Das Gefecht bei Groß Boden fand am 4. Dezember 1813 im Rahmen des Einsatzes des dänischen Auxiliarkorps an der Seite der französischen Truppen Napoleons bei dem Dorf Groß Boden im Südosten des Herzogtums Holstein statt. Das Gefecht war Teil der Befreiungskriege bzw. des Sechsten Koalitionskriegs. Nach Napoleons Niederlage in Russland 1812 rückten Teile der Nordarmee der Koalition im Dezember in Norddeutschland vor. Dort hatte Dänemark-Norwegen im Juli 1813 ein Korps von 12.000 Mann aufgestellt, das gemeinsam mit französischen Divisionen das XIII. Armeekorps unter Marschall Davout bildete. Während die französischen Divisionen Hamburg verteidigten, zog sich der dänische Verband unter ständigen Kämpfen durch Holstein Richtung Norden zurück. Am 4. Dezember 1813 kam es bei dem Dorf Groß Boden zu einem Gefecht: Eine dänische Brigade – bestehend aus den Infanterieregimentern Schleswig und Fünen sowie einer Schwadron der leichten Dragoner des Fünener Regiments – stoppte eine nachsetzende Vorhut des russisch-deutsch-schwedischen Armeekorps unter dem Koalitionsgeneral Graf Wallmoden.Artikel: Det kimer nu til julestrid. 2010. Link. Abgerufen am 16. Juli 2026.
Hintergrund Die Lage für Dänemark-Norwegen hatte sich im Herbst 1813 bedrohlich zugespitzt. Dänemark hatte sich im Februar 1813 zunächst für neutral erklärt. Napoleons Erfolge bei Großgörschen und Bautzen im Mai 1813 sowie die von Großbritannien gestützten Ansprüche der Schweden auf das dänische Norwegen bewogen den dänischen König Friedrich VI. allerdings, erneut ein Bündnis mit den Franzosen einzugehen.Wilhelm Sager: Heere zwischen den Meeren – Heeres- und Kriegsgeschichte Schleswig-Holsteins. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. Husum. 2003, ISBN 3-89876-113-4. S. 90.
Nach Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig (15.–19. Oktober 1813) rückte sein ehemaliger Marschall Bernadotte – inzwischen schwedischer Thronfolger – mit einer russisch-deutsch-schwedischen Armee gegen die verbliebenen französischen Positionen und ihre dänischen Verbündeten in Norddeutschland vor. Davout musste sich schließlich vor der Übermacht nach Hamburg zurückziehen und wurde dort eingeschlossen, während sich das dänische Hilfskorps unter ständigen Gefechten nach Nordwesten durch Holstein zurückzog, um möglichst den Schutz der starken Festungsanlagen von Rendsburg zu erreichen. Bei einem letzten Versuch, die Verbindung zu den Franzosen in Hamburg wiederherzustellen, kam es am 4. Dezember bei Groß Boden zu einem Gefecht mit der Avantgarde der Koalitionstruppen.Hans Christian Wolter, Helge Scheuchen, Ole L. Frantzen, Christian Würgler Hansen: Den danske hær i Napoleonstiden 1801–1814. Tøjhusmuseet. ISBN 87-89022-10-6. S. 24.
Das Gefecht Zu diesem Zeitpunkt waren die Dänen mit der Brigade Lallemand und der 1. Brigade bei Kronforde aufgestellt, während sich die 2. Brigade in Bliestorf befand. Generalmajor Lasson, der Kommandeur der 2. Brigade, befürchtete, nach dem Verlust der Verbindung zum XIII. Korps abgeschnitten zu werden, da seine Flanke „in der Luft hing“. Er beschloss daher, sich nach Oldesloe zurückzuziehen.
Als der Kommandeur des dänischen Hilfskorps, Prinz Friedrich von Hessen-Kassel vom Rückzug Lassons erfuhr, wies er ihn an erneut in Richtung Groß Boden vorzurücken, um die Verbindung zu den Franzosen wieder herzustellen. Kurz darauf erhielt er von Marschall Davout die Nachricht, dass die Straße zwischen Oldesloe und Hamburg vom Feind besetzt sei; damit galt die Verbindung zwischen den französischen und dänischen Truppen faktisch als unterbrochen. Der Vorstoß auf Groß Boden hätte daher eigentlich abgebrochen werden müssen, doch dies war nicht mehr möglich – zwei starke Aufklärungseinheiten waren bereits unterwegs.
Die eine Einheit unter Hauptmann Hoffmann, bestehend aus der 5. Kompanie des Fünen-Infanterieregiments und einer halben Schwadron des Fünen-Regiments der leichten Dragoner, rückte etwa 20 km nach Süden vor. Dort erfuhren sie, dass der Feind zwischen den eigenen Truppen und den Franzosen stand und ein Kontakt zu diesen nicht mehr hergestellt werden konnte. Während Hoffman den Rückzug einleitete, wurde seine Einheit von einem Bataillon Lüneburger angegriffen. General Dörnberg, der über den dänischen Vorstoß informiert worden war, entsandte umgehend die Hannoveraner leichte Brigade (Kommandeur Oberstleutnant Martin) und das 1. Husarenregiment in Richtung Groß Boden.
