Der Lippische Künstlerbund e. V. (LKB) ist ein Zusammenschluss von Künstlerinnen und Künstlern aus Ostwestfalen-Lippe. Gegründet wurde er unter dem Vorsitz von Bruno Wittenstein in Detmold im April 1913, gefördert durch Fürst Leopold IV. zur Lippe, als Interessenvertretung der damals im Fürstentum Lippe lebenden Kunstschaffenden.

Geschichte

Gründungsjahre Mit dem Vorsitzenden Ernst Rötteken entstand in den 1920er Jahren eine Zusammenarbeit zwischen dem LKB und der politischen Ebene des neu gegründeten Landes Lippe, besonders über Kontakte und Vermittlung des sozialdemokratischen Abgeordneten und späteren Landespräsidenten Heinrich Drake.

In der schwierigen wirtschaftlichen Lage nach dem Ersten Weltkrieg initiierte der Lippische Künstlerbund Auftragsvermittlungen zwischen den lippischen Landesbehörden und Künstlerinnen und Künstlern. Offiziell wurde es dem Künstlerbund übertragen, über von der Regierung ausgelobte Aufträge als alleiniger Ansprechpartner, Mittler und Entscheider zu fungieren. Kunstwerke lippischer Künstlerinnen und Künstler wurden in Behörden, Schulen und in das Lippische Landesmuseum übernommen. Diese Praxis wurde auch später während der NS-Zeit beibehalten.LAV NRW OWL L 80.21 Nr. 4468

1923 war der LKB federführend bei der Gründung einer Lippischen Landes-Kunsthalle im Marstall am Detmolder Schlossplatz.LAV NRW OWL L 79 Nr.5001, LAV NRW OWL L 80.20 Nr.408, LAV NRW OWL D 23 Detmold Nr. 4845

1930 tritt der langjährig von der Lippischen Landesregierung in Ausbildung und Studium durch Stipendien und reine Geldzahlungen unterstützte Bildhauer Heinrich Drake dem Lippischen Künstlerbund bei.LAV NRW OWL L 80.21 Nr. 4468

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Die Situation kurz vor, während und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war für den LKB und den seit 1928 den Bund leitenden Vorsitzenden Karl Henckel sehr herausfordernd. Noch am 2. Januar 1933 machte er in der Mitgliederversammlung klar, „der Lippische Künstlerbund sei keine Vereinigung, um Almosen zu empfangen und zu verteilen, sondern in heutiger Notzeit eine Kampfgruppe für die Rechte der Künstler, die auch Forderungen haben dürfen, einzutreten. Dazu müsse der LKB aber seine Existenzberechtigung beweisen, was er wieder nur kann, indem er der Öffentlichkeit durch Ausstellungen zeigt, was er leistet ... das Interesse an der Kunst sei noch wach“. Auch erinnert er daran, dass das Jubiläumsjahr für den Verein (20 Jahre Lippischer Künstlerbund und 10 Jahre Kunsthalle) im Sommer mit einer Sonderausstellung gewürdigt werden soll.LAV NRW OWL, D 107/83 Nr. 43

Zeit des Nationalsozialismus In der Mitgliederversammlung am 8. Mai 1933 teilt Henckel dann mit, dass davon die Rede sei, „den Lippischen Künstlerbund e.V. von Regierungsseite aufzulösen, um die gesamte deutsche Künstlerschaft in einem Reichsverband zusammenzuschließen.“ In einer außerordentlichen Generalversammlung im Juni 1933, erfahren die Mitglieder, laut Verfügung der Lippischen Landesregierung „sei der Lippische Künstlerbund e.V., Sitz Detmold, mit sofortiger Wirkung aufgelöst“. Eine besondere Begründung wird nicht angegeben.LAV NRW OWL, D 107/83 Nr. 43

Den Vorschlag Henckels, das Vermögen des Bundes der neuen Bezirksgruppe Lippe des neuen Reichsverbandes zufließen zu lassen, lehnt die Versammlung ab und schließt sich dem Vorschlag Ernst Röttekens an, der sich auf §12 der Satzung bezieht, die Auflösung des Vereins betreffend: die letzte Generalversammlung kann mit einfacher Mehrheit über die Verwendung des Vermögens entscheiden. Er stellt den Antrag, das Vermögen unter den Mitgliedern zu gleichen Teilen zu verteilen. Die letzte Versammlung des LKB e.V. wurde mit gegenseitigem Händedruck am 26. Juni 1933 um 21.15 Uhr geschlossen.LAV NRW OWL, D 107/83 Nr.43

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten bestand die einzige Möglichkeit, seinem Beruf als Künstler nachzugehen darin, dass man nach Abschaffung des Reichsverbands der neu gegründeten Reichskammer der Bildenden Künste beitrat. Als Obmann des RKbK Lippe wurde 1933 Hauptmann a. D. Steinecke eingesetzt (Mitglied im LKB, Maler und Grafiker, Verleger). Der Vorsitzende des LKB Karl Henckel bemühte sich, im Sinne des bisherigen Vereins weiter wirken zu können. Er bewarb sich für den Stellvertreterposten in der neu gegründeten Bezirksuntergruppe, der ihm auch übertragen wurde.LAV NRW OWL L 80.21 Nr. 4351

