftlicher Probleme erforscht. Dieser Themenkreis umfasst solche Teilgebiete wie Rechnerbetriebssysteme, Rechnernetze, Datenübertragungstechnik, Algorithmik, Netz-, System- und Anwendungsmanagement und Organisationslehre der Datenverarbeitung. Empirische Daten werden dieser Forschung bei der GWDG durch den eigenen Rechenzentrumsbetrieb geliefert.

Weitere Aktivitäten der GWDG sind wissenschaftliche Tagungen bzw. Workshops, in denen die GWDG in wissenschaftlichen Austausch mit den Universitäts- und Max-Planck-Instituten tritt, das Publikationswesen, die wissenschaftliche Bibliothek und das Rechnermuseum.

Ausbildung von Fachkräften für Informationstechnologie Die GWDG fördert die Ausbildung von Fachkräften aus dem Bereich des wissenschaftlichen, technischen und des Verwaltungspersonals.

Zum einen durch die Beschäftigung von Auszubildenden mit Plätzen für ein Duales Studium oder Ausbildungsplätzen für IHK-Fachinformatiker sowie Kaufleute für Büromanagement. Zum anderen aber auch durch das Angebot von Plätzen für Praktikanten und durch ein umfangreiches Kursangebot für die Nutzer der GWDG und spezielle Kursangebote für Auszubildende im Rahmen der GWDG Academy.

Die GWDG bildet seit 1979 aus. Anfangs gab es zwei Ausbildungsplätze, später kamen weitere dazu. Es gibt zurzeit die beiden Ausbildungsgänge „Fachinformatiker(in) Anwendungsentwicklung“ und „Fachinformatiker(in) Systemintegration“ mit den Schwerpunkten „Nutzerservice und Betriebsdienste“ oder „IT-Infrastruktur“ bei der GWDG. Der kaufmännische Ausbildungsgang wird ab August 2025 neu angeboten.

Gesellschafter und der Aufsichtsrat Die GWDG ist eine gemeinsame Einrichtung der Georg-August-Universität Göttingen – Stiftung Öffentlichen Rechts und der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V., die somit die beiden Gesellschafter darstellen und jeweils zur Hälfte beteiligt sind. Im Jahr 2005 hatte das Land Niedersachsen seinen Anteil an der GWDG auf die Stiftungsuniversität Göttingen übertragen. Der Aufsichtsrat hat die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Aufgaben und Pflichten zu erfüllen, insbesondere die Überwachung und Beratung der Geschäftsführung. Die Gesellschafter entsenden jeweils bis zu vier Mitglieder in den Aufsichtsrat. Den Vorsitz im Aufsichtsrat und den stellvertretenden Vorsitz führen im zweijährigen Wechsel ein Vertreter der Max-Planck-Gesellschaft und der Universität Göttingen.

Nutzervertretung Die Nutzervertretung sammelt die in ihrem Bereich festgestellten Anforderungen zur DV-Nutzung im Forschungs- und Verwaltungsbereich der wissenschaftlichen Einrichtungen, macht Vorschläge zu Änderungen bzw. Neuerungen an von der GWDG angebotenen Dienstleistungen und berät diese mit der GWDG. Die GWDG informiert die Nutzervertretung über geplante Einsätze neuer IT-Technologien und neuer Dienstinhalte und -formen. Die Nutzervertretung kann dazu Stellung nehmen und leitet diese Informationen an die Nutzer ihres Bereichs weiter. Sie besteht aus 20 Mitgliedern und ist jeweils zur Hälfte mit Vertretern aus Einrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft und der Universität Göttingen besetzt. Die Nutzervertretung wählt aus ihrer Mitte einen Vorsitzenden sowie einen Stellvertreter. Den Vorsitz und den stellvertretenden Vorsitz führen im zweijährigen Wechsel ein Vertreter der Max-Planck-Gesellschaft und der Universität Göttingen.

Organisationsstruktur Die derzeitige Organisationsstruktur der GWDG, die seit dem 1. Dezember 2004 besteht, ist auf die unterschiedlichen Dienstleistungsbereiche ausgerichtet. Es gibt sieben Arbeitsgruppen, auf die die Aufgaben und Verantwortungsbereiche aufgeteilt sind:

