mini|hochkant|María Lugones María Cristina Lugones (* 1944; † 14. Juli 2020) war eine argentinische Philosophin, Volksbildnerin und Hochschullehrerin. Sie hatte durch ihre Theorien multipler Selbste und der Kolonialität des Geschlechts einen großen Einfluss auf den dekolonialen Feminismus.

Leben Lugones wuchs in Morón bei Buenos Aires auf und ging in den 1960er Jahren zum Studium in die Vereinigten Staaten. An der University of California, Los Angeles erwarb sie einen Bachelorabschluss, an der University of Wisconsin–Madison einen Master und 1978 den Doktorgrad in Philosophie. Ihre Dissertation befasste sich mit dem radikalen Potenzial der Freundschaft bei Aristoteles. Nach einer Lehrtätigkeit am Carleton College wechselte sie in den frühen 1990er Jahren an die Binghamton University, wo sie vergleichende Literaturwissenschaft lehrte und in mehreren interdisziplinären Studienprogrammen tätig war. Sie starb am 14. Juli 2020 im Alter von 76 Jahren.

Wirken Lugones arbeitete außerhalb der Universität als Volksbildnerin und Organisatorin in den Vereinigten Staaten und Lateinamerika. In Playfulness, ‘World’-Travelling, and Loving Perception (1987) entwarf sie das „Weltenreisen“ und die liebevolle Wahrnehmung als Wege, andere Menschen ohne festgelegte Rollen, Überlegenheitsanspruch oder Wettbewerbslogik zu verstehen. Sie entwickelte dabei die Auffassung, dass Menschen in unterschiedlichen sozialen „Welten“ verschiedene Selbste ausbilden und nicht auf eine einheitliche Identität reduzierbar sind. Das Buch Pilgrimages/Peregrinajes: Theorizing Coalition Against Multiple Oppressions (2003) bündelte ihre Überlegungen zu Bündnissen gegen miteinander verflochtene Unterdrückungsverhältnisse. „Women of Color“ verstand sie dabei als offenen politischen Zusammenschluss und nicht als einheitliche ethnische Identität. In Heterosexualism and the Colonial/Modern Gender System (2007) und Toward a Decolonial Feminism (2010) entwickelte sie das Konzept der Kolonialität des Geschlechts. Sie kritisierte Aníbal Quijanos Theorie der Kolonialität der Macht dafür, eine eurozentrische, patriarchale und heterosexistische Geschlechterordnung als universell vorauszusetzen. Kolonialismus habe nicht lediglich europäische Geschlechterverhältnisse übertragen, sondern ein rassifiziertes System geschaffen, das Geschlecht untrennbar mit Klasse, „Rasse“ und Sexualität verschränke. Daraus leitete sie ihre Kritik an einem hegemonialen weißen Feminismus ab, der kulturelle Unterschiede, Rassifizierung und Klassenlagen unzureichend berücksichtige. Die Kritik wandten ein, Lugones habe patriarchale Elemente in vorkolonialen Gemeinschaften teilweise unterschätzt oder diese Gemeinschaften idealisiert.

Im Jahr 2016 erhielt sie die Auszeichnung Distinguished Woman Philosopher of the Year, 2020 den Frantz Fanon Lifetime Achievement Award.

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