Nach der Gleichschaltung erreichte Henckel 1935, über für Lippe geltende Ausnahmegenehmigungen, den Verein in seiner alten Struktur offiziell wieder aufleben zu lassen und bekam 1936 die Genehmigung der Reichskammer der bildenden Künste Berlin, den LKB als selbständige Vereinigung für Lippe und Schaumburg-Lippe zu führen. Der Verein kann eine Satzung einreichen und sich beim Amtsgericht eintragen lassen, wobei die RKbK bemängelt, dass „einzelne Künstler wiederholt Gestaltungen hervorbringen, die mit den nationalsozialistischen Grundsätzen von Kunst und Künstler nicht vereinbar sind“.LAV NRW OWL, D 107/83 Nr. 43LAV NRW OWL, D 107/83 Nr.43

Auch in den Kriegsjahren finden die obligatorischen Weihnachtsausstellungen des Künstlerbundes statt, wobei die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kunstschaffenden zunehmend schwieriger werden. Die Vereinstätigkeit des Lippischen Künstlerbundes ruht ab 1943. Die Mitglieder überlegen den Verein aufzulösen, da die Reichskammer andeutet, „in Anbetracht der Schwere der Zeit, jegliche Ausstellungstätigkeit zu verbieten“. Karl Henckel bleibt Vorsitzender.LAV NRW OWL, D 107/83 Nr. 43

Nachkriegszeit bis heute 1945 setzen die Alliierte Heinrich Drake wieder als Landespräsident von Lippe und Schaumburg ein. In Absprache mit dem bisherigen Vorsitzenden des Lippischen Künstlerbundes Karl Henckel, nimmt der aus dem Ruhrgebiet stammende und in Lippe gestrandete Maler und Grafiker Thomas Grochowiak zum Landespräsidenten Kontakt auf, um grundsätzliche Forderungen und Anforderungen für einen neuen Zusammenschluss der ernst zu nehmenden lippischen Künstler anzuregen. Henckel bereitet gleichzeitig die erste Weihnachtsausstellung des LKB für 1945 im Hermannssaal des Palais’ in Detmold vor („… die Behörde sorgt für die Erwärmung des Raumes … “).LAV NRW OWL L 80.21 Nr. 4468, LAV NRW OWL, D 107/83 Nr. 43

Der Landespräsident sagt dem Bund seine Unterstützung zu und betraut ihn damit, mit Karl Henckel als Ausstellungsleiter, eine große Lippische Kunstausstellung zu organisieren. Künstler aus Lippe und Schaumburg-Lippe sind aufgerufen, bis zu acht Werke einzureichen, wobei auf die unzulänglichen Verkehrsverbindungen hingewiesen wird und die damit verbundenen Schwierigkeiten, die Werke anzuliefern. Die Ausstellung findet, vom 17. Mai bis 22. Juni 1946 im Lippischen Landesmuseum in Detmold, Neustadt 12, statt. Die von Karl Henckel als Ausstellungsleiter eingesetzte Jury besteht aus Maler Wilhelm Köster, Maler Walter Kramme, Malerin Margarete Krieger und Bildhauer Robert Henckel. Im Januar 1947 lässt sich Heinrich Drake auf die Liste der den LKB fördernden Mitglieder eintragen: Mitglied Nr. 1.LAV NRW OWL L 80.21 Nr. 4468

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Unter dem Vorsitz von Wilhelm Köster und unter dem Einfluss in der Region gestrandeter Künstlerinnen und Künstler, entwickelte sich ein den zeitgenössischen Strömungen der Bildenden Kunst zunehmend öffnender Verein.LAV NRW OWL D 107/83 Nr. 43, D 106 Detmold 4846, D 83 Nr. 436 a+b

Die heute im Lippische Künstlerbund vereinigten Kunstschaffenden greifen individuell zeitgenössische Strömungen und Konzepte der Bildenden Kunst auf und stellen sie in regelmäßigen Ausstellungen, Publikationen und Projekten zur Diskussion (u. a. jährliche Ausstellungen in der Galerie Eichenmüllerhaus in Lemgo).Katalog 100 Jahre Lippischer Künstlerbund, 2017

Persönlichkeiten Bruno Wittenstein, Gründungsmitglied, Vorsitzender 1913–1914 Ernst Rötteken, Gründungsmitglied, Vorsitzender 1914–1928, 1936–1938 Karl Henckel, Vorsitzender 1928–1933, 1935–1936, 1938–1946 Wilhelm Köster, Vorsitzender 1947–1949 Emil Schulz-Sorau, Vorsitzender 1949–1968

Veröffentlichungen Katalog zur Ausstellung des LKB 1947 Katalog zur Ausstellung des LKB 1954 Katalog zur Ausstellung des LKB in Esbjerg (DK) 1966 Katalog zur Ausstellung des LKB 1967 Katalog zur Ausstellung des LKB in Saint-Omer (F) 1970 Katalog zur Ausstellung des LKB 1992 Katalog zur Ausstellung des LKB, LKB und Gäste, 1997 Katalog zur Ausstellung des LKB in Hasselt (B) 2001 Katalog zur Ausstellung des LKB, Querschnitt 07, 1997 100 Jahre LKB, Eigenverlag, 2017 Andreas Fuchs, Chronologie des Lippischen Künstlerbundes 1913/1917–1963/1967, LKB-Eigenverlag, 2022

Weblinks Website des Lippischen Künstlerbundes

Einzelnachweise

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