mini|Coordinadora de Centrales Sindicales del Cono Sur (2007) Die Coordinadora de Centrales Sindicales del Cono Sur (Koordinierungskomitee der Gewerkschaftsverbände des Südlichen Kegels / CCSCS) wurde 1986 mit Unterstützung der ICFTU-ORIT, der Regionalorganisation des damaligen IBFG für die Amerikas, in Buenos Aires gegründet. Die CCSCS diente als Koordinierungsorgan wichtiger Gewerkschaftsverbände der Länder des „Südkegels“ (Cono Sur), zu dem die an der südlichen Spitze Südamerikas liegenden Länder Chile, Argentinien, Uruguay und Paraguay sowie gelegentlich Teile Brasiliens gerechnet werden.

Die Gründungsurkunde vom September 1986 in Buenos Aires definierte die Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten als zentrales Ziel im Kampf gegen die damals noch in der Region bestehenden autoritären Regime (Chile und Paraguay) und sah die Koordinierung gemeinsamer gewerkschaftlicher Aktionen gegen die Auslandsverschuldung und ihre Folgen vor.

In den Anfangsjahren des Mercosur kritisierte das CCSCS in seinen Verlautbarungen die Transnationalisierung der Wirtschaft, die Deregulierung der Finanz- und Handelsmärkte und des technologischen Wandels, den stetigen Anstieg von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung in allen Ländern der Region sowie den Umfang der Machtausübung durch multinationale Konzerne.

Die CCSCS setzte sich für gewerkschaftliche Rechte durch Aufbau dreiseitiger Foren (Wirtschafts- und Sozialberatungsforum Mercosur – FCES –, Sozial- und Arbeitskommission Mercosur – CSL –, Hochrangige Beschäftigungsgruppe – GANEMPLE –) sowie bei der Schaffung rein staatlicher Gremien (Mercosur-Gruppe für Produktive Integration – GIP –) ein. Diese Foren werden als Beispiele für einen sozialen Dialog in der Subregion angesehen.

Seit 1995 versuchte der Dachverband, sich in die Verhandlungen um das Freihandelsabkommen EU-Mercosur einzuschalten. Nach dem Aufstieg der Regierungen des „progressiven Konsenses“ in den Mercosur-Beitrittsstaaten (2003–2015) konzentrierten sich die dreiseitigen Dialoge auf die Verabschiedung einer Mercosur-Strategie für Beschäftigungswachstum und einer neuen Erklärung der sozialen und Arbeitnehmerrechte, die nach zehn Jahren kontinuierlicher Überarbeitung im Juli 2015 unterzeichnet wurde.

Die CCSCS beteiligte sich auch an internationalen Institutionen wie der G20, der WTO und UNASUR, COSATE, dem Iberoamerikanischen Gipfel, dem UNEP-Klimagipfel und der IOM und setzte ihre Beteiligung an traditionellen Foren wie der ILO fort.

Die auf der Pluralität der Gewerkschaftsstrukturen, Ideologien, Geschichten und Praktiken beruhende Struktur des CCSCS sollte einen Lernprozess der Toleranz und des Respekts unter den beteiligten Akteuren fördern.

Die CCSCS strebte danach, eine Organisation mit supranationalem Status zu werden, die die Stimme der Mercosur-Arbeitnehmer vertritt und sie gegenüber anderen internationalen Institutionen repräsentiert.

Nach dem politischen Umbruch in der Region – gekennzeichnet durch den institutionellen Putsch, der Fernando Lugo in Paraguay (2012) stürzte, die Wahlen und den politischen Kurswechsel in Argentinien (2015) sowie den Parlamentsputsch in Brasilien, der Michel Temer 2016 an die Präsidentschaft brachte – musste die Arbeiterbewegung des Cono Sur ihre Strategie anpassen. Sie konzentriert sich darauf, den Rückschritt in der Demokratie in der Region und die veränderte Ausrichtung der Mercosur-Integration in die internationale Arena anzuprangern, und intensivierte auf einem Treffen in Brüssel im Juni 2019 ihre Kontakte zum Europäischen Gewerkschaftsbund. Dabei kam man zu einer negativen Einschätzung des bis dahin ausgehandelten handelspolitischen Teils des Abkommens.

Nach Ansicht vieler lateinamerikanischer Gewerkschafter hatte sich auch die Verhandlungsstrategie der EU in den jahrzehntelangen Verhandlungen um das Mercosur-Abkommen verändert. In der ersten Etappe bis etwa 2015 sei es der EU zwar letztlich immer um wirtschaftliche und handelsbezogene Ziele gegangen, die aber auch eine starke politische Komponente gehabt hätten, da die EU eine alternative Form der internationalen Integration jenseits des von den USA vertretenen neoliberalen Ansatzes voranzutreiben versuchte. In einer zweiten Etappe sei sie angesichts des politischen Wandels in den nationalen Regierungen nur noch am Handel interessiert gewesen. Während viele Gewerkschaften des Cono Sur den Verhandlungen ursprünglich positiv gegenüber standen, habe sich eine negative Sicht auf die Verhandlungen durchgesetzt.Sebastian Wolff: ›Trading out of Crisis‹? Zur Bedeutung von Handelspolitik im europäischen Krisenmanagement. Dissertation Tübingen 2016, S. 237. Besonders in Argentinien fürchtete man eine weitere Deindustrialisierung und Behinderung der wirtschaftlichen Entwicklung.Carlos Bianco u. a. : La actualidad de las negociaciones entre la Unión Europea y el MERCOSUR: una peligrosa forma de ‘volver al mundo’. Fundación Friedrich-Ebert Argentina, Análisis, Nr. 28, 2018.

Auf einem Treffen der Mitgliedsgewerkschaften Argentiniens, Brasiliens, Chiles, Paraguays und Uruguays im Februar 2024 bekräftigte der CCSCS seine Ablehnung der Entwürfe des Mercosur-Abkommens in der damals vorliegenden Form.Reunión de la Coordinadora de Centrales Sindicales del Cono Sur (CCSCS) auf Website des CTA autónoma (Argentinien), 2024

Literatur

Weblinks Suchergebnisse zu CCSCS auf https://www.etuc.org/

Einzelnachweise

Kategorie:Gegründet 1986 Kategorie:Organisation (Buenos Aires)