Die zweite Aufklärungseinheit unter Oberstleutnant Scriver – bestehend aus dem Schleswig-Infanterieregiment und einer halben Schwadron des Husarenregiments – gelangte bis wenige Kilometer östlich von Groß Boden. Zu diesem Zeitpunkt erhielten die dänischen Truppen von Generalmajor Lasson den Befehl zum Rückzug. Der dänische Vorstoß hatte die Koalitionstruppen überrascht, die jedoch rasch eine überlegene Streitmacht aus den Hannoveranern (King’s German Legion) und dem 4. Bataillon der Russisch-Deutschen Legion aus der Brigade WardenburgHans Christian Wolter, Helge Scheuchen, Ole L. Frantzen, Christian Würgler Hansen: Den danske hær i Napoleonstiden 1801–1814. Tøjhusmuseet. ISBN 87-89022-10-6. S. 203. zusammenzogen. Bei nebligem Wetter griff plötzlich das Lüneburger Bataillon die dänische Hauptstellung bei Boden an. Dieser Angriff wurde dreimal vom 1. Bataillon des Schleswig-Infanterieregiments abgewehrt, das den Feind mit gezieltem Salvenfeuer empfing. Anschließend wurde das hannoversche Bataillon Bremen-Verden gegen die Dänen eingesetzt, woraufhin Oberstleutnant Scriver seine Truppen in Richtung Groß Boden zurücknahm. In diesem entscheidenden Augenblick ließ die Brigade fünf Kompanien des Fünen-Infanterieregiments bei Klein Boden als Unterstützung für Scrivers Einheit in Stellung gehen.Lindvang, Holck, Jürgensen & Jegsen: Slesvigske Fodregiment gennem 200 år 1778 – 1978, Slesvigske fodregiments garnison. Winds bogtrykkeri a/s Haderslev. 1978.
Bei einsetzender Dämmerung und weiterhin starkem Nebel, der die Sichtweite erheblich beschränkte, erwarteten die Dänen den weiteren Angriff. Dieser erfolgte angeführt vom Bataillon Bremen-Verden in der ersten und dem Bataillon Anhalt-Dessau in der zweiten Linie. Die beiden Bataillone wurden jedoch von dänischem Salvenfeuer und einem anschließenden Bajonettangriff abgewehrt. Angesichts dieses Gegenangriffs wichen die Hannoveraner zurück; zugleich starteten die dänischen Reiter einen Überraschungsangriff, der die Koalitionstruppen in Panik versetzte und in die Flucht schlug. In die Flucht gerieten auch die Kielmannseggschen Jäger hinein, die an den Kämpfen vorher noch nicht involviert gewesen waren.
Nachwirkungen Das Vorgehen der Dänen Richtung Groß Boden hatte Wallmoden in seinem Vorgehen Richtung Nordwesten zunächst überrascht und die eilig zusammengestellte Angriffsstreitmacht war unkoordiniert und nicht in der Lage, die dänischen Linien zu durchbrechen, was zu einem dänischen Sieg über die zahlenmäßig überlegenen Truppen der Koalition führte. Bevor Walmoden seine Haupttruppen gegen Groß Boden konzentrieren konnte, zogen sich die Dänen nach Oldesloe zurück.
Aus Sorge, von alliierten Einheiten umgangen zu werden, beschloss der Prinz von Hessen bald, auch die Stellung bei Oldesloe aufzugeben und nach Bornhöved zu marschieren, wo es wenige Tage später, am 7. Dezember, zu einem erneuten Gefecht kam.Hans Christian Bjerg & Ole L. Frantzen: Danmark i krig. Gyldendals bogklubber. 1 bogklubudgave. 2005. ISBN 87-03-00990-4. S. 265. Das Gefecht bei Boden war ein hervorragender kleiner Sieg gewesen. Die dänische Infanterie hatte sich gegen den ebenbürtigen Gegner ausgezeichnet und sich als ebenso schlagkräftig erwiesen wie die dänische Kavallerie, die sowohl von Freunden als auch von Feinden als die beste auf dem Schlachtfeld anerkannt wurde.Hans Christian Bjerg, Ole L. Frantzen: Vi kæmpede til lands og til vands – fortællinger om danske krige i tusind år. Forlaget Hovedland. 2014. ISBN 978-87-7070-455-7. S. 138.
Mehrere dänische Einheiten hatten zu diesem Erfolg beigetragen, doch war es das 1. Schleswigsche Regiment, das den ersten schweren Schlag abfing und überstand und damit den Weg für den erfolgreichen Schlachtausgang ebnete. Daher wurde dem Regiment 1938 eine Fahne mit der Inschrift „BODEN 1813“ für den Einsatz am 4. Dezember verliehen. Die Zeremonie fand am 30. Juni 1938 bei Bjerning statt, wo das Regiment 90 Jahre zuvor – während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung – ebenfalls an einem kleineren Gefecht teilgenommen hatte.
Weblinks Henrik Schou: Denmark’s role in the 1813 Campaign bei Blunders on the Danube. 2013. Frank Becker: Napoleonische Kriege in Norddeutschland – das Gefecht bei Gross Boden bei Figuren und Geschichten - ein Tabletop Tagebuch. 2024.
Einzelnachweise
Groß Boden Kategorie:King’s German Legion Kategorie:Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg Groß Boden Groß Boden Groß Boden Kategorie:Schleswig-holsteinische Geschichte (19. Jahrhundert) Kategorie:Geschichte (Kreis Herzogtum Lauenburg)