Guy Katz (; * 1982 in Israel) ist ein israelisch-deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Hochschullehrer und Aktivist gegen Antisemitismus. Er ist Professor für International Management an der Hochschule München. Katz initiierte die Demonstration „365 Tage – München gegen Antisemitismus“, die am 6. Oktober 2024 nach Polizeischätzungen rund 10.000 Teilnehmer auf den Münchner Odeonsplatz brachte und als eine der größten Kundgebungen gegen Antisemitismus in Deutschland gilt, sowie die länderübergreifende Initiative DACH gegen Hass. Er war in der Vergangenheit außerdem als Geheimagent für den Mossad tätig.
Leben Katz wurde in Israel geboren und wuchs zunächst nahe der libanesischen Grenze auf; als Kind lebte er einige Jahre in München, wohin die Familie aus beruflichen Gründen des Vaters gezogen war. Nach dem Militärdienst in Israel kehrte er 2004 zum Studium nach Deutschland zurück. Er promovierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Arbeit über interkulturelle Verhandlungsführung zwischen Deutschland und Israel. Er war der erste Stipendiat des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (ELES) und erhielt 2011 die Ernst-Ludwig-Ehrlich-Medaille.
Nach einer Lehrtätigkeit an der FOM Hochschule wurde Katz 2023 als Professor für International Management an die Hochschule München berufen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind internationales Management, interkulturelle Verhandlungsführung und die deutsch-israelischen Wirtschaftsbeziehungen; als Experte äußerte er sich unter anderem im Bayerischen Rundfunk zur Rolle Bayerns als wichtigstem Handelspartner Israels innerhalb Deutschlands. Er gründete den vom Bayerischen Wirtschaftsministerium unterstützten Bavaria–Israel Partnership Accelerator.
Katz hielt zwei Vorträge bei TEDxZurich und gründete das TEDx-Format TEDxHM an der Hochschule München.
Seit 2025 ist Katz Ansprechperson gegen Antisemitismus der Hochschule München. Daneben schreibt er als Gastautor für Focus Online.
Katz lebt in München, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Er ist lizenzierter Pilot und engagiert sich ehrenamtlich bei Flying Hope, einem Verein für Hilfsflüge für schwerkranke Kinder.
Engagement gegen Antisemitismus
Run for Their Lives und Demonstration 2024 Nach dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 gründete Katz gemeinsam mit Jil Meiteles den Münchner Ableger der Initiative Run for Their Lives, wöchentliche stille Mahngänge für die von der Hamas verschleppten Geiseln. Die Münchner Gruppe war die erste in Europa und entwickelte sich zur größten von weltweit über 200 Gruppen.
Zum Jahrestag des Überfalls initiierten Katz und Meiteles die Kundgebung „365 Tage – München gegen Antisemitismus“ am 6. Oktober 2024 auf dem Münchner Odeonsplatz. Die Schirmherrschaft übernahmen Charlotte Knobloch und Oberbürgermeister Dieter Reiter; zu den Rednern zählten Ministerpräsident Markus Söder, der Präsident des Zentralrats der Juden Josef Schuster und die Schauspielerin Uschi Glas. Nach Polizeischätzungen nahmen rund 10.000 Menschen daran teil – und die Veranstaltung wurde als eine der größten Demonstrationen gegen Antisemitismus in Deutschland eingeordnet.
DACH gegen Hass Im September 2025 initiierte Katz gemeinsam mit Verena Kayser-Eichberg und Jil Meiteles die länderübergreifende Initiative DACH gegen Hass mit dem Motto „Antisemitismus? Ohne mich!“, die als zivilgesellschaftliches Bündnis Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vereint und von über 200 Organisationen unterstützt wird. Die Initiative legte einen Fünf-Punkte-Plan gegen Antisemitismus vor und startete die Petition „Nie wieder heißt Jetzt“, die von mehr als 40.000 Menschen unterzeichnet und an den Deutschen Bundestag übergeben wurde.
Am 5. Oktober 2025 organisierte das Bündnis unter der Schirmherrschaft von Charlotte Knobloch und Markus Söder eine Kundgebung auf dem Münchner Königsplatz; zu den Rednern zählten Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, Josef Schuster, Landesbischof Christian Kopp und der Münchner Generalvikar Christoph Klingan.
Im Mai 2026 stellten sich die Abgeordneten von CSU, Bündnis 90/Die Grünen, Freien Wählern und SPD im Bayerischen Landtag gemeinsam mit Ilse Aigner und Markus Söder geschlossen hinter die von Katz initiierte Kampagne „Antisemitismus? Ohne mich!“.
Anfeindungen Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass Katz im Zusammenhang mit seinem Engagement Morddrohungen und antisemitische Anfeindungen erhielt; die Münchner Polizei ermittelte, Politiker – darunter der bayerische Antisemitismusbeauftragte – verurteilten die Drohungen. Das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender in Deutschland, Österreich und der Schweiz erklärte sich mit Katz solidarisch und verurteilte die Angriffe.
Weiteres Engagement Im Januar 2026 organisierte Katz anlässlich des Holocaust-Gedenktags einen „March of the Living“ in Dachau. Öffentlich äußerte er sich zudem zu Handlungsmöglichkeiten für Betroffene von Hass im Netz.
Schriften (Auswahl)
Intercultural Negotiation: The Unique Case of Germany and Israel. Books on Demand, Norderstedt 2011, ISBN 978-3-8423-4810-3. I'll Do It! 2020, ISBN 979-8-5803-9727-6.
Weblinks
Website von Guy Katz Website der Initiative D-A-CH gegen Hass Guy Katz an der Hochschule München
Einzelnachweise
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