Arbeitsgruppe Computing (AG C) Die Arbeitsgruppe Computing befasst sich mit allen Aufgaben rund um das Thema Computing: Betrieb der High-Performance Computing (HPC)-Systeme und -Infrastruktur, Forschung an HPC-verwandten Themen, Beratung, Hosting und Housing, Betreuung von Projekt- und Abschlussarbeiten sowie Schulungen rund um die Nutzung der HPC-Systeme. Unterstützung der Lehre des Lehrstuhls High-Performance Storage an der Universität Göttingen Arbeitsgruppe Organisation, Betrieb und Entwicklung von Diensten (AG D) Anwendungssysteme: Academic Cloud, Bibliothekssysteme (Aleph, koha), Chat-Systeme, Dokumentationssysteme, Langzeitarchivierung, Lernmanagement-Systeme, Quellcode-Verwaltung, Sync & Share-Dienste, Umfragedienste, Videokonferenzsysteme Basisdienste: Betrieb virtueller Web-Server, CI/CD, Client-Backup, Containering, Datenbanken, Konfigurationsmanagement, Kubernetes, Monitoring & Alerting, Zentrales Logging Betriebliche Organisation: Apple-Beratungszentrum, Ausbildung (Fachinformatiker/Fachinformatikerin Anwendungsentwicklung), Beschaffung & Verwaltung von Softwarelizenzen, GWDG Academy, Institutsbetreuung, Public-Key-Infrastruktur Identitäts- und Authentifizierungssysteme: Accountverwaltung, Identitätsmanagement, ID-Portal, Kundenportal, Single Sign-on Entwicklung: Accounting, Microservices, OpenCampus, UI/UX Design, URL Shortener, Websites Arbeitsgruppe eScience (AG E) Erforschung und Entwicklung von digitalen Infrastrukturen für Wissenschaft, Wirtschaft und die öffentliche Hand. Schwerpunkte: Daten- und Informationsmanagement, Forschungsdateninfrastrukturen, IT Service Management, Datenanalyse und Cloud-Computing Unterstützung der Lehre des Lehrstuhls Praktische Informatik, Zentrum für Angewandte Informatik der Georg-August-Universität Göttingen Unterstützung der Göttingen eResearch Alliance Arbeitsgruppe Nutzerservice und Betriebsdienste (AG H) Helpdesk, Benutzerbetreuung, Überwachung der Betriebsbereitschaft, Management-Systeme, Bearbeitung spezieller Benutzeraufträge, Print-Services einschl. Großformatdruck und Betrieb Peripherie-Geräte, E-Mail-Service, Web-2.0-Dienste, Hosting von Systemen, AD-Services, Verzeichnis- und Informationsdienste, Multimedia Arbeitsgruppe IT-Infrastruktur (AG I) File- und Backup/Archiv-Services, Betrieb von virtuellen Servern, Basis-Infrastruktur, Datenschutz Arbeitsgruppe Netze (AG N) Wissenschaftsnetz, Datenübertragungsnetze Arbeitsgruppe Verwaltung und Querschnittsaufgaben (AG V) Finanzbuchhaltung, Inventarverwaltung, Personalwesen, Einkauf, Ausschreibungen, Drittmittelverwaltung, Vertragsverwaltung, Controlling, Wirtschaftsplan / Mittelfristige Finanzplanung, Kosten- und Leistungsrechnung, Reiseplanung und -abrechnung

Geschichte Zeittafel Am 29. April 1970 fand die Gründungsversammlung der GWDG statt. Die beiden Gesellschafter Land Niedersachsen für die Universität Göttingen und Max-Planck-Gesellschaft beteiligten sich zu je 50 % am Kapital der GWDG, und auch die jährlichen Kosten sollten nach dem ebenfalls am 29. April 1970 geschlossenen Konsortialvertrag je zur Hälfte getragen werden. Das wichtigste Ziel war die Realisierung von Synergien in der Informationsverarbeitung durch den gemeinsamen Betrieb eines Rechenzentrums. Im Jahr ihrer Gründung nahm die GWDG einen Universalrechner UNIVAC 1108 in Betrieb. Er war durch seine Architektur besonders für numerische Anwendungen geeignet. Die CPU leistete ungefähr 1 Million Instruktionen pro Sekunde, also 1 MIPS. Über acht Ein-/Ausgabe-Kanäle wurden unter anderem zwei Magnettrommelsysteme mit insgesamt ca. 25 Megabyte Speicherplatz betrieben. Am 23. Februar 1976 wurde Dieter Wall zum wissenschaftlichen Geschäftsführer bestellt und damit Nachfolger von Bruno Brosowski. Wall hat die Gründung der GWDG vorbereitet, bei ihrem Aufbau mitgewirkt und sie bis zu seiner Pensionierung Mitte 1997 maßgeblich gestaltet und geprägt. Von 1979 an war er Mitglied und von 1988 bis 1994 Vorsitzender der Kommission für Rechenanlagen der DFG.

Am 14. September 1979 wurde die UNIVAC 1108 durch das Nachfolgemodell UNIVAC 1100/82 mit einer Rechenleistung von 5 MIPS bei zwei Prozessoren ersetzt.

Am 1. November 1979 wurde der erste PC vom Typ Commodore PET 2001 für die interne Nutzung in der GWDG in Betrieb genommen. Der frei programmierbare Tischrechner mit BASIC-Interpreter hatte eine Taktrate von 1 Megahertz, eine Hautspeicherkapazität von 8 Kilobyte und ein Magnetbandkassettenlaufwerk.

Am 10. Juli 1981 ging die Rechenanlage VAX 11/780 mit angeschlossenem Farbgrafiksystem in Betrieb. Ihre Hauptanwendung war das Farbgrafiksystem AYDIN 5216 (für interaktive grafische Anwendungen), bestehend aus zwei hochauflösenden Farbmonitoren mit Tastatur und Joystick. Später kam noch das Grafik-Tablett „Digi-Pad 5“ zur interaktiven Digitalisierung von grafischen Darstellungen hinzu, das mit einem Abtaststift arbeitete.

Am 15. Oktober 1984 wurde mit der Inbetriebnahme eines COM-Gerätes (Computer Output on Microfilm) Benson 343 eine bedeutende Erweiterung des grafischen Ausgabeangebotes erreicht. Es konnten Texte und farbige Grafiken auf Mikrofiches (105 mm), 35-mm-Diafilm und 16-mm-Schmalfilm (nur schwarz-weiß) ausgegeben werden. Als zusätzliche Ausstattung für die Arbeit mit Mikrofiches wurden Lesegeräte, ein Entwicklungsgerät, ein Vervielfältigungsgerät und ein Rückvergrößerungsgerät beschafft.

1987 wurde erstmals eine Verbindung der GWDG zum Deutschen Forschungsnetz WiN und damit auch erstmals zum Internet eingerichtet. Die Übertragungsrate betrug 64 Kilobit/s.