mini|Étienne Aubry (1745–1781) – Portrait du sculpteur Louis-Claude Vassé, 1771. Schloss Versailles Louis-Claude Vassé (* 1717 in Paris; † 30. November 1772 ebenda) war ein französischer Bildhauer und Zeichner. Er zählt zu den bedeutendsten Bildhauern Frankreichs unter Ludwig XV. und war maßgeblich an der Durchsetzung des Frühklassizismus beteiligt.

Leben

Louis-Claude Vassé war der Enkel des Bildhauers Antoine Vassé sowie Sohn und Schüler des Bildhauers François-Antoine Vassé. Nach dessen Tod im Jahr 1736 studierte er an der École des Beaux-Arts in Paris bei Edme Bouchardon. Im Jahr 1739 erhielt er den Großen Rompreis für Bildhauerei mit dem heute verschollenen Basrelief Jézabel mangée par les chiens. Von 1740 bis 1745 war er Stipendiat an der Académie de France à Rome, anschließend kehrte er nach Paris zurück. Zwischen 1748 und 1771 stellte Louis-Claude Vassé mehrfach seine Werke auf dem Pariser Salon aus, darunter 1767 ein heute verschollenes Marmormedaillon der russischen Kaiserin Elisabeth.mini|Louis-Claude Vassé – Une nymphe sortant de l’eau et tordant ses cheveux, 1761/63. Metropolitan Museum of Art, New York City1748 wurde er agréé der Académie royale de peinture et de sculpture, 1751 deren ordentliches Mitglied mit der Marmorstatuette Le berger endormi (Musée du Louvre, Paris). 1758 wurde er Adjoint à Professeur und 1761 schließlich Professor. Er erhielt eine Wohnung im Louvre sowie den Titel Sculpteur du Roi und war zudem Mitglied der Accademia delle Arti del Disegno in Florenz. Vassé wurde von Anne-Claude-Philippe de Thubières, Comte de Caylus gefördert. Dieser erhoffte sich von ihm einen Vertreter der Rückbesinnung auf klassische Ideale in der französischen Bildhauerei und vermittelte ihm prestigeträchtige Aufträge, insbesondere von der königlichen Familie und aus Adelskreisen. Sein Ansehen reichte bald auch ins Ausland: Sowohl der preußische König Friedrich II. als auch die russische Kaiserin Elisabeth erteilten ihm Aufträge.

Nach dem Tod des Comte de Caylus am 5. September 1765 schuf Vassé mehrere Werke für diesen: ein Medaillon für die Académie des Inscriptions et Belles-Lettres (Marmor, 1767, École nationale supérieure des Beaux-Arts, Paris), eine Büste des nach antikem Vorbild dargestellten Verstorbenen (Marmor, 1767, die einzige bekannte Büste des Comte de Caylus) sowie dessen Grabmal. Letzteres wurde 1769 in der Pariser Kirche St-Germain-l’Auxerrois errichtet und während der Französischen Revolution entfernt. Zu Vassés spätem Hauptwerk zählen der Kenotaph für Königin Maria Leszczyńska (Salon 1771) und das Mausoleum für Stanislaus I. Leszczyński, Herzog von Lothringen und König von Polen. Letzteres wurde 1768 begonnen und nach Vassés Tod von seinem Schüler Félix Lecomte vollendet (beide Werke aus Marmor, Kirche Notre-Dame de Bonsecours, Nancy). Louis-Claude Vassé starb am 30. November 1772 in seiner Wohnung im Louvre.

Werk mini|Büste von König Franz I. in Rüstung, nach Louis-Claude Vassé (1716–1772). Gipsabguss, Patina in Bronzeoptik. Château de Chambord, Frankreich Louis-Claude Vassés umfangreiches und vielfältiges Œuvre umfasst drei Hauptgruppen: mythologische und allegorische Figuren und Gruppen, religiöse Werke und Grabmäler sowie Porträts, überwiegend in Form von Büsten und Medaillons. Stilistisch war er stark von Bouchardon beeinflusst, verlieh seinen Arbeiten jedoch ein persönliches Gepräge, das sich durch sinnliche Ausstrahlung, Expressivität, klare Linienführung und realistische Gesichtszüge auszeichnet. Seine besondere Stärke lag in der virtuosen Bearbeitung von Marmor, wofür seine eleganten Statuetten exemplarisch sind, wie etwa L’Amour assis sur le bord de la mer rassemble les colombes du char de Vénus (1755, Musée du Louvre), das ehemals Teil der Sammlung von Madame du Barry im Schloss Louveciennes war.

