Das sehr seltene Mineral Parascandolait ist ein Fluorid aus der Perowskit-Supergruppe mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung (Endgliedzusammensetzung) KMgF3. Es kristallisiert mit kubischer Symmetrie und bildet würfelförmige Kristalle mit Kantenlängen von meist unter einem halben Millimeter. Die glasglänzenden Kristalle sind farblos bis weiß und transparent.

Die Typlokalität ist die Fumarole B5 des Vesuvs, in der sich Parascandolait nach der Eruption von 1944 bei der Reaktion von fluorhaltigen Gasen mit kaliumreichen Gesteinen bildete.

Etymologie und Geschichte Das Doppelfluorid KMgF3 wurde bereits 1947 von I. Náray-Szabó in Budapest und Anfang der 1950er Jahre von W. L. W. Ludekens und A. J. E. Welch am Imperial College London synthetisiert und dessen Struktur analysiert, zusammen mit einigen weiteren Verbindungen dieses Typs.

Das Mineral Parascandolait wurde rund 60 Jahre später von den italienischen Chemikern Francesco Demartin, Italo Campostrini und Carlo Castellano von der Universität Mailand sowie dem Vulkanologen Massimo Russo vom Vesuv-Observatorium in Neapel in einer Fumarole am Vesuv entdeckt. Sie benannten das neue Mineral der Perowskitgruppe nach Antonio Parascandola, einem Vulkanologen und Mineralogen der Universität Neapel, der den Ausbruch des Vesuvs 1944 aus der Nähe beobachtete und die dabei gebildeten Minerale beschrieb.

Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 2013 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 2013-092), die den Parascandolait als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde im Folgejahr im Fachmagazin Physics and Chemistry of Minerals veröffentlicht. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Parascandolait lautet „Psd“.

Klassifikation Die strukturelle Klassifikation der IMA zählt den Parascandolait zur Gruppe der stöchiometrischen Einfachperowskite in der Perowskit-Supergruppe. Hier bildet er zusammen mit Neighborit die Neighborit-Untergruppe.

Da Parascandolait erst 2013 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er weder in der seit 1977 veralteten 8. Auflage noch in der von der IMA zuletzt 2009 aktualisierten 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik verzeichnet. Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche und 1997 zuletzt veröffentlichte Systematik der Minerale nach Dana kennt den Parascandolait nicht.

Die zuletzt 2018 überarbeitete Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, führt den Parascandolait ebenfalls noch nicht.

Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation ordnet den Parascandolait in die Klasse der „Halogenide“ und dort in die Abteilung „Einfache Halogenide ohne H2O“ (). Diese ist weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis von Metall zum entsprechenden Halogenid. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : X = 1 : 1, 2 : 3, 3 : 5, etc.“, wo er zusammen mit Neighborit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 3.AA.35 bildet (vergleiche dazu auch Unterabteilung „A: M : X = 1 : 1 und 2 : 3“ in der Klassifikation nach Strunz (9. Auflage)).

Chemismus Parascandolait ist das Kaliumanalog von Neighborit und hat die Endgliedzusammensetzung KMgF3. Der Parascandolait aus der Typlokalität ist sehr rein und hat die empirische Zusammensetzung K1,02Mg1,02F3.

Aus Synthesen ist die lückenlose Mischkristallreihe von KMgF3 mit NaMgF3 bekannt und in den Karbonatit-Laven des Ol Doinyo Lengai in Tansania wurden Mischkristalle aus ungefähr gleichen Teilen Neighborit (NaMgF3) und Parascandolait (KMgF3) und bis zu 14 Mol-% des hypothetischen Barium-Endglieds KBaF3 beschrieben.

Kristallstruktur Parascandolait kristallisiert mit kubischer Symmetrie der und den Gitterparametern a=4,0032(9) Å sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle. Parascandolait liegt in der Struktur von Perowskit vor. Kalium (K+) besetzt die von 12 Fluorionen kuboktaedrisch umgebene A-Position und Magnesium (Mg2+) die 6-fach koordinierte, oktaedrische B-Position.

Für reinen Parascandolait ist bislang kein Phasenübergang beobachtet worden und KMgF3 ist sowohl bei tiefen Temperaturen bis 3,6°K noch kubisch wie auch bei extrem hohem Druck von 50 GPa und vermutlich darüber hinaus.

In der Mischkristallreihe Parascandolait – Neighborit sind die Verbindungen mit weniger als 22 Mol-% Parascandolait orthorhombisch (bei Raumtemperatur und 1 bar). Auch mathematische Simulationen bestätigen diesen Trend und sehen den Übergang zu orthorhombischen Verbindungen bei Kaliumgehalten unter 50 %.

Bildung und Fundorte Parascandolait ist ein sehr seltenes Mineral und wurde bislang (Stand 2026) an rund 5 Fundorten weltweit dokumentiert, obwohl sich sein Stabilitätsbereich von der Erdoberfläche (Fumarolen, Natroarbonatit-Lava) bis in den unteren Erdmantel erstreckt.

Die Typlokalität ist die Fumarole B5 des Vesuvs, in der sich Parascandolait nach der Eruption von 1944 bei der Reaktion von fluorhaltigen Gasen mit kaliumreichen Gesteinen bildete. Parascandolait tritt hier zusammen mit Opal (SiO2), Cerussit (PbCO3), Mimetit (Pb5(AsO4)3Cl), Phönikochroit (Pb2(CrO4)O) und Fluornatrocoulsellit (CaNa3AlMg3F14) auf.

In einem Diamanten aus der Rio-Soriso-Lagerstätte im Gebiet von Juína im Bundesstaat Mato Grosso, Brasilien, wurden Einschlüsse von Mineralien aus dem unteren Erdmantel gefunden, die in rund 1900 km Tiefe bei einem Druck von mindestens 85 GPa gebildet wurden. Parascandolait wurde hier zusammen mit Graphit, einem aluminiumreichen Spinell (möglicherweise Hercynit) und orthorhombischen MgO (Periklas) gefunden. Weitere Einschlüsse dieses Diamanten enthielten die Einsenkarbide Chalypit (Fe2C), Cohenit (Fe3C) und Fe3(N0,8C0,2)1,38 – ähnlich zu Yarlongit (Cr4Fe4Ni)C4), die oft reich an Stickstoff sind, das Silicocarbid Fe5SiC, orthorhombisches Mg-Cr-Fe-Oxid (MgCr2O4) und Ca-Cr-Oxid (CaCr2O4), Wüstit, Spinelle (z. B. Magnesioferrit), Apatit, Calcit, Dolomit und Stickstoff.

Neighborit-Parascandolait-Mischkristalle wurden in den Natrokarbonatit-Laven des Ol Doinyo Lengai in Tansania gefunden. Sie treten hier zusammen mit natriumreichem Sylvin, einem Ba-Ca-Sr-Na-Karbonat, Nyerereit, Gregoryit und Apatit auf.

Siehe auch Liste der Minerale

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise Fundortliste für Parascandolait beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 15. Juli 2026.

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