Der Servicejet ist ein dreiteiliger Lösch- und Rettungszug, der für die Anwendung in Tunneln entwickelt wurde und sukzessive die unterschiedlichen Rettungszüge der ÖBB-Infrastruktur ablösen soll. Der Zug ist mit diverser Technik zur Bergung, Rettung und Brandlöschung ausgestattet. Auslöser für die Beschaffung war neben der Vereinheitlichung der Bestandsflotte das Notfallkonzept im 2025 neu eröffneten Koralmtunnel.
Geschichte Für die Notfallkonzepte der neuen Alpenbasistunnel Koralm, Semmering und Brenner benötigte die ÖBB-Infrastruktur AG neue Lösch- und Rettungszüge. Um den Betrieb zu rationalisieren und die 21 Bestandsfahrzeuge zu ersetzen, schlossen die ÖBB und Stadler Rail Ende Dezember 2020 eine Rahmenvereinbarung zur Entwicklung, Lieferung und Inbetriebsetzung von bis zu 20 Lösch- und Rettungszügen auf Basis des Flirt. Im Erstabruf wurden fünf Triebzüge im Wert von 60 Millionen Euro bestellt. Die gesamte Rahmenvereinbarung hat einen Umfang von 240 Millionen Euro.
Die Montage begann 2022, im August 2023 präsentierten die ÖBB und Stadler den ersten Servicejet. Zugleich wurde bekannt, dass insgesamt 18 Servicejet für 230 Millionen Euro beschafft werden. Im September 2024 wurde der Triebzug 011 auf der InnoTrans in Berlin ausgestellt.
Technik mini|alt=Das Bild zeigt den Innenraum des Mannschaftsbereiches mit einem breiten Mittelgang und seitlich angeordneten Sitzplätzen. Jeder Sitzplatz verfügt über eigene Schutzausrüstung bzw. Aufbewahrungsplatz oberhalb des Sitzes.|Mannschaftsraum im Endwagen A mit seitlicher Sitzanordnung
Die 68 Meter langen Servicejets bestehen aus zwei Triebwagen (Wagen A und B) und einem antriebslosen Mittelwagen (Wagen C), die über Faltenbälge miteinander verbunden sind. Die Wagen laufen auf je zwei luftgefederten Drehgestellen. In den Führerständen befinden sich zwei Bedienplätze. Auf dem rechten Platz sitzt der Triebfahrzeugführer, vom linken Platz aus können die Löscheinrichtungen gesteuert werden.
Angetrieben wird der Servicejet entweder über die Oberleitung mit 2940 kW Leistung, über zwei Dieselaggregate mit insgesamt 780 kW oder über zwei Fahrzeugbatterien mit insgesamt 280 kWh Kapazität. Werden Dieselmotoren und Traktionsbatterien zur Energieversorgung genutzt, ist eine Leistung von 1200 kW verfügbar. Die Akkus können über die Oberleitung oder die Dieselgeneratoren nachgeladen werden. Rekuperation ist möglich. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h im Oberleitungsbetrieb und 120 km/h ohne Oberleitung.
Für den Löschangriff besitzt der Servicejet vier Hochdruckwasserwerfer mit je 100 bar (von vorne links und rechts oben befindlich), zwei Niederdruckwasserwerfer mit je 10 bar (zentral unterhalb der Frontscheibe), mehrere Löschwasseranschlüsse an beiden Fahrzeugseiten und einen Wasservorrat von 40 m³. Alle Löscheinrichtungen können auch in Verbindung mit Schaummittel eingesetzt werden. Die Pumpen und Schaumzumischsysteme befinden sich unterflur im Mittelwagen, darüber liegt der Wassertank und ein Durchgang mit längs angeordneten Sitzplätzen. Auf dem Dach der beiden Triebwagen befinden sich vier Überdruck-Strahlventilatoren, die den Rauch und die Hitze bei Tunnelbränden vom Fahrzeug fernhalten können. Zudem können sie den von den Hochdruckwerfen erzeugten Wassernebel in den Tunnel befördern und ihn damit kühlen. Das Wasser kann während der Fahrt und im Stand ausgebracht werden.
Der Servicejet ist für Evakuierungen von maximal 324 Personen ausgelegt, wobei die Durchgängigkeit aller Zugteile eine schnellere Abwicklung am Unfallort als mit den bisherigen Fahrzeugen gewährleisten soll. Der Zustieg erfolgt über zwei einflügelige Türen pro Seite und mehrere Stufen in die beiden Triebwagen. Im Triebwagen B befindet sich eine Toilette. Der Innenraum des Servicejets ist durch eine Schutzbelüftung geschützt. Filter und ein Überdruck verhindern das Einströmen von Rauchgasen.
Für besondere Einsätze wie zur Waldbrandbekämpfung können bis zu sieben Rollcontainer mitgeführt werden. Sie werden über eine Hubplattform aufgeladen und können am Einsatzort abgeladen werden. Bis zu 18 Feuerwehr-Einsatzkräfte mit Atemschutzausrüstung können sich in einem Raum hinter dem Führerstand im Triebwagen A auf den Einsatz vorbereiten. Beim Auffinden von Personen oder Brandherden im Tunnel werden die Einsatzkräfte durch Kameras, Scheinwerfer sowie Wärmebildkameras unterstützt.
Es können Züge mit einer Gesamtmasse von maximal 2000 Tonnen abgeschleppt werden, bei Bedarf auch ohne Energiezuführung über die Oberleitung. Zudem kann der Servicejet einen defekten Zug mit Energie versorgen.
Neben der täglichen Bereitschaft sollen die Servicejet-Garnituren auch bei regulären Instandhaltungsfahrten zum Einsatz kommen, etwa zum Transport von Personal und Materialien innerhalb der Tunnel.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Schienenfahrzeug (Spurweite 1435 mm) Kategorie:Österreichische Bundesbahnen Kategorie:Lösch- und Rettungszug Kategorie:Stadler Flirt