Seinen Ruf als virtuoser Porträtist begründete Vassé mit einer ab 1757 im Auftrag von Pierre-Jean Grosley gefertigten, fünfteiligen Serie von Marmorbüsten bedeutender Persönlichkeiten aus der Champagne. Die Werke sind in einer klaren, schlichten Gestaltungsweise ausgeführt und befinden sich heute im Musée des Beaux-Arts in Troyes. Darunter befinden sich die Bildnisse des Bildhauers Girardon (Salon 1757) und des Juristen Pierre Pithou (Salon 1759). Besonders einfühlsam zeigte sich Vassé bei Kinderporträts mit persönlichem Bezug zu den Dargestellten. Zu seinen Werken zählen die Marmorbüste Garçonnet au turban (1759, Musée des Beaux-Arts, Lyon), die vermutlich seinen Sohn Pierre-Louis darstellt, sowie Büsten seiner Töchter Constance-Félicité-Victoire-Désirée (1763) und Adélaïde-Jeanne (Huntington Art Collections, San Marino, Kalifornien). mini|Louis-Claude Vassé – Anne Claude Philippe de Thubières, comte de Caylus, 1769. Musée du Louvre, Paris Eine besonders anmutige Pose zeichnet die Marmorstatue Une nymphe sortant de l’eau et tordant ses cheveux aus. Sie war ursprünglich Teil eines Wandbrunnens. Das Modell wurde 1761 präsentiert, ab 1763 befand sich die Statue in der Eingangshalle des Schlosses des Duc de Chevreuse in Dampierre und heute ist sie im Metropolitan Museum of Art in New York ausgestellt. Zu den an der römischen Antike orientierten Marmorbüsten zählen zudem das Bildnis von François Quesnay, dem Arzt Ludwigs XV. (1770), und das Porträt der Marquise de Flamarens (1771). Von seinem zeichnerischen Werk, das durch weiche, zarte Linienführung mit fließenden Übergängen geprägt ist, sind vor allem Skizzen und Entwürfe für plastische Arbeiten sowie Stiche nach Vassés Zeichnungen erhalten. Dazu gehört ein Bildnis Ludwig XVI. als Dauphin, das von Gilles Demarteau gestochen wurde und auf eine Zeichnung aus dem Jahr 1770 zurückgeht.

Weitere bedeutende Werke befinden sich in der Kathedrale von Auxerre (Steinigung des heiligen Stephanus, Basrelief und Statue aus Marmor, 1767), im Musée du Louvre (La Douleur, Basrelief und Fragment des Grabmals von Paul-Esprit Feydeau de Brou) sowie in der Kirche Saint-Eustache in Paris (Medaillon des François de Chevert aus Marmor, 1771) und im Schloss Sanssouci in Potsdam (Diana, lebensgroße Marmorstatue, 1769, in Auftrag gegeben 1756 von Friedrich II.) sowie im Schloss Versailles (Louis XV à cheval sur le champ de bataille, Salon 1750; Vénus qui dirige les traités de l’Amour, Marmorgruppe, 1758; 1761 als Geschenk von Ludwig XV. an Madame du Barry).

Literatur

Stanislas Lami: Dictionnaire des sculpteurs de l'École française au dix-huitième siècle. Bd. 2, Paris 1911. François Souchal: Louis-Claude Vassé. In: Apollo. Bd. 106, 1977, S. 406–410. Jean Coural: Note sur le tombeau de Paul-Esprit Feydeau de Brou par Louis-Claude Vassé. In: Revue de l'art. Nr. 40, 1979, S. 203–204. Jean-René Gaborit: L'amour de Louis-Claude Vassé au Louvre In: Revue du Louvre et des Musées de France. Bd. 37, 1987, S. 29–42. Barbara Black: Vassé's Bambinelli. The Child Portraits of an Eighteenth-Century French Sculptor. London 1994. Xavier Dufestel: Caylus mécène du Roi. Collectionner les Antiquités au XVIIIe siècle. Paris 2002. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 14: Valverde – Zyw. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009. Alexandra Michaud: Louis-Claude Vassé (1717–1772), un sculpteur français de la seconde moitié du XVIIIe siècle. Dissertation, Université de Lorraine, Nancy 2020.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Bildhauer (Paris) Kategorie:Zeichner (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1717 Kategorie:Gestorben 1772 Kategorie:Mann